Kirchheim

Eine Wunderpflanze für Imker und Landwirte

Bienen Der Kosmos eines Bienenstocks wird am Tag der offenen Tür den Besuchern erklärt.

Joachim Gleich in seinem Element.  Foto: Carsten Riedl
Joachim Gleich in seinem Element. Foto: Carsten Riedl

Kirchheim. Joachim Gleich ist Vollblut-Imker. Das wird spätestens nach dem zweiten Satz klar - und wenn er im Sommer kurzärmlig und tiefenentspannt durch die Bienenvölker läuft, auch sichtbar: Den Zeidler hat er sich auf den rechten Oberarm tätowieren lassen. Diese Zunft sammelte im Mittelalter Honig von wild oder halbwild lebenden Bienenvölkern, damals das einzige Süßungsmittel in Europa, und lieferte Wachs für die Kerzen und damit die beste Lichtquelle. Sie hatten sogar ihre eigene Gerichtsbarkeit und waren in eine grüne Tracht samt langer Zipfelmütze gewandet. Joachim Gleichs Tattoo-Zeidler entspricht dem Wappen: Er steht auf einem traditionellen, aus Stroh geflochtenem Bienenkorb und hat eine Armbrust umgehängt. Für diese Schusswaffe besaß er eine Sondergenehmigung, um mit deren Hilfe ein Seil über einen Ast schießen zu können. Daran kletterte er dann bis zum Bienenstock hinauf, der sich in einer Baumhöhle befand.

„Mit dem Rauch kann man sie lenken. Die wollen mich begrüßen - das sind halt alles Mädels“, meint er augenzwinkernd, als er einen Bienenstock öffnet. Dann erklärt er diesen eigenständigen Kosmos, der etwa 50 000 Bienen zählt. Eine Königin kann bis zu 2 000 Eier pro Tag legen. „Das ist mehr als ihr eigenes Körpergewicht“, sagt Joachim Gleich.

Seit 20 Jahren ist er Imker, mittlerweile Profi mit vielen Völkern. Für Einsteiger gibt er Kurse, und auch diejenigen, die schon länger dabei sind, erhalten wertvolle Tipps von ihm. „Es ist irre, wie die Imkerei boomt“, freut er sich. Dabei macht er einen weiteren Trend aus: Es gibt zwar immer mehr Bienenzüchter, die haben jedoch nicht mehr so viele Völker, wie es einst üblich war.

Das Wildbienensterben macht Joachim Gleich Sorgen. Für ihn sind jedoch nicht die Landwirte die alleinigen Sündenböcke. Jeder Gütlesbesitzer, der regelmäßig seine Obstwiese mulcht, trägt auch zum Insektenrückgang bei, denn dort herrscht grünes Einerlei statt blühender Blumen. Joachim Gleichs Schwager ist Landwirt. Mit ihm macht er immer wieder Experimente, um bienenfreundliche Anbaumethoden und -sorten zu testen. Dabei hat er einen klaren Favoriten: die Durchwachsene Silphie.

„Das ist eine tolle Energiepflanze. Im Gegensatz zu Mais braucht sie aber ab dem zweiten Jahr keine Spritzung, denn das Tolle ist: Die Pflanze ist mehrjährig“, kommt der Imker aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, da die bis zu drei Meter hohe Silphie von Juni bis September blüht - also relativ spät, wo die Bienen eher wenig Nektar finden. Iris Häfner

 

Wer mehr über die Imkerei und den unglaublichen Kosmos eines Bienenvolks erfahren will, hat dazu am Tag der offenen Tür am Sonntag, 15. Juli, am Lehrbienenstand des Bezirks-Bienenzüchtervereins in Kirchheim die Möglichkeit. Zu finden ist er direkt gegenüber der DEULA in der Hahnweidstraße. Beginn ist um 10.30 Uhr mit einer Kirche im Grünen.

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