Kirchheim

Einer verulkt Justitia

Kabarettist Werner Koczwara begeistert seine Fangemeinde in der Naberner Zehntscheuer

Justizsatire in der Naberner Zehntscheuer: Werner Koczwara ganz in seinem ElementFoto: Markus Brändli

Justizsatire in der Naberner Zehntscheuer: Werner Koczwara ganz in seinem Element. Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Die Fans erwarteten ihn in der vollbesetzten Zehntscheuer gespannt: Zum dritten Mal trat er hier vors Publikum, der Kabarettist  Werner Koczwara. Doch auch Bewährtes hat seine Tücken. So hieß der sonst so scharfzüngige Schwabe seine Gäste freundlich-langweilig willkommen zu einem „Diavortrag über die landschaftlichen Schönheiten Neuseelands“. Vier bis sechs Stunden Unterhaltung bei Tausenden von Lichtbildern verhieß er dem leicht verdutzten Volk . . .

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Doch Koczwara wäre nicht Koczwara, wenn das nicht ein Gag zum Warmlaufen gewesen wäre! Mit Volldampf stürzte er sich sogleich mitten ins aktuelle Programm „Einer flog übers Ordnungsamt“. Das Publikum hatte gleich gewaltig zu knapsen: Seine kriminalstatistischen Kenntnisse wandte der versierte Redner kurzerhand auf die Naberner Zehntscheuer an. Unter den gut 200 Besuchern vermutete er insgesamt zehn Jahre Führerscheinentzug, zweieinhalb Millionen Euro Bußgeld wegen Verkehrsdelikten, fünf Jahre Haft auf Bewährung und auch eine stattliche Summe „richtiger Knast“.

Schnell war somit klar, dass Justitias Entscheidungen jedermann angehen (können). Die Frage nach Gleichheit und Gerechtigkeit erkannte Koczwara schnell als Kernproblem des paragrafengeregelten Daseins auf dieser Welt. Die Unterscheidung falle hier oft mindestens so schwer wie die zwischen Gut und Böse.

Der selbsternannte Rechtsfachmann belegte dies auf einer atemberaubend schnellen Reise durch die Gerichte und Gesetze der deutschsprachigen Welt. Beruhigen konnte er die Zehntscheuer-Gäste mit einem Zitat aus dem Landesjagdgesetz: „In Räumen, die dem Aufenthalt von Menschen dienen, darf nicht gejagt werden." – Entspanntes Zurücklehnen war also angesagt, zumindest bis zur nächsten Pointe. Die folgte meist auf dem Fuß.

Was den 58-Jährigen besonders herausfordert, sind geschlechtsneutrale Formulierungen, speziell Texte und Verordnungen, die durch die Verwendung sowohl männlicher als auch weiblicher Substantivendungen stark aufgeblasen wurden. „Das ist keine Sprachgerechtigkeit, das ist Scheißdreck!“, wetterte er erbost nach Lektüre eines Beispiels.

Fündig wird er auch im Reiserecht. So stellte er unter Berufung auf ein Urteil aus Mönchengladbach klar, dass „ein kleines Insekt in einem großen Suppentopf kein Reisemangel“ sei. Und auch Besitzverhältnisse sind vielfach durch Justitia festgehalten. So konnte der versierte Redner seiner Fangemeinde eine geradezu wegweisende Entscheidung aus München mitteilen: „Schnee auf dem Autodach gehört dem Fahrzeughalter!“ – Die Zuhörer nahmen's begeistert zur Kenntnis und hatten auf dem nächtlichen Heimweg in den kalendarischen Frühlingsbeginn noch eine Menge zu lachen.