Kirchheim

Eingewanderter Pilz trachtet den Eschen nach dem Leben

Forstwirtschaft Quer durchs Unterholz schlugen sich Mitglieder des Kirchheimer Gemeinderats. Sie informierten sich über die Arbeit im Stadtwald. Von Iris Häfner

Das erste Treffen nach der Sommerpause gestaltete sich für den Kirchheimer Gemeinderat bei bestem Spätsommerwetter im Talwald entspannt, interessant - und kulinarisch lecker. Viele Themen galt es zu beackern, denn der Wald ist weit mehr als nur ein Wirtschaftsbetrieb der Stadt.

Viele Menschen drehen unter den Bäumen joggend ihre Runden, sammeln Pilze oder genießen einfach die Natur. Unweigerlich entsteht dann ein Spannungsfeld, wenn die Ruhe und Entspannung durch Motorsägen-Lärm erheblich gestört wird. Der Ärger beginnt bereits dann, sobald die übliche Walking-Runde jäh durch ein über den Weg gespanntes Banner gestoppt wird, das unmissverständlich darüber aufklärt, dass Lebensgefahr wegen Baumfällungen besteht und ein Weitergehen nicht gestattet ist.

An diesem Spätabend ist die Stimmung der Waldbesucher vor allem durch gespannte Neugierde geprägt. Carla Hohberger, stellvertretende Forstrevierleiterin, erklärt den Gemeinderäten, warum ausgerechnet an einem Hauptspazierweg bei den Bürgerseen ein vordergründig vital wirkender Baum gefällt wird: „Ursache ist das Eschentriebsterben. Wir haben eine hohe Verkehrssicherungspflicht. Der Baum muss weg, weil ihn ein Pilz - das Falsche Weiße Stengelbecherchen - absterben lässt.“ Der aus dem asiatischen Raum eingeschleppte Schädling breitet sich von den Blättern über die Triebe und Zweige bis in das Holz aus. Schließlich wird der Stammfuß faul und damit der ganze Baum instabil. Aus heiterem Himmel kann dann ein stärkerer Wind den Baum zu Fall bringen. „Eine Bekämpfung ist leider nicht möglich“, bedauert Carla Hohberger. Sie und ihre Försterkollegen gehen allerdings davon aus, dass einige wenige Eschen eine Resistenz gegen den Pilz ausbilden.

Carla Hohberger erklärt dem Kirchheimer Gemeinderat, was im Talwald aus forstlicher Sicht geschieht. Fotos: Markus Brändli
Carla Hohberger erklärt dem Kirchheimer Gemeinderat, was im Talwald aus forstlicher Sicht geschieht. Foto: Markus Brändli

Damit kein Waldbesucher von der Esche getroffen wird, greift Waldarbeiter Siegfried Rau ein. Anschaulich erklärt er, wie er professionell den Baum zu Fall bringt. Zum Einsatz kommt dabei auch die Seilwinde, die sein Kollege Hermann Schmid bedient. Derweil sichert Dieter Brösamlen, der dritte Forstarbeiter im Bunde, eine Flanke des Wegs, damit kein zufällig vorbeikommender Spaziergänger zu Schaden kommt.

Kastenschnitt mit Stützband heißt die Technik, die Siegfried Rau anwendet. Diese Fällmethode bedeutet bei dem instabilen Stamm eine hohe Sicherheit für den Forstwirt, denn der Baum bleibt solange senkrecht stehen, bis der Zug der Seilwinde das schnelle und präzise Ende bringt. „Da blutet einem das Herz, all die Eschen fällen zu müssen“, sagen Försterin und Arbeiter unisono. Doch lieber wollen sie die Bäume jetzt aus dem Wald holen, solange das Holz noch nicht zersetzt ist und damit verkauft werden kann.

Während das Ende der Esche besiegelt ist, erfreuen sich Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und einige Gemeinderäte an der Wuchskraft der von ihnen vor einigen Jahren gepflanzten Bäumchen. Die wachsen, sicher vor Rehwild umzäunt, in einer Lichtung der Sonne entgegen. Ehe sie zur Ernte anstehen dauert es noch ein gutes Weilchen. Weitaus zeitnaher lockt am Herrenhäusle der Rehgulasch, der im großen Topf über dem Holzfeuer dampft. Die Jagdpächter haben für den schmackhaften Abschluss im Wald gesorgt. Für Tierliebhaber gibt es Pilze in Sahnesoße - ob die aus Asien sind, wird nicht nachgefragt.

Siegfried Rau bringt eine Esche zu Fall.
Archivbild: Markus Brändli

Neue Jagdpächter im Talwald

Seit einem halben Jahr gibt es im Talwald neue Jagdpächter. Es ist quasi ein Familien-Unternehmen, bestehend aus Florian, Felix und Benjamin Mück sowie Vater Dieter Mück. „Wir haben es noch keinen Tag bereut“, erklärt Florian Mück.

Vier Mal wurden die Jäger bereits zu Wildunfällen gerufen. „Drei Tiere waren tot, eines haben wir nicht gefunden - das ist immer ärgerlich“, so der Jäger. Unfallschwerpunkte sind die B 297 und die K 1204 zwischen Lindorf und den Bürgerseen.

Manche Nacht ist zur Zeit recht kurz. Schuld sind die erntereifen Maisfelder - ein Schlaraffenland für Wildschweine. Wenn es in den Äckern grunzt und schmatzt, gehen die Jäger mitten hinein und „schießen in den Dreck“, um sie zu vertreiben. ih

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