Kirchheim

Einmal um die Welt in fünf Tagen

Kirchheim. Spanien, Italien, Bulgarien, Skandinavien, Australien – Es gibt Zehnjährige, die schon jetzt mehr Länder gesehen haben, als ihre Großeltern ihr Leben lang. Sie

waren in den Bergen Ski fahren, in der Wüste Kamel reiten und am Atlantik surfen und haben Tausende Kilometer im Flieger zurückgelegt, bevor sie selbst auch nur Auto fahren können. Dank Billig-Airlines und einer schrumpfenden Welt ist das alles heute kein Problem mehr. Muss aber eigentlich gar nicht sein – finden einige Mütter vom Rambouil­letplatz. Zwischen grünen Bäumen und grauen Häusern verbringen sie und ihre Kinder die Ferien vor der eigenen Haustür. Das Pavillon am Rambouilletplatz, kurz „Pavi“, ist ihr kleines Domizil. Jeden Tag wandert es ein Stück um die Erde. Nächster Halt: Italien.

Die Sonne scheint zwischen den Ästen hindurch, die Vögel zwitschern leise, auf dem Herd steht ein riesiger Topf mit frischer Pasta und daneben einer voll Tomatensoße mit Hackbällchen. Natürlich steht der Tisch, um den die Mütter mit ihren Kindern sitzen, immer noch am Kirchheimer Rambouilletplatz. In Deutschland. Doch ein bisschen Italien-Flair kommt an so einem lauen Sommerabend trotzdem auf.

Die Frauen wollen, dass ihre Kinder auch was zu erzählen haben, wenn die Schule wieder anfängt. Sie selbst kommen von überall her auf der Welt und arbeiten als Altenpflegerinnen oder Kassiererinnen bei Burger King. Abwechselnd wird etwas aus jedem Land gekocht: Italien, Deutschland, Türkei, Albanien und Mexiko. An jedem Abend sitzen sie dann gemeinsam auf dem Platz zwischen Teck-Realschule und Thomaskirche und genießen den hart erarbeiteten Feierabend.

Diese Gemeinschaft gab es nicht immer. „Lange hat hier jeder sein eigenes Süpple gekocht“, sagt eine der Bewohnerinnen. Streit mit den Nachbarn stand auf der Tagsordnung. Das Viertel ist sehr heterogen. Generationen, Kulturen, Religionen prallen aufeinander. „Kirchheimer Getto“ nennt es die Frau scherzend. Die Mütter hoffen, dass das Viertel so noch weiter zusammenwächst. Immerhin kochen sie ihr Süpple jetzt in einer Woche im Jahr gemeinsam. Wenn es nämlich irgendetwas gebe, was die Menschen zusammenbringen kann, sei es leckeres Essen. „Das mag doch jeder.“

Programm

Jeden Tag ab 18 Uhr wird am Pavillon auf dem Kirchheimer Rambouilletplatz gemeinsam gespeist. Heute wird türkisch gegrillt, am Donnerstag gibt es albanisches Essen und am Freitag mexikanisches. Nächste Woche steht eine Spiel- und Spaßwoche mit Hüpfburg auf dem Programm. Die Tür des Pavillons steht jedem offen.

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