Kirchheim

Eltern hoffen auf mehr Flexibilität

Ganztagsschule Elternbeiratsvorsitzende und Elterninitiative fordern auch künftig eine Mittagsbetreuung von Halbtags-Grundschülern in Kirchheim. Von Bianca Lütz-Holoch

Nach dem Unterricht noch über Mittag in der Schule bleiben - für Kinder, die Ganztagsgrundschulen nur halbtags besuchen, ist das
Nach dem Unterricht noch über Mittag in der Schule bleiben - für Kinder, die Ganztagsgrundschulen nur halbtags besuchen, ist das künftig nicht mehr vorgesehen.Symbolbild: Carsten Riedl

Ganz oder gar nicht. Vor dieser Wahl stehen viele Eltern, wenn ihre Kinder eingeschult werden. Denn immer mehr Grundschulen in Kirchheim werden zu Ganztagsschulen nach neuem Recht. „Dort bieten wir kein paralleles Betreuungsprogramm mehr an“, sagt Michaela Göhler-Bald, Abteilungsleiterin Bildung bei der Stadt Kirchheim. Das heißt: Entweder das Kind muss verpflichtend an drei oder vier Tagen bis 15 oder 16 Uhr die Schule besuchen, oder es bekommt über den Unterricht hinaus keine Betreuung mehr.

Damit sind etliche Eltern unzufrieden. „Die alten Ganztagsmodelle und die Kernzeitenbetreuung waren maximal flexibel“, sagt Julia Schäfer, Elternbeiratsvorsitzende der Konrad-Widerholt-Grundschule. „Dieses System ist nun weg, und es fallen all diejenigen durchs Raster, die ihr Kind nicht für die Ganztagsschule anmelden.“

Kinder bis 13 Uhr betreut

„Unser Anliegen ist es, dass Halbtagskinder bis 13 Uhr an der Schule betreut werden“, sagt Matthias Goll. Er gehört einer Kirchheimer Elterninitiative an, die auch eine Umfrage durchgeführt hat. Das Ergebnis: Fast die Hälfte der Eltern wünschen sich Zusatzbetreuung zum Regelunterricht. „Es gibt Eltern, die sich bewusst dafür entschieden haben, ihre Kinder nachmittags selbst zu betreuen, und trotzdem einer Halbtagstätigkeit nachgehen“, so Goll.

Diese Position kann Michaela Göhler-Bald zwar nachvollziehen. Aktuell sieht sie aber keine Lösung: „Eine Mittagsbetreuung für Halbtagsschüler lässt sich nicht sinnvoll in das Ganztagsangebot integrieren“, ist sie sich mit den Schulleitern einig. Eine Unterbrechung der klar strukturierten und pädagogisch durchdachten Ganztagsangebote sei nicht denkbar. „Man bräuchte also ein separates Betreuungsangebot. Das wäre aber eine räumliche und logistische Herausforderung und würde viel Geld kosten.“

Keine Fördermittel

Fördermittel vom Land gibt es für eine Extra-Betreuung derzeit nicht. Aber genau darauf wollen die Kirchheimer Eltern hinaus: „Wir fordern, dass sich das Land an den Kosten für die Mittagsbetreuung von Halbtagsschülern beteiligt“, sagt Stefanie Rau, Beisitzerin der Elternbeiratsvorsitzenden an der Alleenschule. Dazu läuft landesweit eine Online-Petition. Die Kirchheimer Eltern haben sich damit zudem in einem Brief an die Landtagsabgeordneten gewandt. In ihm fordern sie auch die optionale Teilnahme von Regelschulkindern am Mittagessen. Letzteres hat die Stadt der Alleenschule übrigens schon zugesichert. Auch sonst, so verspricht Michaela Göhler-Bald, werde man mit den Eltern im Gespräch bleiben und nach einer Lösung suchen.

Erste Signale gibt es. So hat das Land die flexible Mittagsbetreuung in seine neuen Leitlinien aufgenommen. Laut dem Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Landtag, Andreas Schwarz, sind dafür im neuen Haushalt zwar noch keine Mittel vorgesehen. „Aber wir wollen mit den Kommunen einen Pakt für gute Bildung und Betreuung schließen.“ Im Herbst komme das Thema wieder auf den Tisch.

Trommel - Workshop in der Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen mit African Vokals
Foto: Markus Brändli

Kirchheims Grundschulen auf dem Weg zum neuen Ganztagsmodell

Die Jesinger Schule ist Vorreiter. Sie ist seit dem Schuljahr 2015/2016 Ganztagsschule nach neuem Recht in Wahlform. Angemeldete Kinder haben an vier Tagen bis 15 Uhr verpflichtend Schule.

KW-Grundschule Die Konrad-Widerholt-Grundschule ist seit zehn Jahren Ganztagsschule im Schulversuch und wird jetzt Ganztagsschule nach neuem Recht. Künftig können Eltern zwischen Halbtag und Ganztag wählen. Ganztagskinder müssen die Schule verbindlich an vier Tagen bis 16 Uhr besuchen. Über 100 Kinder sind dafür angemeldet.

Schafhof In der Außenstelle der KW-Schule auf dem Schafhof bleibt vorerst alles beim Alten. Es gibt weiter eine Kernzeitenbetreuung.

Eduard-Mörike-Schule Die Ötlinger Grundschule wird ebenfalls im kommenden Schuljahr Ganztagsschule in Wahlform. Sie führt das Modell schrittweise ein und beginnt mit den neuen Erstklässlern. Für die anderen Klassenstufen läuft die Kernzeit bis 2019.

Die Alleenschule ist seit elf Jahren Ganztagsschule nach altem Recht. Sie soll zum Schuljahr 2018/2019 umgewandelt werden. Ganztagskinder haben dann an vier Tagen acht Stunden Schule. Nächstes Schuljahr gibt es eine Übergangsfrist, während der das Vier-Tages-Modell bereits gilt.

Freihof-Grundschule Voraussichtlich zum Schuljahr 2018/2019 soll die Freihof-Grundschule in eine Ganztagsschule umgewandelt werden. In der Diskussion ist ein Modell mit drei Tagen und acht Stunden. Die Schule startet zunächst mit den Klassen eins und zweidie anderen folgen.

Die Teck-Grundschule bleibt bis zum Umzug der Teck-Real­schule Halbtags-Grundschule mit Kernzeitenbetreuung.bil

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