Kirchheim

„Endlich mal gute Musik machen“

Kongeniales Trio reißt die Besucher der Bastion von den Sitzen

Durchgespielt ohne Pause haben die Stars des Abends in der Bastion.Foto: Heinz Böhler

Durchgespielt ohne Pause haben die Stars des Abends in der Bastion. Foto: Heinz Böhler

Kirchheim. „Endlich mal gute Musik machen“, hatte sich der Kirchheimer Gitarrist Paul Lawall vorgenommen.  Gesagt, getan - die Gäste des Kulturclubs Bastion konnten sich jetzt davon überzeugen, dass die „Dukes of Rhythm“ genau dafür stehen.

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Blues, Swing, Boogie – gemeinsam mit Drummer Michael Aures und Bassist Ove Bosch, der Kernmannschaft der Dukes, demonstrierte Paul Lawall vor rund einem halben Hundert Fans, die trotz des Binnenwochentermins den Weg in die Bastion auf sich genommen hatten, dass er mit allen Wassern jenes stromschnellenreichen Fließgewässers gewaschen ist, das die Amerikaner schubladenübergreifend „Rock‘n Roll“ zu nennen pflegen. Wie praktisch, dass auch Gitarrist Axel Schultz und Tastenmann Volker „Wolfman“ Kunschner Zeit und Laune hatten, dem Trio-Sound mit musikalischer Fülle und Farbe zu einer imposanten Erscheinungsform zu verhelfen.

Es ist halt was anderes, wenn sich zwei kongeniale Gitarristen gegenseitig die Bälle zuspielen, gemeinsam die Abwehr austanzen, mit den knackigen Sounds der Stratocaster Singlecoils der eine und dem warmen Klang der Doppelspuler seines Gegenübers. Kaum zu Gesicht bekam man den Mann, der sonst eher hinter der barocken Holzfassade einer mächtigen Hammondorgel auf den Bühnen des Landes zu sehen ist. Volker Kunschner saß in der Bastion ganz rechts unter der Empore. Zu hören war er umso deutlicher, wenn sein Orgelsound den Songs der „Dukes of Rhythm“ die extra-pikante Würze gab.

Was für eine Blues Band nicht selbstverständlich ist: Fast alle Songs der Dukes sind selbst gemacht. Nur zwei oder drei „Anleihen“ müssen daher (GEMA-)verzinst werden. Doch in den wenigen Fällen lohnt sich der Aufwand durchaus. So etwa, wenn Paul Lawall Keb Mos „Love yourself“ eindringlich zum Besten gibt: „If nobody loves you and you feel like dust on an empty shelf ...“ Am meisten an der Performance des Quintetts ist jedoch die stilistische Vielfalt zu bewundern. Westcoast, Country Blues im Fingerpicking Style oder die ganz auf Elektro setzende Chicago-Masche, der Mann aus Owen hat alles drauf, und wenn er sich (was äußerst selten vorkommt) mal verspielen sollte, hat er sofort das passende Reparaturset zur Hand, und schon klingt‘s nicht falsch, sondern schräg. Etwa so schräg wie jener Song, in dem Paul Lawall alle verfügbaren Tonarten unterbringen wollte, beginnend mit cis-Moll. Da muss man schon sehr flexibel sein, zumal, wenn das Ganze dann noch singbar sein soll. Dass das gelingen kann, erwies sich nicht zuletzt am für eben dieses Stück besonders bereitwillig gespendeten Applaus des Publikums, das es zu diesem Zeitpunkt teilweise schon nicht mehr auf den Sitzen hielt.

Flach war schon die Pause gefallen, Lawalls Vorschlag „Schpiela mr durch“ auf dankbares Entgegenkommen des schon mal fett angeheizten Publikums gestoßen. Desto reichhaltiger fiel dann der Zugabenteil aus. Nicht zuletzt dank der immer für einen Spaß guten Moderation des Sängers und Gitarristen, der sich seinen Wunsch deutlich hörbar erfüllt hat: gute – wirklich gute – Musik zu machen.