Kirchheim

Endstation für Kirchheim

Vorerst steuert Flixbus die Schöllkopfstraße nicht mehr an – Neue Struktur im Raum Stuttgart

Weil Stuttgart einen neuen zentralen Busbahnhof bekommt, hält seit Mai kein Fernbus mehr in Kirchheim. Dabei wurde das Angebot zuletzt gut genutzt.

Die Fernbusse streifen Kirchheim nur auf der Autobahn.Foto: Jean-Luc Jacques
Die Fernbusse streifen Kirchheim nur auf der Autobahn.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Kirchheim – Augsburg in eineinhalb Stunden. Eine Traumzeit für Verena Kandler, die inzwischen Kunstpädagogik in Augsburg studiert. Ihre Familie wohnt in Weilheim – Grund genug für die Studentin, einmal im Monat in den Bus zu steigen. Denn einen Führerschein hat die 21-Jährige nicht. Dass der Flixbus aus München täglich in Kirchheim hielt, kam ihr gelegen. Schneller sei nicht mal der ICE, sagt sie – zumal der Bus nur einen Bruchteil koste.

Für Kirchheimer war der Fernbushalt lange ein tröstlicher Ersatz für das, was die Bahn in der Stadt versäumt hat. Denn von der Teckstadt aus führen fast alle Wege über Stuttgart, oder zumindest Wendlingen. Wer wie Verena Kandler nach Augsburg oder München möchte, nimmt mit dem Zug einen Umweg von einer Dreiviertelstunde auf sich. Eigentlich eine optimale Ausgangslage für einen Fernbusbetrieb. Trotzdem stellt Flixbus die Haltestelle in Kirchheim vorerst ein. Umstrukturierungen in der Landeshauptstadt sind der Grund.

Am Stuttgarter Flughafen wird derzeit ein neuer ZOB gebaut, der die provisorischen Haltestellen Zuffenhausen und Obertürkheim ersetzen soll. Eigentlich sollte der Busbahnhof schon Ende 2015 in Betrieb genommen werden, doch die Eröffnung verzögert sich immer noch. In seinem neuen Sommerfahrplan geht das Unternehmen Flixbus auf die Umstellung ein. Im Raum Stuttgart hat es drei Stopps aus seinem Streckennetz gestrichen. Darunter ist auch die Haltestelle in Kirchheim. Die Busse halten jetzt nur noch in Kornwestheim, Stuttgart-Vaihingen und am Flughafen.

Zumindest bis zum Herbst ist Kirchheim also weg vom Fenster der Fernbusfahrer. Für immer muss die Entscheidung aber nicht sein. „Es kann gut sein, dass die Haltestelle im Winterfahrplan 2016 wieder auftaucht“, erklärt Marika Vetter, die Pressesprecherin des Berliner Unternehmens. Ob Kirchheim alias „Stuttgart-Ost“ in einem halben Jahr wieder ins Streckennetz aufgenommen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Die Buchungszahlen sind einer. Ein anderer sind die Rückmeldungen der Kunden: Wenn sich zum Beispiel viele Kunden melden, die den Halt vermissen, erhöhe das auch die Chancen auf eine Rückkehr, so Vetter.

An den Fahrgastzahlen hatte das Busunternehmen bis zuletzt nichts zu meckern. Mit der Resonanz aus Kirchheim sei man in Berlin sehr zufrieden gewesen. Besonders zu Ostern hätten viele Kirchheimer die Busverbindung vor der Haustür genutzt.

Verena Kandler ist enttäuscht, dass sie sich künftig ein anderes Transportmittel in die Heimat suchen muss. Wahrscheinlich wird sie häufiger Mitfahrgelegenheiten nutzen. „Wenn ich den Bus bis zum Flughafen nehme, fahre ich doch an meinem Ziel vorbei“, beklagt sie. Mit dem Zug hat sie dasselbe Problem: Zu umständlich – und viel verschwendete Zeit. Per Mitfahrgelegenheit kann sie direkt an der Autobahn in Weilheim abgesetzt werden. Ganz ohne Umweg.

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