Kirchheim
Energiekosten: Der Gaspreis macht auch das Brot teurer

Handwerk Die Energiekosten schlagen nun auch bei den Bäckern durch. Die halten die Preissteigerungen gering, denn die Kunden reagieren schnell. Von Thomas Zapp​

Dramatisch steigende Ener­giepreise, Krieg in der Ukraine: Längst sind die wirtschaftlichen Kos­ten der globalen Krisen zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern durchgeschlagen. Am ehesten merken sie „Preisanpassungen“ an der Verkaufstheke bei den Produkten, die man jeden Tag gleich kauft, wie etwa den Morgenkaffee oder die Butterbrezel beim Bäcker.

Noch kann Peter Kienzle die Preise halten. „Aber das ist eine Frage der Zeit“, sagt der Geschäftsführer der gleichnamigen Kirchheimer Bäckerei. Denn die Preise für Gas, Diesel und Mehl steigen weiter. Mit Gas werden die Öfen betrieben, mit Diesel fah­ren seine Lieferwagen und Mehl ist der Hauptbestandteil von Brot und Brötchen. Zugutekommt dem Unternehmer, dass die Filialen in Kirchheim und Nürtingen liegen, also nicht so weite Strecken zurückgelegt werden müssen. „Außerdem arbeiten wir noch immer sehr handwerklich, haben nicht so viele Maschinen“, sagt er. Aber dennoch: Die Preissteigerung wird kommen, um rund 10 bis 20 Prozent, schätzt er – „nach vorsichtigen Schätzungen“.

Ab nächster Woche wird es beim Bissinger Bäcker Goll teurer, der Filialen in Kirchheim, Dettingen, Notzingen, Weilheim und Nürtingen hat. „Die Brezel wird von 90 auf 95 Cent steigen, das Genetzte von 3,80 auf 3,95 Euro. Wir versuchen, die Preise möglichst gemäßigt anzupassen“, sagt Inhaber Friedrich Goll. Seit Dezember sind bei ihm die Energiekosten um 60 Prozent gestiegen. „Wir kriegen jeden Monat neue Preise, langfristige Verträge machen die Anbieter gar nicht, weil sie selbst die Preisentwicklung nicht einschätzen können“, sagt er. Und beim Mehl ist es ähnlich. „Der Preis ist jetzt schon um 35 Prozent in zwei Wochen gestiegen, obwohl wir nur regionales Mehl beziehen. Aber der Preis orientiert sich ja am Weltmarktpreis“, sagt er. Und der ist allein schon wegen 300 Prozent teurerem Dünger gestiegen. Wenn in diesem Jahr auf den Feldern der Ukraine nicht gesät wird, will er sich gar nicht ausmalen, wo die Preise im kommenden Jahr liegen. 

Am meisten Sorgen bereiten die Gaspreise, denn die Back­öfen werden fast ausschließlich mit Gas beheizt. „Auf Gas können wir nicht verzichten, früher gab’s noch mehr Elektroöfen, aber da gab’s auch noch günstige Nachttarife. Dann wurden sie zu teuer. Holzöfen hören sich zwar nett an, aber die CO2-Belastung will man ja auch nicht“, führt Peter Kienzle an. Seine Befürchtung ist: Wenn alles teurer wird, sparen die Leute wieder beim Essen oder gehen zum Discounter. Das gehe dann vor allem zulasten der Handwerksbetriebe. Das bestätigt auch Friedrich Goll: „Im vergangenen Jahr mussten wir schon mal die Preise erhöhen, aber auf den Umsatz hat sich das kaum ausgewirkt. Die Leute kaufen dann weniger.“

Brot für hungernde Menschen

Trotz aller Probleme denkt Eve Sigel von der Weilheimer Biobäckerei Scholderbeck gerade an die Menschen, die Sorgen haben, wie sie satt werden. „Wir backen derzeit auch Brot für hungernde Menschen in der Ukraine“, erzählt sie. Die „Brotbrücke für die Ukraine“ sammelt von teilnehmenden Biobäckern Brot ein und bringt es in das krisengeschüttelte Land.

Dabei bleibt auch Scholderbeck von Preissteigerungen ebenso wenig verschont wie die anderen Bäcker. Eve Sigel befürwortet aber vor allem die jüngeren Maßnahmen der Bundesregierung und wünscht sich noch weitergehende: „Der Druck muss massiv werden, auch wenn es zu unseren Lasten geht. Ich hoffe, dass ein Ener­gie­embargo kommt“, sagt sie. 

Sie denkt weiter: „Wir brauchen einen Mentalitätswandel, dass wir uns nicht immer alles leisten können müssen“, sagt sie. Aktuell erlebe man eine Zeitenwende. „Warum machen wir nicht wieder einen autofreien Sonntag? Wir müssen alle kleinere Brötchen backen“, sagt die Bäckerei-Unternehmerin.

Kurzfristig könnte der Staat beim Strom helfen und die EEG-Umlage sofort streichen, meint Friedrich Goll. Wohin die Preis-Reise geht, ist bislang aber noch völlig offen. Ein Brot für zehn Euro, wie es in manchen Medien schon zu lesen war, hält Bäcker Peter Kienzle aber für unwahrscheinlich. „Dann hätten wir eine Hyperinflation und somit noch ganz andere Probleme.“