Kirchheim

Erste Hilfe kann das Leben der Vierbeiner retten

Notfall Nicht nur Menschen, sondern auch Hunde können in Not geraten. Gut ist, wenn Herrchen dann Rat weiß und den Vierbeiner versorgen kann. Von Daniela Haußmann

Verletzungen, Krankheiten oder Unfälle - Nicolas Herdin und seine Hündin Chaia schwören auf die Erste Hilfe am Hund.Fotos: Danie
Verletzungen, Krankheiten oder Unfälle - Nicolas Herdin und seine Hündin Chaia schwören auf die Erste Hilfe am Hund.Fotos: Daniela Haußmann

Was tun, wenn der Hund plötzlich krank wird, sich verletzt oder einen Unfall hat? Erste Hilfe leistet nicht nur beim Menschen wertvolle Dienste, sondern auch bei Vierbeinern. Mit einfachen Maßnahmen lässt sich ein verwundetes oder erkranktes Tier versorgen und auf den Transport zum Tierarzt vorbereiten. „Vorausgesetzt der Halter weiß, was zu tun ist“, gibt Nicolas Herdin zu bedenken. Denn die Ursachen für einen lebensbedrohlichen Gesundheitszustand lassen sich nicht immer eindeutig erkennen. „Um die gesundheitliche Verfassung des Hundes richtig einschätzen zu können, sollten Halter die Normalwerte des Tieres kennen“, wie der Leiter der Rettungshundebereitschaft des DRK-Kreisverbandes Nürtingen-Kirchheim betont.

Das fängt bei der Körpertemperatur an. „Die liegt bei etwa 38 bis 39 Grad.“ Um einen Vergleich zu haben, sollte die Gradzahl des eigenen Vierbeiners in gesundem Zustand ermittelt werden. Das erleichtert in Verdachtsmomenten die Beurteilung der Situation. Das Gleiche gilt für die Atemfrequenz. „Zehn bis dreißig Atemzüge pro Minute sind normal. Allerdings variiert dieser Wert“, laut Nicolas Herdin, „von Hund zu Hund in Abhängigkeit von Größe, Fitness und Gesundheit.“

Zu wissen, wie oft das eigene Tier im Verlauf von 60 Sekunden Sauerstoff aufnimmt, kann im Ernstfall überaus hilfreich sein. Auch beim Pulsschlag treten je nach Rasse und körperlicher Verfassung Unterschiede auf. An der Innenseite der Flanken verläuft die Oberschenkelarterie. „Dort lässt sich das Pulsieren der Schlagader messen“, erklärt Nicolas Herdin, der berichtet, dass die „normale Pulsfrequenz bei circa 60 bis 120 Schlägen pro Minute liegt“.

Während beim Menschen Notarzt und Rettungswagen die Überlebenschancen verbessern, sind Hundebesitzer auf sich allein gestellt, wenn ihr treuer Kamerad in Not gerät. Deshalb ist es aus Sicht von DRK-Ausbilder Nicolas Herdin sinnvoll und ratsam, wenn Herrchen und Frauchen einen Erste-Hilfe-Kurs besuchen. Wie lässt sich der Vierbeiner wiederbeleben, wenn Herzschlag und Atmung stillstehen? Wie sieht die stabile Seitenlage beim Hund aus? Auf diese und andere Fragen geben Kurse Antworten, die die Halter auf Eventualitäten vorbereiten.

So zum Beispiel auch auf Bissverletzungen. Die sehen Herdin zufolge äußerlich oft harmlos aus. Auch wenn auf der Hautoberfläche nur eine kleine Verletzung zu sehen ist, können Fangzähne tief in den Körper eindringen. Quetschungen oder Risse an inneren Organen, Schäden an der Lunge, Sehnen- oder Muskelverletzungen können mögliche Folgen eines Hundekampfes sein. Halter sollten in solchen Fällen wissen, wie ein Bodycheck bei einem Vierbeiner durchgeführt wird. „Bei stark blutenden, pulsierenden Wunden muss die Arterie abgedrückt und ein Druckverband angelegt werden“, so Nicolas Herdin. „Außerdem gilt es, bei Blutverlust auf Schockanzeichen zu achten, die sich über die Atemfrequenz, den Puls oder die Schleimhäute bemerkbar machen.“

Das gilt auch für einen Hitzschlag, der eine gefährliche Störung des Kreislaufsystems nach sich ziehen kann. „Hunde sind sehr hitzeempfindlich“, berichtet der DRK-Fachmann und erklärt, „dass die Tiere nur mit wenigen Schweißdrüsen ausgestattet sind, die am Nasenspiegel und an den Pfoten liegen.“ Symptome wie starkes Hecheln, beschleunigter Pulsschlag, eine schnelle, flache Atmung, eine tiefrote Zunge, Krämpfe oder ein glasiger Blick können Hinweise auf einen Hitzschlag sein. „In diesem Fall sollte der Hund sofort in den Schatten gebracht und mit Trinkwasser versorgt werden, das nicht eiskalt sein darf“, so Nicolas Herdin. „Außerdem sollten Halter ein feuchtes Tuch auflegen. Wichtig: Das Tier niemals mit Wasser überschütten.“

Bevor der Halter mit dem Hund zum Tierarzt eilt, sollte er dem Fachmann zufolge vorher in der Praxis anrufen, um sicherzustellen, dass der Patient beim Eintreffen rasch behandelt wird. „Denn der Mediziner kann in einer OP stecken oder er muss sich um einen anderen Notfall kümmern“, betont Herdin. „Sollte das der Fall sein, kann der Besitzer dank telefonischer Auskunft sofort in eine Tierklinik fahren oder sich an einen anderen Tierarzt wenden.“ Die Beispiele zeigen, dass ein Kurs in „Erster Hilfe am Hund“ wichtige Kenntnisse vermittelt, die Halter in die Lage versetzen, bei Zwischenfällen sicher und kompetent zu reagieren.

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