Kirchheim

„Es mangelt an guten Radwegen“

Herr Elbe, Sie sind Pressesprecher des ADAC Württemberg. Woran liegt es, dass sich immer mehr Verkehrsunfälle mit Pedelecs ereignen?

Reimund Elbe: Zum einen liegt es daran, dass inzwischen viel mehr Pedelecs unterwegs sind, als vor fünf oder sechs Jahren. Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer stieg etwa im gleichen Maß wie die Zahl der Pedelecs. Zum anderen sollten Pedelecs grundsätzlich nicht unterschätzt werden, denn sie entwickeln eine gewisse Eigendynamik - der Fahrer erreicht schneller eine höhere Geschwindigkeit. Deshalb muss behutsam gefahren werden.

Hängt die gestiegene Unfallzahl auch damit zusammen, dass vor allem ältere Menschen Pedelecs nutzen?

Elbe: Schwer zu sagen. Im Alter lässt die Reaktionsfähigkeit nach. Andererseits sind Senioren beim Autofahren oft vorsichtig und verfügen über einen breiten Erfahrungsschatz. Wir empfehlen generell, dass sich auch junge Menschen mit dem Pedelec beschäftigen, bevor sie loslegen.

Tragen auch andere Verkehrsteilnehmer eine Mitschuld, weil sie vielleicht die Geschwindigkeit eines Pedelec unterschätzen?

Elbe: Eine Mitschuld tragen grundsätzlich alle Verkehrsteilnehmer, die unaufmerksam sind. Andererseits hinkt die Verkehrsinfrastruktur den Entwicklungen hinterher. Oft ist die Sicht eingeschränkt, es mangelt an gut ausgebauten Radwegen oder Radschutzstreifen. Das Zusammenspiel des neuen, schnellen Pedelecs und einer nicht optimalen Infrastruktur sorgt für Unsicherheiten. Deshalb ist es schwierig, einer bestimmten Gruppe kollektiv die Schuld zuzuweisen.

Sind Pedelecs gefährlicher als normale Fahrräder?

Elbe: Gut vorbereitete Pedelec-Fahrer sind nicht gefährdeter als „normale“ Radfahrer. Wichtig ist jedoch, sich vorab mit dem Rad zu beschäftigen. Es beginnt schon damit, bei einem Fachhändler eine Probefahrt zu machen und zu schauen, ob sich das ungewohnte Fahr- und Bremsverhalten mit den eigenen Gewohnheiten verträgt. Ansonsten gilt genauso wie beim Fahrradfahren, sich sichtbar zu kleiden und einen Helm zu tragen. Wichtig ist es, damit zu rechnen, dass andere Fehler machen können.

Steigt die Unfallwahrscheinlichkeit auch, weil man mit dem Pedelec längere Strecken zurücklegen kann?

Elbe: Uns ist keine Statistik bekannt, in der die Länge der Tour mit der Unfallhäufigkeit korreliert. Generell ist zu sagen, dass mit Elektrounterstützung schneller gefahren wird: Statt zwölf oder 15 Stundenkilometern sind es oft mehr als 20. Deshalb ist die Gefahr per se schon größer. Benötigt werden passende Verkehrsflächen. Schließlich möchte der Käufer auch die Vorzüge des Gefährts genießen. Heike Siegemund

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