Kirchheim

Es weht ein Hauch von Woodstock

Konzert Mit Epitaph stehen im Kirchheimer Club Bastion „alte Haudegen“ auf der Bühne, die über 50 Jahre Bühnenerfahrung mitbringen. Sie zelebrieren perfekt gemachte Rockmusik. Von Bernhard Fischer

Rockmusik mit Kraft und Harmonie. Foto: Bernhard Fischer

Das Feuer im Herzen brennt noch, die Finger laufen über die Saiten wie eh und je, und der Spaß am Musikmachen ist so groß wie immer: Im Rahmen ihrer „Fire from the Heart“-Tournee zelebrierte die Band Epitaph in der Bastion über zwei Stunden perfekt gemachte Rockmusik. An der Bühnenkante zwei Gitarren und eine Bassgitarre, dahinter ein treibendes Schlagzeug und ein zurückhaltender Orgelspieler, so stellt man sich eine klassische Rockband vor. Cliff Jackson an einer wunderschönen Guild-Gitarre aus dem Jahr 1972 und Bernd Kolbe am Rickenbacker-Baß sind der harte Kern der mittlerweile seit 50 Jahren aktiven Gruppe. Mit Heinz Glass an der Fender Stratocaster bilden sie ein bestens abgestimmtes Team, ergänzt durch Orgel und Schlagzeug.

Seit über 50 Jahren ist die Band im Musikgeschäft unterwegs und hat viele Höhen und Tiefen erlebt. Im Song „Remember the Daze“ gilt die Erinnerung nicht nur den vergangenen Tagen, sondern auch den stofflich bedingten Vernebelungen dieser Zeit, welche die Protagonisten offensichtlich aber gut überstanden haben. Die Musik lebt von eingängigen Melodien, dreistimmig gesungen, von parallel gespielten Gitarren, von überraschenden Wechseln, von langen, treibend rockigen Passagen mit abwechslungsreich und charaktervoll gestalteten Solis der beiden Gitarren. Immer wieder baut die Band dabei spielerisch Zitate aus der Geschichte der Popmusik ein, man glaubt „Papa was a Rolling Stone“, „All along the Watchtower“ oder „Riders on the Storm“ zu hören. Heinz Glass kann seine Klasse an der Gitarre vielfach zeigen. Mit wunderbar rundem Ton glänzt er besonders im stimmungsvollen Blues „Villanova Junction“, den Jimi Hendrix zum Abschluss des Woodstock-Festivals vor 50 Jahren spielte. Mit Auszügen aus Mozarts „Rondo a la Turca“ auf der elektrischen Gitarre überrascht er auch das Publikum in der Bastion. Prägend für den Klang der Band ist Bernd Kolbe am Bass und als Sänger. Präzise und prägnant hält er die Gruppe musikalisch zusammen. Zum Ende des ersten Sets kann er in einem ausgiebigen Solo sein famoses Können zeigen.

Kein klassischer Krautrock

Kann man Epitaph als eine „Krautrock-Gruppe“ bezeichnen, wie viele der Bands, die Anfang der 70er-Jahre in Deutschland Furore machten? Eigentlich nicht, denn die Band lebt vom Geist und vom Können der beiden britischen Gründungsmitglieder Cliff Jackson und James McGillivray und deren deutschem Partner Bernd Kolbe. Die Musik orientiert sich weit mehr an englischen und amerikanischen Vorbildern, als an der Experimentierlust der damals jungen deutschen Szene. Schon seit den Anfangsjahren begeistern sie mit ihrem melodiösen, stark amerikanisch geprägten Rock und konnten dadurch auch mehrfach im legendären Rockpalast auftreten. Die Gründungsmitglieder Jackson und Kolbe fanden immer wieder in der Gruppe zusammen. Heinz Glass kam erstmals 1977 zur Gruppe, der Orgelspieler Klaus Henatsch und der junge Schlagzeuger sind recht neu bei Epitaph.

Nach der Pause sind mit „Nightmare“ und „Looking for a Friend“ dann die Balladen dran, bevor mit „Walking in the Shadow“ ein feuriges Rockstück Premiere feiert.

Mit „Ain’t no Liar“ zeigt die Band in der Zugabe nochmals ihr ganzes Können und animiert die Besucher der Bastion zum Mitsingen.

Anzeige