Kirchheim

Es wird profaner

Höchste Zeit, dass Bewegung kommt in einen bis zur Absurdität überdrehten Markt. Das gilt fast überall in Deutschland. Im Kreis Esslingen ganz besonders. Der Wohnungsmarkt ist träge. Diesen Satz kennt man. Die handelnden Personen und Institutionen sind es auch. Bis jetzt. Die Einsicht, dass entschlossenes Handeln alternativlos ist, scheint sich noch nicht in allen Rathäusern durchgesetzt zu haben. Jahrzehntelang ging es in Verwaltungen und Gemeinderäten nur darum, zu gestalten. Der Moderne die Tür zu öffnen. Stadtplanung und Ortskernsanierungen, ein Spielfeld für finanziell gepolsterte Schöngeister und Visionäre. Billiger Wohnraum schien lange Zeit lässlich. Wachsender Wohlstand, die Flucht aus den Städten und Bevölkerungsstatistiken, die kaum Zuwanderung kannten, haben diesen Eindruck vertieft.

Jetzt werden die Themen profaner, wenn es ums Bauen geht. Die Zeit drängt. Rund 3 000 Zuwanderer werden zum Jahresende im Kreis Esslingen auf Wohnungssuche sein. Per Gesetz an einen festen Wohnsitz gebunden. Viele davon in der Hoffnung, Familienangehörige in naher Zukunft nachholen zu können. Das alles legt nahe, dass auch 2017 keine Entspannung bringen wird.

Die Bundesregierung will „urbanes Wohnen“ neu gestalten, Verfahren erleichtern. Ein erster Schritt, dem weitere folgen müssen. Dazu braucht es die Handlungsträger vor Ort und gesetzliche Klarheit. Damit Kommunen zu Bauland kommen und wissen, worauf sie sich einlassen. Letztlich braucht es auch Kontrolle. Schließlich waren Boomzeiten schon immer der Türöffner für Misswirtschaft und Korruption.

Kommentar Bernd Köble zur Lage auf dem Wohnungsmarkt

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