Kirchheim

Es wird schwer, ein Tatmotiv zu finden

Brandstiftung Der 24-jährige Patient der Psychiatrischen Klinik in Kirchheim hat zugegeben, das Feuer gelegt zu haben, bei dem sein Zimmernachbar ums Leben kam. Die Umstände der Tat bleiben nebulös. Von Thomas Zapp

Das kaputte Fenster ist noch zu sehen: Die psychiatrische Abteilung der Medius-Klinik in Kirchheim.Foto: Carsten Riedl
Das kaputte Fenster ist noch zu sehen: Die psychiatrische Abteilung der Medius-Klinik in Kirchheim.Foto: Carsten Riedl

Man wird es womöglich nie erfahren, warum der 24-Jährige die Matratze seines 69-jährigen Zimmergenossen angezündet hat. Die Tat in der psychiatrischen Abteilung der Medius-Klinik in Kirchheim hatte am Sonntagabend für einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei in der Eugenstraße gesorgt. Der 69-Jährige starb bei dem Brand. Sein Zimmernachbar wurde festgenommen. Er hat bereits gegenüber der Polizei gestanden, dass er das Feuer gelegt hat. Aktuell ist er in einer geschlossenen Klinik untergebracht.

Seine psychische Erkrankung macht eine Vernehmung zu seinem Tatmotiv schwierig, wenn nicht gar unmöglich. „Es hat einen Unterbringungsbefehl gegeben, keinen Haftbefehl“, betont Polizeisprecher Michael Schaal. Polizeibekannt ist der Täter wegen kleinerer Delikte: Notrufmissbrauch, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung. „Er ist aber weder wegen Gewalt gegen Personen noch wegen Brandstiftung aktenkundig“, heißt es bei der Polizei.

Wie lange der geständige Brandleger und das Brandopfer gemeinsam in dem Zimmer untergebracht waren und ob es schon vorher Konflikte zwischen beiden gegeben hatte, ist von der Klinikleitung nicht zu erfahren. Die stellvertretende Geschäftsführerin Elvira Benz geht davon aus, dass die Ärzte die notwendigen Maßnahmen für die richtige Behandlung der beiden Patienten getroffen haben. „Es ist schwierig, in einer psychiatrischen Abteilung die Motivlage für eine Tat zu bewerten“, fügt sie hinzu.

Bei der psychiatrischen Abteilung der Medius-Klinik handelt es sich nach Angaben der Leitung um eine halboffene Klinik, das heißt, den Patienten ist es erlaubt, das Krankenhaus zu verlassen oder Besuch zu erhalten. So könnte der Täter auch das Feuerzeug bekommen haben, das die Polizei bei ihm gefunden hatte. Schon bei seiner Einweisung in die Klinik sei ihm ein Feuerzeug abgenommen worden, erklärt Elvira Benz.

Wie bereits berichtet, war bei der Leitstelle der Feuerwehr in Kirchheim am Sonntag kurz vor 21.15 Uhr ein Brandalarm aus der Klinik in der Eugenstraße eingegangen. Ausgelöst wurde er vom Rauchmelder im Zimmer des Brandopfers. Die Einsatzkräfte konnte die Flammen rasch löschen und ein Übergreifen auf weitere Zimmer verhindern. Für den 69-jährigen Patienten kam jedoch jede Hilfe zu spät. Er wurde kurz nach 21.30 Uhr in dem ausgebrannten Zimmer tot in seinem Bett entdeckt. „Ob er durch den Rauch ums Leben kam, muss die Obduktion zeigen“, sagt Elvira Benz. Sie wisse jedenfalls sicher, dass der Patient nicht am Bett fixiert gewesen sei. „In diesem Fall müsste auch Pflegepersonal im Zimmer anwesend gewesen sein“, sagt sie.

Die 22 Patienten der vom Feuer betroffenen Station 44 sind noch in anderen Teilen der Klinik untergebracht. Elvira Benz schätzt, dass sie in einer Woche wieder zurückkehren können. Etwas länger wird es wohl dauern, bis die Mitarbeiter das Geschehene verarbeitet haben. „Der Schock steckt uns noch allen in den Knochen“, sagt sie. Man habe intern über den Vorfall gesprochen. „Dass sich Patienten gegenseitig so etwas antun, haben weder die Chefärzte noch das Personal erlebt.“

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