Kirchheim

Ewig unterm Lebensbaum ruhen - Zahlen und Fakten zum Bestattungswesen

Abschied „Tree of Life“ bedeutet, dass Hinterbliebene ihre Verstorbenen unter einem Lebensbaum im eigenen Garten beisetzen können. Von Sabine Ackermann

Eine würdige Ruhestätte finden die meisten Menschen auf dem Friedhof.Foto: Carsten Riedl
Eine würdige Ruhestätte finden die meisten Menschen auf dem Friedhof.Foto: Carsten Riedl

Nichts auf der Welt ist so verlässlich wie der Tod. Für viele Menschen ist es ein Trost, ihre letzte Ruhestätte oder die der Angehörigen in der Natur zu finden. Neben den ausgewiesenen Wäldern wie Friedwald und Ruheforst gibt es weitere Alternativen. Der Bestatter Sven Hafner aus Uhingen ist einer von wenigen, die eine Baumbestattung im eigenen Garten oder an einem gewünschten Ort ermöglichen. – Ein individueller Gedenkplatz als Sinnbild für das Fortbestehen, der den Verstorbenen als Baum gewissermaßen in den Kreislauf des Lebens zurückkehren lässt.

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Sven Hafner ist auf Umwegen regelrecht in dieses Metier hineingewachsen. Zuvor arbeitete der 35-Jährige als gelernter Bankkaufmann. 2015 beendete er erfolgreich die Ausbildung zum geprüften Bestatter. Da lernte er nicht nur, wie man Toten Augen und Mund richtig schließt, eine ordentliche hygienische und respektvolle Versorgung durchführt, sondern auch rechtliche, organisatorische und vor allem psychologische Aspekte dieses Berufs. Darüber hinaus schenkt er den Trauernden Zeit, das Wertvollste, was man in diesen Stunden geben kann. Er betont: „Man muss der Seele Zeit geben, den Körper zu verlassen“. Insofern befürwortet er die 36-stündige Aufbahrung zu Hause oder in der Leichenhalle genauso wie alte Rituale.

In seiner Freizeit informiert er sich über moderne Elemente der Bestattungskultur oder zum Thema digitaler Nachlass. „Mir ist wichtig, den individuellen Anforderungen und Wünschen meiner Kunden nicht nur verantwortungsbewusst nachzukommen, sondern auch aktiv darzustellen, was alles möglich ist. Mit allen Vor- und Nachteilen“, betont der Firmeninhaber. Da wundert es nicht wirklich, dass er „Tree of Life“ anbietet.

Voraussetzung ist zunächst eine Kremation. Nach der Einäscherung und Trauerfeier in Deutschland, erfolgt die Überführung der Urne in ein autorisiertes Vertragsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden, der Schweiz oder Tschechischen Republik. Genauer gesagt, zu einer Baumschule, die gleichzeitig als Friedhof eingetragen und anerkannt ist. Das ist wichtig, damit den Gesetzen Genüge getan ist.

Dort wird die Aschekapsel unter notarieller Aufsicht geöffnet, mit einer speziellen Vitalerde vermischt und in einen Topf aus Kokosfaser gefüllt und anschließend verplombt. Dieser Vorgang gilt als Beisetzung nach deutschem Bestattungsrecht. In den entstehenden Humus wird der Schamottestein mit Namen, Geburts-, Sterbe- und Einäscherungsdatum gelegt und der Wunschbaum eingepflanzt. Ob Ahorn, Blütenkirsche, Eiche, Linde, Magnolie oder Trauerbirke, die Auswahl ist groß.

Kleiner Wermutstropfen: Erst nach sechs bis neun Monaten gilt die Asche auch nach den deutschen Bestimmungen als zersetzt. Dann übergibt Sven Hafner das pflanzfertige Bäumchen mit den jeweiligen Beisetzungsdokumenten den Trauernden zur persönlichen Abschiednahme.

Feuer und Erde In Deutschland sterben jährlich etwa 860 000 Menschen. Rund 4 000 Bestattungsunternehmen bieten grundsätzlich nur zwei Beisetzungsarten, 45,5 Prozent wählen die Erdbestattung, 54,5 Prozent die Feuerbestattung, davon werden etwa 5 Prozent anonym beerdigt.

Wunsch und Wirklichkeit Laut Umfragen wollen fast 70 Prozent der Menschen hierzulande zu Hause sterben. Über 80 Prozent erleben einen längeren Krankheits- und Sterbeprozess, Die Realität sieht so aus, dass 75 Prozent im Krankenhaus oder Heim sterben und etwa 20 Prozent tatsächlich zu Hause.

Letzte Ruhe im Wald Von deutschlandweit insgesamt 56 Standorten war der Wangener Friedwald bei Göppingen 2015 der erfolgreichste Friedwald überhaupt, Zudem haben sich anscheinend schon etwa 3 500 Menschen zu Lebzeiten für einen Platz entschieden, wie die Göppinger Zeitung berichtete.ack

Sven HafnerFoto: Ackermann
Sven HafnerFoto: Ackermann