Kirchheim

Randnotiz: „Ey, Alter: Schulterblick!“

Von Irene Strifler

Die Idee, älteren Führerscheininhabern routinemäßig eine Nachschulung zukommen zu lassen, ist umstritten. Allerdings kommt so manch einer mit 40+ oder 50+ automatisch dazu. Zum Beispiel, wenn der Sprössling mit 17 Führerschein macht. Dann ist nämlich „Begleitetes Fahren“ angesagt. - Naiv, wer glaubt, dass hier lediglich der Neuling vom alten Hasen begleitet wird.

Los geht‘s schon, wenn der Nachwuchs im Theorieunterricht steckt. Vom Beifahrersitz tönt‘s plötzlich: „Ey Alter!“ - nicht etwa als Anrede gedacht, sondern als jugendsprachlicher Ausdruck des Schreckens. Streng folgt: „Schulterblick!“

Schulterblick? Ach ja, da war doch was. Lang ist‘s her. Der vermeintlich routinierte Fahrer nimmt‘s mit vielem nicht mehr so genau. Sein Führerschein stammt aus einer Zeit, in der verkehrstechnisch so manches anders war, aber nicht unbedingt besser: Eine Zeit, in der Radler auf Straßen so selten auftauchten, dass auf sie kaum eigens beim Rechtsabbiegen geachtet werden musste, daher der Befehl „Schulterblick!“. Eine Zeit, in der es keine Kreisel gab, weswegen der Halbstarke auf dem Beifahrersitz entnervt „Blinken!“ anordnet. Eine Zeit, in der der Blickaufnahme unter Verkehrsteilnehmern im Stadtverkehr wenig Bedeutung zukam. Manches eignet man sich in Eigenregie an, verinnerlicht es jedoch selten richtig. Jahrelange Fahrpraxis bringt Schludrigkeiten mit sich, etwa an übersichtlichen Stoppstellen. „Ganz anhalten!“, kommandiert der Neuling empört. Das wirkt. Nicht nur im Moment, auch später: Beim familiären Kaffeeklatsch mit Oma und Opa wird das Erlebte diskutiert.

Kurzum: So wird nicht nur jungen Menschen der Einstieg in den Verkehr erleichtert, sondern auch das Wissen der Begleiter aufgefrischt. Ein zweifaches Hoch auf familieninterne Nachschulungen - äh, auf begleitetes Fahren!

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