Kirchheim

Farbe in ihrer reinsten Erscheinungsform

Ausstellung Im Kirchheimer Kornhaus geht es derzeit bunt zu. Der Nürtinger Künstler Harald Huss stellt Farbe auf verschiedenen Untergründen in den Fokus seines Schaffens. Von Florian Stegmaier

Werke des Nürtinger Künstlers Harald Huss sind derzeit im Kornhaus zu sehen.Foto: Markus Brändli
Werke des Nürtinger Künstlers Harald Huss sind derzeit im Kornhaus zu sehen.Foto: Markus Brändli

Unter dem ebenso unprätentiösen wie zutreffenden Titel „Malerei“ stellt derzeit der Nürtinger Künstler Harald Huss aktuelle Werke im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kirchheimer Kornhaus aus.

Farbe in ihrer reinsten Erscheinungsform, mal als großflächiger, den ganzen Bildträger füllender diffuser Raum, dessen Tiefe sich zu den Bildrändern hin erahnen lässt. Mal als unterschiedlich wiederkehrende Streifenformation, dann wieder als transparent erscheinende weite Fläche oder als warmtoniger Gedankenraum - so umriss Dr. Katrin Burtschell, Leiterin der Freien Kunstakademie Nürtingen, das Ausstellungsgeschehen bei ihrer Einführung.

Zusammengenommen ergeben die Exponate einen Farb- und Klangraum quasi musikalischer Art, der dem spezifischen Arbeitsrhythmus des Jazzliebhabers Huss geschuldet sei. Bis zu 40 Farbschichten trägt er auf diverse Untergründe auf und nutzt deren individuelle Eigenschaften. „Harald Huss erforscht unermüdlich die Möglichkeiten des Materials, akzeptiert nur ungern die Grenzen, die es ihm setzt, versucht diese durch Technik zu umgehen und erhebt den Zufall zum Konzept“, charakterisierte die Laudatorin seinen künstlerischen Ansatz.

Das unterschiedliche Verhalten der Farben auf dem Bildträger eigne der Maler sich als Methode an, um aus der Farbe heraus Räumlichkeit zu erschaffen. So stünden etwa das kühl abweisende Alu-Dibond, auf dem sich Acrylfarbe fast wie Wasserfarbe verhält, und die warmen Zedernholzeinlagen von Zigarrenschachteln in ihren Eigenschaften als Malgrund einander polar gegenüber.

Katrin Burtschell sprach den Werken einen meditativen Aspekt zu, der in den Farbkompositionen mitschwinge. In erster Linie gehe es aber um das Sichtbarmachen der Aktion des Malens: Borstenspuren der Pinsel als Malspuren, die Ränder der Bilderträger, die erahnen lassen, wie viel Schichten Farbe verwendet wurden. Durch diese spezifische Methode habe Harald Huss die Dramatik des Bildgeschehens an die seitlichen Ränder geschoben, sodass sich in der verbleibenden Innenfläche ein ausgedehnter Ruheraum bilde. Der Künstler lasse den Betrachter teilhaben an der Geste des „Streichens“, am Bewegungsablauf, aber auch an dem kompositorischen Prozess des Malens. Bei aller Technik und Materialbezogenheit der Husschen Malerei wies Katrin Burtschell auch auf die wichtige Rolle hin, die Orte und Landschaften für seine Arbeit spielen. Reflektieren doch seine Werke lokale Eigenarten bestimmter Städte oder Regionen, die sich Impressionen ausgedehnter Wanderungen durch Deutschland, Frankreich oder Portugal verdanken.

„Harald Huss lässt uns teilhaben an der Freude, die er am Experimentieren und an der Farbvielfalt verspürt“, schloss Burtschell ihre Einführung. „Er schafft für uns und für sich einen endlos variierbaren Empfindungsraum, in dem man sich verlieren kann.“ Gelegenheit, diesen ästhetischen Raum zu erkunden, besteht bis einschließlich Sonntag, 19. März, im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus.

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