Kirchheim

Fast wie eine Seuche

Pflanzen Der Buchsbaumzünsler treibt in der Region sein Unwesen. Er frisst sich durch Gärten und Friedhöfe. Bekommt man das Problem in den Griff? Von Heike Siegemund

So hübsch und doch so gemein: Der Buchsbaumzünsler macht sich in der Region breit.Foto: Carsten Riedl
So hübsch und doch so gemein: Der Buchsbaumzünsler macht sich in der Region breit. Foto: Carsten Riedl

Für Klara Wallisch aus Hochwang ist es zum Heulen: Sechs größere Buchspflanzen und 22 Nachzuchten hatten jahrelang ihren Garten geziert - jetzt hat der Buchsbaumzünsler ganze Arbeit geleistet. Die Pflanzen waren so zerfressen, dass sie komplett entfernt werden mussten. „Vor allem um die großen tut es mir leid“, sagt Klara Wallisch. Zusammen mit ihrer Tochter Renate Seufert hatte sie sich über das Internet informiert und überlegt, wie man die Buchspflanzen vielleicht doch noch retten kann. Aber viele Bekannte hätten ihr geraten: „Schmeiß den Buchs raus. Gegen den Zünsler kann man nichts unternehmen. Der ist zu aggressiv.“

Renate Seufert hat den Pflanzen schließlich große Säcke übergestülpt, unten zugeschnürt und sie abgesägt. Die Säcke entsorgen sie und ihre Mutter jetzt samt Inhalt im Hausmüll.

So wie Klara Wallisch ergeht es dieser Tage vielen Menschen in der Region. Der Buchsbaumzünsler hat sich extrem ausgebreitet und frisst sich rasend schnell durch Gärten und Friedhöfe. Auch Michael Magdanz, der bei der Kirchheimer Stadtverwaltung für die Grünflächen zuständig ist, kann ein Lied davon singen: Besonders betroffen sei der Alte Friedhof. Dort wurden die Pflanzen bei der Kapelle bodeneben abgesägt. „Wenn sie wieder treiben, werden wir sehen, was passiert“, sagt Magdanz.

An den Kragen ging es hingegen den Buchsbäumen bei der Aufbahrungshalle: „Diese haben wir komplett rausgemacht und stattdessen Eiben gesetzt.“ Etwas besser stehen derzeit die Buchspflanzen bei der Bastion da: Dort ist ein Großteil noch nicht befallen. Michael Magdanz und seine Kollegen versuchen, dort regelmäßig mithilfe eines harten Wasserstrahls gegen den Zünsler vorzugehen. Dass dies keine dauerhafte Lösung ist, weiß Magdanz. Trotzdem will er die Hoffnung nicht aufgeben. „Das Ganze ist in der Erprobung. Wir wissen nicht, ob es funktioniert.“ Spritzmittel setzen er und seine Kollegen nicht ein. Da würden sie nicht hinterherkommen. Das Personal dazu haben sie einfach nicht. Fest stehe, dass in der Stadt keine neuen Buchspflanzen gesetzt werden. Solange der Zünsler sein Unwesen treibe, sei das sinnlos.

Hier hat der Buchsbaumzünsler ganze Arbeit geleistet: Andreas Entenmann demonstriert den Schaden an einer Hecke. Foto: Heike Sie
Hier hat der Buchsbaumzünsler ganze Arbeit geleistet: Andreas Entenmann demonstriert den Schaden an einer Hecke. Foto: Heike Siegemund

Auch bei der Baumschule Entenmann in Weilheim bereitet der Buchsbaumzünsler Kopfzerbrechen. „Wir können uns wohl vom Buchs verabschieden“, bedauert Geschäftsführer Andreas Entenmann. Zwar würden die Kunden gerne noch Buchspflanzen in ihrem Garten setzen, doch der Zünsler hält sie davon ab. Das führe sogar so weit, dass man den Buchs mittlerweile verschenken könne - und trotzdem wolle ihn derzeit keiner mehr.

Das Problem: Eine richtige Alternative gebe es momentan nicht. Am ehesten eignet sich die Eibe als Ersatz, ein immergrünes, heimisches Nadelgehölz. Eine Eiben-hecke muss man allerdings zwei- bis dreimal im Jahr schneiden. Sie wächst schneller als der Buchs. Alternativ gibt es noch die Stechpalme, wobei diese ein bisschen frostempfindlich sei.

Generell sei es den Leuten „lästig“, Spitzmittel gegen den Zünsler einzusetzen oder sie stünden dem sowieso kritisch gegenüber, ergänzt Andreas Entenmann. Darüber hinaus helfe es nicht viel, wenn man zwar selbst gegen den Zünsler spritze, aber der Nachbar, der ebenfalls befallene Pflanzen hat, dies unterlasse. Weil sich der Zünsler schon stark ausgebreitet habe, hält sich die Erfolgsquote durch das Spritzen in Grenzen. Auch von Fallen, mit denen man die Tierchen über einen Duftstoff fangen kann, ist Entenmann wenig begeistert. Sie wird nicht alle Tiere fangen. Gretel Entenmann rät dazu, noch gesunde Buchspflanzen gut zu düngen und zu gießen. Die Seniorchefin findet es „arg schade“, dass es wohl vorbei ist mit dem Buchs. Doch der Buchsbaumzünsler habe sich zu einem zu Problem entwickelt, das man kaum in den Griff bekomme. „Das ist fast wie eine Seuche.“

Ein violett-schillernder Schädling

Die gelbgrünen Raupen des Buchsbaumzünslers schaben als junge Larven an den Blättern und fressen dann die Blätter ab. Die in Gespinsten versteckten Larven verraten sich durch grüne Kotkrümel, die auf den Blättern unterhalb der Fraßstelle liegen. Von den Blättern bleiben bei starkem Fraß nur vertrocknete, sichelförmige Reste übrig. Auch die Rinde kann angefressen werden. Die Raupen bevorzugen es abzuwandern, wenn keine Blätter mehr vorhanden sind.

In Deutschland tritt der Buchsbaumzünsler in zwei Generationen pro Jahr auf. Die etwa vier Zentimeter großen Falter sind hellbraun-weiß gefärbt und schillern violett; es gibt aber auch rein braune Formen. Sie legen die Eier auf der Blattunterseite ab. Die Raupen werden etwa 4,5 Zentimeter lang. Die Verpuppung findet in einem mit Blättern versponnenen Kokon statt. Der Buchsbaumzünsler überlebt Temperaturen von bis zu minus zwölf Grad. Nach der Überwinterung beginnt der Fraß im März und April. Ende Mai erfolgt der Flug der ersten Generation. Ab Mitte Juni ist mit der Eiablage und Ende August mit der nächsten Verpuppung zu rechnen. hei

Anzeige