Kirchheim

Feuerwehr bekämpft Brand im Show-Container

Prävention Ötlinger Wehr zeigt bei einer Schauübung die Gefahren eines Wohnungsbrands. Zuschauer können durch Glaswände die Arbeiten verfolgen. Von Daniela Haußmann

Die Ötlinger Feuerwehr setzt ein Wohnzimmer in Brand und lässt sich bei der Löscharbeit über die Schulter schauen. Foto: Daniela
Die Ötlinger Feuerwehr setzt ein Wohnzimmer in Brand und lässt sich bei der Löscharbeit über die Schulter schauen. Foto: Daniela Haußmann

Heiß her geht es in Ötlingen, denn dort probt die Abteilung Ötlingen der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim den Ernstfall. Pechschwarzer Rauch dringt in der Wielandstraße 11 aus einem offenen Schaucontainer, in dem ein Wohnzimmer lichterloh brennt. Vom Tisch war eine Kerze auf die Couch gefallen. Was mit einer kleinen braunen Stelle im weißen Stoff begonnen hat, weitet sich in gerade einmal zwei Minuten zu einem riesigen Brand aus. Gelbe Flammen lodern auf, schlagen gegen die Decke. Im Nu springt das Feuer auf Tisch, Stuhl und Schrank über. Ein Anblick, den Anita Bischoff und Nicole Walleczek so schnell nicht vergessen werden.

Die beiden Ötlingerinnen sind mehr als überrascht, wie schnell eine brennende Kerze einen enormen Brand auslösen kann. „Das ist eine tolle Sensibilisierung“, findet Walleczek. „Vor allem weil sich das Geschehen dank des Schaucontainers hautnah mitverfolgen lässt. Das ist bei den Übungen ja normalerweise nicht möglich.“ Anita Bischoff ist überzeugt, dass viele der rund 200 Zuschauer ins Grübeln gekommen sind. „Gerade mit Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit“, so die Ötlingerin. „Meine Eltern schmücken den Christbaum immer noch mit Kerzen anstatt mit einer Lichterkette. Ihnen werde ich auf jeden Fall die Fotos zeigen, die ich hier geschossen habe.“

Bevor die Feuerwehrleute mit Atemschutzgeräten in den Container vordringen, öffnen sie die Türen einen Spalt und geben mit dem Strahlrohr einige Wasserstöße an die Decke ab, um die Temperatur im Inneren abzusenken. So wird im Ernstfall eine Rauchgasdurchzündung unterbunden, das plötzliche Entzünden und Abbrennen von Pyrolysegasen, die entstehen, wenn Stoffe wie Holz, Plastik oder Gummi stark erhitzt werden. Als das Wasser auf die brennenden Möbel trifft, entwickelt sich ein enormer Qualm, den der Wind in die Besuchermenge treibt. Die Augen brennen, der Rauch beißt in der Nase und setzt sich binnen kürzester Zeit an Kleidung und Haaren fest.

Möbel als Brandbeschleuniger

Laut Sascha Rentschel von der Feuerwehr Leonberg, die den Schaucontainer an die Ötlinger Kameraden ausgeliehen hat, entwickeln sich Brände heute schneller. Verantwortlich dafür ist ihm zufolge die leichte Bauweise heutiger Möbelstücke. Aber auch Materialien aus denen sie bestehen, also beispielsweise Pressspanplatten, Kunststoffe oder Schaumstoff, setzen einem Feuer nicht viel entgegen, wie der Fachmann erklärt. In Verbindung mit modernen, gut abdichtenden Fenstern ist die Wahrscheinlichkeit einer Rauchgasdurchzündung über die Jahre gestiegen, stellt er fest.

Adventskränze und Weihnachtsbäume, die mit Kerzen geschmückt sind, sollten laut Frank Gebauer stets im Blick behalten werden. „Rund zehn Prozent der etwa 50 Einsätze, die wir in diesem Jahr schon bewältigt haben, wurden durch Unachtsamkeit ausgelöst“, klärt der stellvertretende Ötlinger Abteilungskommandant auf. „Bei einem frischen Nadelbaum besteht in aller Regel in den ersten beiden Wochen kaum die Gefahr, dass er rasch in Flammen aufgeht.“ Ein normales Wasserglas reicht ihm zufolge deshalb aus, wenn es zu einem Zwischenfall kommt. Auch mit einem Handtuch oder einer Decke lassen sich Flammen schnell ersticken. „Beim Adventskranz kann mit einer Metallunterlage Zeit gewonnen und oftmals Schlimmeres verhindert werden“, betont der Experte.

Türen hinter sich schließen

Während die Feuerwehrleute die letzten Flammen im Container löschten, weist Mara Derkowski darauf hin, dass Betroffene im Brandfall sofort das Gebäude verlassen sollen. „Wichtig ist, dass sie die Türe hinter sich schließen, damit das Feuer nicht mit Sauerstoff versorgt wird“, so die Ötlinger Feuerwehrfrau. „Bitte nicht ohne Schlüssel aus dem Haus gehen. Denn so erhalten wir leichten Zugang.“ Wer in einem Gebäude mit mehreren Mietern wohnt, sollte die durch Rufen, Klopfen oder Klingeln warnen, damit sie sich ebenfalls ins Freie retten können.

Nach etwa zehn Minuten ist die Übung beendet. Die relativ kurze Zeit hat ausgereicht, dass vom Mobiliar nur Schutt und Asche übrig bleibt. Diese Simulation wird vielen Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben.

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