Kirchheim

Fickerstiftung meldet sich zurück

Wohltäter Stiftungsrat hat den Grabstein der Gründerfamilie Ficker wieder instand setzen lassen und sucht jetzt ein förderungswürdiges Bildungsprojekt. Von Andreas Volz

Der Stiftungsrat im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin: Herbert Wild, Renate Kath und Martin Beck (von links).Foto. Markus Brä
Der Stiftungsrat im Gespräch mit der Oberbürgermeisterin: Herbert Wild, Renate Kath und Martin Beck (von links).Foto. Markus Brändli

Das Unternehmen liegt in den letzten Zügen. Und doch soll in Kirchheim der Name „Ficker“ erhalten bleiben. Die Otto-und-Eugen-Ficker-Stiftung hat jetzt das Grabmal der Gründerfamilie herrichten lassen. Außerdem plant der Stiftungsvorstand, in absehbarer Zeit wieder mehr Geld auszuschütten - möglichst für ein pädagogisches Projekt in Kirchheim und vielleicht auch in Kooperation mit einem größeren Partner.

„Wir wären offen für Gemeinschaftsprojekte“, sagte der Stiftungsvorsitzende Martin Beck gestern am Grab der Familie Ficker auf dem Alten Friedhof. Als Beispiel nennt er die Bruderhaus-Diakonie, die in Kirchheim bereits aktiv ist und die ebenfalls an einer Zusammenarbeit interessiert wäre: „Was gibt es Besseres, als ein lokales Projekt mit einem Partner vor Ort voranzutreiben?“

Die Fickerstiftung - die nicht mit dem Kirchheimer Fickerstift zu verwechseln ist - beschränkt sich auf die Unterstützung von Kirchheimern. Stiftungszweck ist einerseits die Unterstützung von Schülern oder Studenten, meistens durch Sachmittel, andererseits aber die „Förderung würdiger Armer“, wie Dekanin Renate Kath ergänzt. Kraft Amtes sitzt sie im Stiftungsrat, gemeinsam mit Martin Beck und Herbert Wild.

Diese „Förderung würdiger Armer“ führt zurück in die Zeit der Stiftungsgründung: 1929. Im Vorjahr war Kommerzienrat Otto Ficker verstorben. Sein Bruder Eugen und seine Schwägerin Karoline brachten daraufhin Aktien der Ficker AG in die neue Stiftung ein. Es war die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, in der viele Kirchheimer zunächst von der Inflation ebenso betroffen waren wie später von der Weltwirtschaftskrise und der damit einhergehenden hohen Arbeitslosigkeit.

Bis nach der Jahrtausendwende habe das Stiftungskapital in dieser Form immer Gewinne abgeworfen, mit denen viele Kirchheimer unterstützt werden konnten, berichtet Martin Beck. „Dann aber wurde es immer schwieriger mit der Branche“, kommt er auf die Firmengeschichte zu sprechen: „Es schreibt eben keiner mehr Briefe mit besonderen, vielleicht sogar parfümierten Umschlägen.“

Stiftung und AG waren seit jeher eng miteinander verbunden. Eines der drei Stiftungsratsmitglieder sollte der evangelischen Kirche in Kirchheim angehören, aber nicht den Vorsitz im Vorstand der Stiftung übernehmen. Die beiden anderen saßen immer auch im Aufsichtsrat des Unternehmens. „Die Fickerstiftung war eine der führenden Adressen in Württemberg“, erzählt Martin Beck aus der Historie. Gleiches galt für den Betrieb: „Ich komme selbst aus der Branche. Ficker war immer das goldene Vorbild.“

Irgendwie hängt das Schicksal von Stiftung und Unternehmen zusammen: „Solange es der AG gut ging, ging es auch der Stiftung gut.“ Als Martin Beck 2010 den Vorsitz der Stiftung übernahm, gab es nicht mehr sehr viel zu verteilen. Dekanin Kath beschreibt das große Dilemma: „Unsere Mittel sind begrenzt. Eine Million Euro Kapital klingt zwar nach ziemlich viel. Aber leider sind die Zeiten längst vorbei, als es darauf noch acht Prozent Zinsen gab.“

Martin Beck ergänzt: „Natürlich kann man auch höhere Erträge erzielen, aber das ist immer mit einem hohen Risiko verbunden.“ Ein solches Risiko kann und darf die Stiftung nicht eingehen. Der Erhalt des Vermögens hat oberste Priorität. Es darf also weder damit spekuliert werden noch kann die Stiftung Geld aus der Substanz ausschütten. Deswegen war in den vergangenen Jahren fast alles zurückgefahren worden - von einem fünfstelligen Betrag für die Diakonie und von gewissen Buchstipendien für Studenten aus Kirchheim einmal abgesehen.

Die beiden Brüder Otto und Eugen Ficker waren beide verheiratet, aber jeweils kinderlos geblieben. Martin Beck vermutet auch darin einen Grund dafür, dass sich die Stiftung insbesondere für Kinder und Jugendliche einsetzt, um deren Bildung zu fördern. Insofern passt es ganz gut, wenn die Stiftung im kommenden Jahr ein unterstützenswertes Kirchheimer Projekt sucht und wenn Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker beim Pressetermin feststellt: „Schön wäre es, wenn das in Richtung Bildung ginge.“

Und noch etwas Wichtiges hat die Oberbürgermeisterin zu verkünden, wenn es um den Erhalt des Namens „Ficker“ in Kirchheim geht: „Der Investor, der das Gelände kauft, will wieder Otto Ficker in den Vordergrund stellen.“ Bless­OF ist dann also endgültig Geschichte.

Die Namenspaten Otto und Eugen Ficker

Otto Ficker (1859 bis 1928) erhielt 1919 die Kirchheimer Ehrenbürgerwürde. Auf der Homepage der Stadt heißt es dazu: „Als Gemeinderat, Mäzen, Förderer der Kultur und der Schulen, ist er bis heute unvergessen.“

Otto Fickers Ehefrau Luise (1860 bis 1925) war schon drei Jahre vor ihm gestorben. Die Stiftung gründeten demnach Eugen Ficker (1860 bis 1935) und seine Ehefrau Karoline (1862 bis 1951).vol

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