Kirchheim

Frust über abgesperrten Schulhof

Konflikt Anwohner ärgern sich, dass die Sportflächen des Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasiums oft schon tagsüber geschlossen sind. Die Stadt sucht nun nach einer Lösung. Von Bianca Lütz-Holoch

Vor verschlossenen Türen stehen allzu oft Kinder, die nachmittags am LUG kicken wollen. Foto: Jean-Luc Jacques
Vor verschlossenen Türen stehen allzu oft Kinder, die nachmittags am LUG kicken wollen. Foto: Jean-Luc Jacques

Ob an den Wochenenden, nachmittags oder in den Ferien - auf vielen Kirchheimer Schulhöfen herrscht auch außerhalb der Unterrichtszeit Hochbetrieb. Kinder und Jugendliche treffen sich dort, spielen Fußball, Basketball oder Tischtennis, klettern auf den Spielgeräten herum und fahren fernab der Straßen mit Rollern oder Inline-Skates umher. Am Kirchheimer Ludwig-Uhland-Gymnasium war das zuletzt nicht mehr möglich. Dort wurde der Schulhof direkt nach Unterrichtsende dichtgemacht - zum Ärger vieler Anwohner. Sie wünschen sich, dass ihre Kinder nachmittags, an den Wochenenden und in den Ferien wieder die Tore, Basketballkörbe und Tischtennisplatten nutzen können.

Vandalen auf dem Schulhof

„In der Vergangenheit hat das LUG massiv mit Vandalismus zu kämpfen gehabt“, begründet Dennis Koep, Pressesprecher der Stadt Kirchheim, warum der Schulhof zuletzt außerhalb der Unterrichtszeit nicht mehr zugänglich war. Vergangenes Jahr ist deshalb sogar ein neues Tor installiert worden. „Es war eine Abwägungssache“, sagt Koep - zwischen dem Bedürfnis der Kinder und Jugendlichen aus der Nachbarschaft nach Spiel und Bewegungsflächen und der Sicherheit der Schüler des Gymnasiums.

Wie groß das Vandalismus-Problem am LUG war, schildert Schulleiter Georg Braun: Immer wieder haben sich auf den Sportflächen nachts und an den Wochenenden Jugendgruppen getroffen. Sie tranken Alkohol, randalierten und zettelten Schlägereien an. Das Fass zum Überlaufen brachten die Überbleibsel der nächtlichen Partys: Ein Scherbenmeer bedeckte den roten Platz, abgebrochene Flaschen und Glassplitter steckten in der Sprunggrube. „Da war zum Teil kein regulärer Sportunterricht mehr möglich“, so Braun.

„Wenn wieder Scherben in der Sprunggrube waren, musste wir den kompletten Sand austauschen“, ergänzt Dennis Koep. Neben Arbeit und Ärger entstanden der Stadt dadurch auch Kosten. Eine Sandabdeckung allein hätte aus seiner Sicht nicht geholfen. „Dazu war das Ausmaß der Verwüstung zu groß.“

Dabei ist es gar nicht im Sinne der Stadt, dass Schul-Sportanlagen ganz für die Öffentlichkeit gesperrt werden. „Eigentlich sollen sie auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen“, sagt Dennis Koep. Aus Sicht von Schulleiter Georg Braun ist das auch gar keine Frage. „Selbstverständlich sollen die Nachbarskinder die Spielfläche tagsüber nutzen können“, betont er. Spätestens bei Einbruch der Dunkelheit jedoch müsse das Tor geschlossen werden.

Nun sucht die Stadt nach einer Lösung. Aktuell, so Koep, sei der Hausmeister nachmittags mit dem Abschließen beauftragt. „Wir überlegen derzeit, wie wir es hinbekommen, das Tor nicht direkt nach Schulschluss abzusperren, sondern erst später“, so Koep. Im Gespräch sei beispielsweise, eine externe Firma mit dem Schließdienst zu beauftragen, die das Tor erst am Abend abschließt.

Auch für die Sommerferien hat die Stadt schon ein Modell im Auge. In den ersten zwei Wochen ist der Schulhof ohnehin in großen Teilen belegt: Die evangelische Gesamtkirchengemeinde nutzt ihn für ihr Ferienwaldheim. „Danach wollen wir den Versuch wagen und den Schulhof tagsüber offen lassen“, kündigt Dennis Koep an - allerdings unter Vorbehalt. „Wenn es dann wieder vermehrt zu Vandalismus kommt, schließen wir kurzfristig wieder ab.“

Ärger wegen LUG-SchulhofSchulhof dicht wegen Vandalen, Anwohner unglücklich, weil Kinder nicht mehr spielen können
Ärger wegen LUG-SchulhofSchulhof dicht wegen Vandalen, Anwohner unglücklich, weil Kinder nicht mehr spielen können

Kinder sind Leidtragende

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Sicherheit der Kinder - ob sie nun Schüler des LUG oder nur zu Gast auf dem Schulhof sind - steht ganz oben. Deshalb ist es nur richtig, Maßnahmen zu ergreifen, um Vandalen draußen zu halten. Auch ein Tor, das nachts verschlossen wird, erscheint da legitim.

Das Schulgelände jedoch radikal nach Unterrichtsschluss abzuriegeln, mag zwar bequem sein, ist jedoch der falsche Weg. Denn damit hält die Stadt nicht nur die nächtlichen Randalemacher draußen. Leidtragende sind vor allem Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft, die sich dort nachmittags zum Spielen und Kicken treffen wollen.

Ständig wird darüber lamentiert, dass der Nachwuchs zu viel Zeit mit Handys und Konsolen verbringt und sich zu wenig bewegt. Dass die - mit Attraktionen für Kinder und Jugendliche ohnehin nicht gerade gesegnete - Stadt Kirchheim ihnen auch noch vorhandene Bewegungsflächen entzogen hat, ist nicht akzeptabel. Entweder gelingt es nun, den Schulhof durch veränderte Schließzeiten wieder als Spielfläche zur Verfügung zu stellen, oder die Stadt muss Alternativen für den Nachwuchs schaffen.

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