Kirchheim

Für die Arbeit ist guter Atem gefragt

Praxis Fahrlehrer dürfen wieder unterrichten, müssen aber während der Stunden im Auto ihre Maske aufbehalten. Beim momentanen Run auf die Fahrschulen können das bis zu 8 1/4 Stunden am Tag sein. Von Thomas Zapp

Als Beifahrer im Auto den vorgeschriebenen „Corona-Mindestabstand“ von 1,50 Meter zum Fahrer einzuhalten, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Also heißt es in den Fahrschulen: Mund-Nase-Maske auf für Fahrer und Schüler. „Das ist ganz schön anstrengend, wenn man den ganzen Tag mit Maske arbeitet“, sagt Clemens Brunner, Geschäftsführer von Peter‘s Fahrschulen in Kirchheim, Jesingen und Dettingen. Bis zu 495 Minuten kann ein Fahrlehrer am Tag im Auto unterrichten, also 8 1/4 Stunden. Den Döner zum Mittag habe man sich im Interesse der Schüler aber schon vorher verkniffen, sagt der Fahrlehrer lachend. Nun umso mehr, denn mit der Maske liegt ein guter Atem auch im eigenen Interesse.

Die Maskenpflicht hält die Schüler jedoch nicht davon ab, wieder Praxisstunden zu nehmen. „Momentan ist deutlich mehr los als sonst“, sagt Clemens Brunner. Kein Wunder: Knapp zwei Monate hatte seine Fahrschule geschlossen, seit dem 11. Mai darf er unter den entsprechenden Auflagen wieder angehende Auto-, Motorrad- und Lkw-Fahrer unterrichten.

Allerdings ist seine Arbeit logis­tisch eine größere Herausforderung geworden. „Es darf nur ein Fahrschüler im Auto sein, hinten darf niemand sitzen“, sagt Clemens Brunner. Nach der Fahrstunde wird alles desinfiziert, was er angefasst hat. Dann muss der nächste abgeholt werden oder zur Fahrschule kommen. „Der logistische Aufwand ist höher“, erklärt der Fahrlehrer. Mit dem Fahrschüler den Nachfolger während der Unterrichtsfahrt abzuholen, wie es wohl jeder während seiner

Der Kirchheimer Fahrlehrer Clemens Brunner erklärt durch die Maske einer Schülerin die Armaturen. Foto: Jean-Luc Jacques
Der Kirchheimer Fahrlehrer Clemens Brunner erklärt durch die Maske einer Schülerin die Armaturen. Foto: Jean-Luc Jacques

Fahrschulzeit mal erlebt hat, ist momentan nicht erlaubt.

Auch im Theorieunterricht ist es leerer geworden, was den allgegenwärtigen Abstandsregeln geschuldet ist. Statt bis zu 17 können in den Räumen von Peter‘s Fahrschulen nur noch höchstens sieben Teilnehmer sitzen. Für Online-Kurse fehlt es an der notwendigen Software. „Video-Unterricht wurde vom Fahrlehrerverband ausdrücklich untersagt“, erklärt Clemens Brunner. Da könne die Kontrolle der Bögen nicht gewährleistet werden. Gleiches gilt auch für die theoretische Prüfung.

Die ausgefallenen Umsätze für seine Firma schätzt der Kirchheimer Fahrlehrer auf 40 bis 50 000 Euro. Die Hilfen für Selbständige hat er aber nicht beantragt. „Wir haben gut gewirtschaftet“, sagt er. Weh tut der Verlust natürlich trotzdem.

Alexander Zöllner betreibt seine Fahrschule in Kirchheim als Einzelunternehmer und merkt den Nachholbedarf seiner Schüler im besonderen Maße. „Mit Theorie-Unterricht komme ich auf maximal 600 Minuten, mehr ist gesetzlich nicht erlaubt“, berichtet der Kirchheimer. Dadurch könne er dem Ansturm an neuen Fahrschülern kaum bewältigen. „Es ist schwer, allen gerecht zu werden“, bedauert er. Auch wenn die Arbeit ihn mit der Maske nach einem Tag ganz schön schlaucht, ist er doch froh, dass sich eine andere Idee nicht durchgesetzt hat. „Ein großes Glück ist, dass wir keine Plexiglas-Trennwand einbauen mussten. Die Masken reichen aus.“

Auch Alexander Zöllner arbeitet nach der Corona-Pause wieder auf Hochtouren.
Auch Alexander Zöllner arbeitet nach der Corona-Pause wieder auf Hochtouren. Foto: pr
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