Kirchheim

Für junge Lehrer wird es spannend

Leben In der Schlosskapelle in Kirchheim sind 51 Fachlehreranwärter vereidigt worden. Vor den Pädagogen in spe liegt eine dreijährige Ausbildung in historischer Umgebung. Von Winfried Müller

Corona-Schutz im Fachseminar
Unter Corona-Schutzmaßnahmen wurden die Fachlehrer vereidigt.Foto: Torsten Wenzler

Die Vereidigungsfeier der angehenden Fachlehrer startete coronabedingt in zwei Gruppen, mit Masken und entsprechendem Abstand. Als erster Programmpunkt standen Impressionen mit hoffnungsvollen Bildern und Klängen aus der digitalen „Mutmusikbotschaft“. Das Projekt ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Schülern sowie angehenden Fachlehrkräften.

„Mit der Entscheidung für eine berufliche Umorientierung verlassen Sie Ihre Komfortzone und beginnen die Ausbildung zu einem erfüllenden, aber auch anspruchsvollen Beruf“, sagte der stellvertretende Seminarleiter Klaus Buck. Mit der Wahl des Pädagogischen Fachseminars in Kirchheim hätten die angehenden Fachlehrkräfte eine gute Wahl getroffen. Das größte und älteste Fachlehrerseminar im Land verbinde auf gelungene Weise historisches Ambiente, moderne Technik und zeitgemäße erwachsenendidaktische Ausbildung.

Mit einem Zitat des Kulturphilosophen Johann Gottfried von Herder - „Alles ist im Keim da und wartet nur auf eine Entwicklung“ - umschrieb Klaus Buck die Aufgabe der Ausbilder und Verwaltungsmitarbeiter am Seminar, der begleitenden Schulpraxislehr­kräfte und Mentoren der Ausbildungsschulen, aber auch der künftigen Lehrkräfte für die kommenden drei Jahre: Bereitung des „Nährbodens“, Qualifizierung für die Arbeit als Lehrkraft, Vorbereitung für die Arbeit in multiprofessionellen Teams. „Ergreifen Sie, wo immer möglich, Initiative, übernehmen Sie Verantwortung, engagieren Sie sich, bringen Sie Ihre Erfahrungen ein“, sagte Klaus Buck, an die künftigen Lehrer gewandt. Ein Päckchen mit Sonnenblumensamen unterstrich symbolisch das „Wachstum“ in den nächsten drei Jahren der Ausbildung.

Ein Fachseminar mit Tradition

Bei dem bevorstehenden Transformationsprozess gelte es, sich einerseits neu zu erfinden, sich auf einen neuen Weg aufzumachen und neue Routinen zu bilden, andererseits aber auch den „alten Kern“ zu bewahren. Maßgeblich sei bei dieser Entwicklung die Persönlichkeit, so Johannes Dufft, Vertreter des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung, Regionalstelle Stuttgart.

Die Ausbildung am Pädagogischen Fachseminar Kirchheim hat eine fast hundertjährige Tradition. Vom 1923 als Staatliches Hauswirtschaftliches Seminar in der Stuttgarter Straße gegründeten bis zum aktuellen, hochmodern ausgestatteten Seminar mit dreijähriger Ausbildung streifte Oberbürgermeister Pascal Bader wesentliche Meilensteine der Seminargeschichte. Beispielhaft für die gute und intensive sowie andauernde Zusammenarbeit zwischen Seminar und Stadt nannte das Stadtoberhaupt die Erarbeitung eines multimedialen Stadtrundgangs mithilfe von QR-Codes oder die Kooperationen im zukunftsträchtigen Bereich der Nachhaltigkeit. In Berlin für das Engagement für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet, ist das Seminar als Unesco-Projektschule zertifiziert. Bader zollte den angehenden Lehrkräften Respekt für die Wahl der Ausbildung, gelte es doch, in einem Berufsfeld tätig zu werden, das sich stark in Bewegung befinde und große Herausforderungen beinhalte. Er ermutig­te die künftigen Lehrer, den Kindern und Jugendlichen vor allem die Freude am Lernen mitzugeben und neue Gestaltungsräume mit Ideen und Engagement zu nutzen.

Mit dem Ablegen des Diensteids und der Überreichung der Urkunde, was formal den Übergang in das Beamtenverhältnis auf Widerruf für die nächsten drei Jahre markiert, endete die Feierstunde. Um einen kleinen Einblick in die wichtige, aber stark eingeschränkte „Seminarkultur“ zu geben, spielten Matthias Brendle und Konstantin Dillenz „Wild World“ von Cat Stevens auf zwei Gitarren.

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