Kirchheim

Furioses Spektakel zur „Stunde Null“

Silvester Mit einem ebenso punktgenauen wie grandiosen Feuerwerk haben die Kirchheimer in einer sternenklaren und entsprechend kalten Winternacht das Jahr 2017 begrüßt. Von Andreas Volz

Silvester 2016 2017Feuerwerk Aichelbergstr Bonau
Silvester 2016 2017Feuerwerk Aichelbergstr Bonau

Neues Jahr – neues Glück: Sollte sich vorhandenes oder erwünschtes Glück an Zahl und Pracht von Feuerwerkskörpern ablesen lassen, dann haben die Kirchheimer ausgesprochen glücklich das Jahr 2016 verabschiedet und das Jahr 2017 begrüßt. Und wenn es noch ein anderes Anzeichen von Glück gibt – das Fehlen von Unglück –, dann sind die Menschen in Kirchheim und Umgebung ebenfalls recht glücklich im Jahr 2017 gelandet: Zumindest sind im aktuellen Silvesterbericht des Polizeipräsidiums Reutlingen keine Unglücksfälle für das Verbreitungsgebiet des Teckboten verzeichnet.

Ein zusätzliches Glück war die stabile Wetterlage: Wolkenloser Himmel sorgte für eine klare Sternennacht, die lediglich mit einer gehörigen Portion Kälte einherging. Vielleicht war auch diese Kälte mit ein Grund dafür, dass man nach den Kirchheimer Feuerwerkern beinahe wieder die Uhr stellen konnte. Die Neujahrsnacht war auf ihrem Weg zur „Stunde Null“ schon weit fortgeschritten, ohne dass eine großartige Zunahme der vereinzelten Böller- und Raketenschüsse zu verzeichnen gewesen wäre. Selbst zehn Minuten vor Mitternacht zeigte sich vom erhöhten Beobachtungsposten aus noch keine nennenswerte Steigerung der Aktivitäten im Kirchheimer Stadtgebiet.

Dann aber kam es zum Crescendo im Minutentakt: Immer zahlreicher stiegen die Geschosse hinauf in den – zunächst noch klaren – Nachthimmel. Alle Farben und Formen erhellten die Dunkelheit. Besonders auffällig: die Zahl „hochkarätiger“ Geschosse. Beeindruckend waren die „Feuerbälle“, die mit ihrem sprühenden Goldregen für visuelle Verzückung sorgten – im perfekten Zusammenspiel natürlich mit den Leuchtkugeln, die bei der Himmelsillumination keinesfalls fehlen durften.

Der Trend beim Feuerwerk scheint derzeit eindeutig zum Edleren zu gehen, und das ist schön fürs Auge des Betrachters. Vielleicht liegt es ja auch mit daran, dass die Zeiten für Sparer gerade recht schwierig sind. Wo es bei klassischen Geldanlagen kaum noch Zinsen gibt, hat das Feuerwerk schon sehr viel mehr zu bieten: Hundert Prozent Genuss!

Das ganz große Vergnügen dauerte allerdings nur eine gute Viertelstunde. Das neue Jahr war noch ausgesprochen jung, als sich die unvermeidliche Kehrseite allen Feuerwerks zeigte: Der Pulverdampf hüllte die Nacht in seinen Mantel, sodass sich plötzlich ganz andere Bilder ergaben: Farbiges „Wetterleuchten“ strahlte die Rauchschwaden an. Klare Konturen waren nicht mehr zu erkennen, dafür aber die schönsten verschwommenen Gemälde auf der großen Leinwand der Nacht.

Danach war auch nicht mehr klar zu erkennen, wie sehr die Kirchheimer Innenstadt tatsächlich vom dort verbotenen Feuerwerk verschont blieb. Wie aber in den Jahren zuvor, war zumindest bei ungetrübter Sicht festzustellen, dass die Zentren des Kirchheimer Feuerwerks nicht mehr in der Altstadt liegen, sondern allenfalls an deren Rand.

Keine großen Katastrophen

Erfreulicherweise lagen Kirchheim und Umgebung in der Neujahrsnacht auch nicht im Zentrum der Polizeieinsätze. Das Polizeipräsidium Reutlingen berichtet immerhin von über 400 Einsätzen in seinem gesamten Bereich. Die Gründe für die Einsätze waren dieselben wie jedes Jahr: „überwiegend randalierende oder hilflose alkoholisierte Personen, kleinere Schlägereien, Sachbeschädigungen, Verstöße gegen das Waffengesetz sowie 35 Brände.“

Auch die Brände hielten sich im üblichen Rahmen und betrafen vor allem „Mülleimer sowie Kleider- und Altpapiercontainer“. Betont sei jedoch, dass es sich in diesen Fällen – Ästhetik des Feuerwerks hin oder her – natürlich um groben Unfug und um Sachbeschädigung handelt. Die Folgen solcher unsinnigen Taten waren gestern auch in Kirchheim noch festzustellen.

Wie gefährlich unsachgemäßer Umgang mit Feuerwerk sein kann, musste ein 27-Jähriger in Raidwangen erfahren, für den das Jahr 2017 eher unglücklich begonnen hat: Laut Polizeibericht zündete er „gegen 0.20 Uhr einen Böller auf einer selbst gebauten Abschussrampe. Hierbei zog er sich schwere Verletzungen im Gesicht zu“. Der Böller muss wohl sofort nach dem Anzünden explodiert sein. Ein Rettungswagen brachte den Mann in eine Spezialklinik.

In diesem Fall gilt also – wenn auch unter umgekehrten Vorzeichen – die alte Weisheit: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Silvester 2016 2017Feuerwerk Aichelbergstr Bonau
Silvester 2016 2017Feuerwerk Aichelbergstr Bonau
Feuerwerker bei der Arbeit (Bild oben). Das Bild unten rechts zeigt die ganze Farben- und Formenpracht von Silvesterraketen. Unt
Feuerwerker bei der Arbeit (Bild oben). Das Bild unten rechts zeigt die ganze Farben- und Formenpracht von Silvesterraketen. Unten links wiederum tritt eine besondere „Kehrseite“ des mitternächtlichen Treibens zutage.Fotos: Carsten Riedl
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