Kirchheim

Ganz schön alt und kein bisschen leise

Kultursommer Heute findet im 3 K eine „Vintage-Gitarren“-Aktion statt. Top-Gitarristen zeigen und spielen Schätze aus den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. Von Günter Kahlert

Micha Holz schmeißt sich in Rock‘n‘Roll-Pose.Fotos: Jörg Bächle/Günter Kahlert
Micha Holz schmeißt sich in Rock‘n‘Roll-Pose. Fotos: Jörg Bächle/Günter Kahlert

So viele hochkarätige Gitarristen in einer Location gab es in Kirchheim vermutlich noch nicht. Alle haben sich heute ab 11 Uhr im 3 K angesagt: Werner Dannemann, Calo Rapallo, Paul Lawall, Georg Kobler, Axel Schultz, Jürgen Wusche, Achim Bosch - quasi das „Who is who“ der regionalen Rock- und Blues-Szene. Michael Holz hat es geschafft, sie im Rahmen des Kultursommers für seine Idee einer Ausstellung von „Vintage Gitarren“ zu begeistern. Allesamt haben sie nicht nur Leidenschaft für die Musik, sie sammeln mit der gleichen Leidenschaft alte, gebrauchte Gitarren. Je älter, desto begehrter und wertvoller sind die Instrumente.

Gibson und Fender stehen heute im Mittelpunkt. Es sind natürlich nicht die einzigen, aber die bekanntesten Gitarrenbauer und haben die Rock- und Pop-Geschichte geprägt. Ein Jimi Hendrix ist ohne seine Fender Stratocaster ebenso wenig vorstellbar wie Eric Clapton in den 60er-Jahren ohne die Gibson Les Paul oder Alvin Lee von „Ten Years After“ ohne seine Gibson ES 335 („The Red One“). Klar, für „normale“ Menschen sind die Gitarren-Typen eher böhmische Dörfer, aber wer sich für die Materie interessiert, kriegt leuchtende Augen. Georg Kobler: „Die alten Instrumente vermitteln einfach ein anderes Feeling, die haben mehr Leben.“ Klingt fast ein bisschen esoterisch. Er lacht, „natürlich, man bildet sich auch manchmal etwas ein“. Trotzdem: Eine alte Gitarre in die Hand zu nehmen und ihren Klang zu hören, das ist in etwa so, als ob man bei einem Auto-Oldtimer den Schwung des Kotflügels nachfährt und den Sound des Motors hört.

Ein bisschen verrückt muss man als Gitarren-Sammler schon sein. Wer die Instrumente sammelt, ist zumindest Gitarren-verrückt. Werner Dannemann hat 14 davon, Georg Kobler 25 und on top ist Calo Rapallo. Er hat mehr als 120 Gitarren, so ganz genau weiß er das auch nicht. „Ich habe schon lange nicht mehr gezählt“, meint er schmunzelnd. Und es kostet Geld. „Ich glaube, ich habe meine Gagen immer in Gitarren gesteckt“, resümiert Calo Rapallo über seine Sammlung. 4000 bis 5000 Euro ist für Instrumente aus den 50er- und 60er-Jahren eher noch moderat. Wenn Zustand, Originalität und Jahrgang stimmen geht das auch mal locker in den deutlich fünfstelligen Bereich.

Klar, dass die Musiker Schätze aus ihrer Sammlung mit ins 3 K bringen. So an die 20 Gitarren erwartet Michael Holz. Die älteste bringt - neben vielen anderen - Georg Kobler mit. Eine Gibson Les Paul aus dem Jahr 1952, die erste Serie, die der amerikanische Hersteller auflegte. Auf dem Markt der „Vintage Gitarren“ liegt der ungefähre Wert bei 35 000 bis 40 000 Euro. Einige weitere Beispiele: Eine Gibson ES 345 Stereo aus dem Jahr 1964, eine Fender Jazzmaster Jahrgang 1962 oder eine Fender Stratocaster 1963. Allesamt original und mit der entsprechenden Patina, versteht sich.

Aber es ist nicht nur eine Gitarren-Schau im 3 K. Wenn so viele Gitarristen auf einem Haufen sind, wird logischerweise auch gespielt. Jam-Sessions mit den unterschiedlichsten historischen Gitarren sind mehr als wahrscheinlich. Jede hat ihren speziellen Klang, ihren typischen Sound. Georg Kobler wird aus seinem Verstärker-Bestand (ja, das sammelt er auch noch) eine „backline“ aus den 60er-Jahren aufbauen. Da sind dann Namen wie Vox AC30, Fender Twin-Reverb oder Echolette im Spiel. Aber wie gesagt, böhmische Dörfer für die einen, eine genussreiche Zeitreise für die Fans.

Das Ganze ist eine ziemlich coole Veranstaltung, ein lockerer Gedankenaustausch, fachsimpeln. Jede Gitarre hat ihre Geschichte, und die Musiker haben Geschichten dazu. Und wenn Georg Kobler begeistert über eine 59er Les Paul mit PAF-Tonabnehmern erzählt („Das ist der heilige Gral“) - nicht wundern, einfach nachfragen.

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