Kirchheim

Gastel: „Wir sind gut darauf vorbereitet, in Berlin mitzuregieren“

Pressegespräch Für den Bundestagswahlkampf setzt der Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel auf Sachthemen. Andreas Volz

Matthias Gastel sitzt seit 2013 im Deutschen Bundestag. Foto: pr

Nürtingen. Die Grünen sind gut vorbereitet, um nach der Bundestagswahl Regierungsverantwortung zu übernehmen, sagt der hiesige Grünen-Abgeordnete Matthias Gastel: „Ich sehe, dass wir einen großen Reform- und Veränderungsbedarf in Deutschland haben, sei es beim Klimaschutz, bei der Energiewende oder bei den Vorkehrungen für eine mögliche vierte Pandemie-Welle im Herbst.“ Die Grünen seien auf allen Themenfeldern bestens vorbereitet aufs Mitregieren: „Die Konzepte, die wir umsetzen wollen, sind da.“
Er selbst hat federführend die Bahnstrategie der Grünen mitentwickelt. Demzufolge müsse sich die Bahn wieder stärker ihrer Kernkompetenz zuwenden: dem Schienenverkehr in Deutschland und im benachbarten Ausland. Die Rechtsform müsse dahingehend geändert werden, dass es keinen Gewinndruck mehr gibt. Dann könne die Bahn die Ticketpreise senken und dadurch mehr Menschen zum Umsteigen von der Straße auf die Schiene bewegen.

Die Angebote im Fernverkehr seien deutlich auszuweiten. Mehr Großstädte seien anzubinden, und die Taktung müsse verdichtet werden: „Die Menschen müssen schneller an ihr Ziel gelangen – ohne langes Warten auf den Anschlusszug.“ Es soll auch mehr Sprinter- und Nachtzüge ­geben. „Ziel ist es, Kurzstreckenflüge durch bessere Bahnangebote überflüssig zu machen. Zu diesem Zweck muss die Bahn schneller und zuverlässiger werden.“
Beim Güterverkehr hofft Matthias Gastel, dessen Schienen­anteil von 19 Prozent bis 2030 auf 30 Prozent erhöhen zu können: „Das wäre das Niveau, das Österreich heute schon hat.“ Der Lkw-Anteil an Tonnen-Kilometern liegt derzeit in Deutschlang bei 74 Prozent. Gastel will diesen Anteil entsprechend senken. Dabei setzt er darauf, die Lkw-Maut auszuweiten und zu erhöhen. Umgekehrt will er die Trassenpreise, also die Schienen-Maut, senken. Auch brauche es wieder mehr Gleis­anschlüsse in Industriegebieten.

Im Bundestags-Wahlkreis Nürtingen, zu dem auch Kirchheim gehört, setzt Matthias Gastel auf eine bessere Erschließung der Filder-Ebene mit öffentlichen Verkehrsmitteln – durch eine Stadtbahn, die die Filder-Orte untereinander, aber auch mit Esslingen vernetzt. In einer Schienenverbindung von Kirchheim über Weilheim und Bad Boll nach Göppingen sieht er „hohes Potenzial“. Bei der Teckbahn von Kirchheim nach Lenningen und bei der Tälesbahn von Nürtingen nach Neuffen hält er es für wichtig, die Dieseltriebwagen durch batterieelektrische zu ersetzen: „Die können ihre Akkus durch eine Oberleitung in den Endstationen aufladen. Auf der Strecke sorgen sie für weniger Lärm, für weniger Schadstoffausstoß – und sie ermöglichen eine wesentlich bessere Beschleunigung.“

Matthias Gastel hofft, dass solche Sachthemen auch den Wahlkampf prägen – anstelle von Diskussionen um Lebensläufe und Zitate der grünen Kanzlerkandidatin. Hier geht er mit ­seiner Partei durchaus hart ins Gericht: „Da wurden viele Fehler gemacht und der Umgang damit war nicht immer professionell. Das ­ärgert mich.“ Trotzdem rechnet er sich und seiner Partei gute ­Chancen aus, die Stimmanteile gegenüber 2017 deutlich zu steigern. So könnte es tatsächlich klappen, dass die Grünen im Bund mitregieren – wer auch immer das Kanzleramt übernimmt.

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