Kirchheim

Geben und nehmen ohne jede Gegenleistung

Geschenkt Die Idee Schenkscheune in Kirchheim entstand durch die Räumung eines Bauernhofes. Das System hat sich bisher bewährt. Förderer sind gefragt. Von Thomas Krytzner

Die Idee der Schenkscheune ist simpel: Wer Sachen aus dem Haushalt nicht wegwerfen will, bringt sie an die Plochinger Straße und verschenkt sie. Wer andererseits auf der Suche nach Schätzen aus dem Haushalt ist, schaut sich in der Scheune um, nimmt sich kostenlos mit, was er brauchen kann. Daniel Hughes und Tim Bauer räumten einen verwaisten Bauernhof, als ihnen die Idee kam, statt die Sachen alle wegzuwerfen, sie zu verschenken. „Die Idee gibt es allerdings schon lange“, weiß Daniel Hughes. „Die Kirchheimer Schenkscheune ist die 90. in Deutschland.“

Sinn und Ziel des Schenkens ist, Menschen zu ermöglichen, an verschiedenste Sachen zu kommen, ohne Geld in die Hand zu nehmen. Gleich von Anfang an, wie Tim Bauer schwärmt, fand die Idee viel Zuspruch und wird rege genutzt. Im geräumten Bauernhof konnten die ehrenamtlichen Geschenkexperten nicht bleiben, da dieser abgerissen wird. Nach intensiver Suche fanden die Initiatoren der Schenkscheune ein neues Domizil. Hughes dazu: „Wir sind froh, ein Lokal für die Waren gefunden zu haben, doch leider müssen wir im Gegensatz zur Scheune im Bauernhof hier Miete zahlen.“ Aus diesem Grund gründeten die Chefs einen Verein, damit Spendengelder, vor allem für die Miete, gesammelt werden können.

GANZ heißt die Gruppe und setzt sich gemäß Hughes für mehr Bewusstsein unter den Menschen ein. Anfang Oktober haben die rund zehn Ehrenamtlichen die neue Begegnungsstätte bezogen und freuen sich über ein bunt gemischtes Publikum. Tim Bauer macht deutlich: „Zu uns kommen Menschen jeden Alters und jeder Nationalität. Gleich von Beginn an kamen viele Flüchtlinge.“

Das Warenangebot scheint schier unendlich: Von Geschirr über Vasen und Flaschen bis hin zu Leitern und Spielsachen gibt es nebst Büchern und Klamotten fast alles zu haben. „Wir haben aus Anfängerfehlern gelernt und selektieren die Waren vor der Annahme. Zeitweilen mussten wir für die geschenkt bekommenen Bücher einen Extraraum einrichten und Deko-Artikel können wir momentan keine annehmen“, stöhnt Tim Bauer. Hughes ergänzt: „Wer was bringen will, soll vorher nachfragen, was gebraucht wird. So können wir Enttäuschungen vermeiden.“ Klares Ziel der beiden Scheunenbetreuer ist, aufzuzeigen, dass nicht alles gleich weggeworfen werden muss. „Dann lieber zu uns in die Schenkscheune bringen und eventuell damit anderen Menschen eine Freude machen oder selber was finden und mitnehmen – ganz ohne Gegenleistung.“ Jeder kann sich im Laden umschauen und sich mitnehmen, was passt. Gerne können auch Sachen aus dem Haushalt mitgebracht werden. Spielsachen für Kinder sind besonders gefragt. Die Initiatoren freuen sich aber auch über jeden Förderer.

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