Kirchheim

Gebündelte Kräfte

Beim Begegnungsfest zur Kirchheimer Kirchenfusion erhalten die drei neuen Gemeinden Glückwünsche von oberster Stelle

Landesbischof July kam zum ­Begegnungsfest der Kirchheimer Kirchengemeinden. In seiner Predigt ging er vor allem auf die Potenziale der Fusion ein.

Gebündelte Kräfte
Gebündelte Kräfte

Kirchheim. Die evangelische Kirche steht in diesen Tagen vor vielen He­rausforderungen, die laut Dekanin Renate Kath zahlreiche Chancen bieten. Eine Meinung, die Dr. Frank Otfried July teilte, der am vergangenen Sonntag das Begegnungsfest in der Kirchheimer Martinskirche besuchte. In einer sich verändernden Gesellschaft und Kirchenlandschaft ist es dem Landesbischof zufolge wichtig, neue Formen des Lebens, des Zusammenarbeitens und des Miteinanders auf den Weg zu bringen und zu gestalten.

Vor dem Hintergrund der Zusammenlegung von Kirchheimer Kirchengemeinden betonte der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, dass Struktur- und Planungsdebatten, Überlegungen zu Gemeindegrößen, Pfarrplänen, Finanzen, Organisationsabläufen oder Zukunftsplänen nie Selbstzweck seien. Ziel all dessen ist laut Frank Otfried July, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat, in Seelsorge und Verkündigung, in Diakonie und Bildungsgeschehen auch in Zukunft zu verkündigen. Der Landesbischof machte in seiner Predigt deutlich, dass sich zahlreiche Herausforderungen besser meistern lassen, wenn Aufgaben und Kräfte in den Gemeinden gebündelt werden.

„Glieder sind wir viele, doch nur ein Leib, und wir sind eins durch ihn“, sagte der Landesbischof. „Darum geht es bei all den Fusionsgesprächen.“

Die Zusammenlegung von Gemeinden, wie sie in Lindorf und Ötlingen, aber auch der Stadtkirchen- und Christuskirchengemeinde vollzogen wurde, erfordere Mut, Wille, Ausdauer, Mühe und Ehrlichkeit. July beglückwünschte deshalb zu der Entscheidung, einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. „Eine christliche Gemeinde ist eine Auslegungs- und Erzählgemeinschaft über den Glauben, das Evangelium und über die Lebenserfahrung“, so Frank Otfried July.

Und in genau dieser Vielfalt erkannte Renate Kath Potenziale, die Gemeinden mit vereinten Kräften bereichernd nutzen können. „Miteinander können wir in vielfältiger Weise lernen, Andockpunkte für Kirche und ihre Themen zu finden“, betonte die Dekanin, für die eine neue Form der Teilhabe im Fokus steht, die nicht zwangsläufig in Fusionen münden muss. „Es geht darum, Raum zu schaffen, um die eigene Frömmigkeit leben und weiterentwickeln zu können“, bilanzierte Kath.

Axel Rickelt, Pfarrer der Auferstehungskirche Kirchheim und Geschäftsführer der Stadtkirchengemeinde, stellte fest, dass die Kirche mit ihrem Angebot so bunter und lebendiger werde.

Für den Theologen wächst mit der Zusammenlegung auch die Möglichkeit, über neue Netzwerke das Gemeindeleben kreativ und mit vielen Ideen zu bereichern sowie gemeinschaftlich Projekte anzustoßen. „Mit den neuen Strukturen fällt es sicherlich leichter, die vorhandenen Stärken zu stärken und Vorhandenes besser zu nutzen“, so Axel Rickelt.

Der Pfarrer wies ausdrücklich darauf hin, dass Fusionen nicht dazu beitragen, dass sich die Kirche von den Menschen entfernt. Das Parochialprinzip, nach dem ein Pfarrer für einen Pfarramtsbereich zuständig ist, bleibe von den Zusammenlegungen unberührt. „Der Pfarrer bleibt im Pfarrhaus auch künftig für die Gemeindemitglieder erreichbar und leistet verlässlich Seelsorge“, resümierte Rickelt, der damit vielen Kirchenbesuchern entsprechende Sorgen nahm und ihnen Mut zusprach.

Landesbischof Dr. Frank Otfried July beglückwünschte die Kirchheimer in der Martinskirche zu ihrem Mut. Fotos: Markus Brändli un
Landesbischof Dr. Frank Otfried July beglückwünschte die Kirchheimer in der Martinskirche zu ihrem Mut. Fotos: Markus Brändli und Daniela Haußmann
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