Kirchheim

Gegen Gewalt und Unrecht

Die Kirchheimer Gruppe von Amnesty International ruft zum Briefeschreiben für Menschenrechtler auf

Eine Aufgabe der internationalen Organi­sation ist es, sich für Menschen einzusetzen, die wegen ihrer politischen Überzeugungen verfolgt werden.

Kirchheim. Die Kirchheimer Gruppe von Amnesty International (ai) zeigt jeden Monat drei Fälle von Menschenrechtsverletzungen auf. Im Juni geht es um jeweils einen Fall in Mauretanien, Laos und der Dominikanischen Republik:

Der 32-jährige Blogger Mohamed Ould Cheikh Mkhaïtir wurde am 24. Dezember 2014 in Nouadhibou im Nordwesten Mauretaniens wegen „Apostasie“ (Abfall vom Glauben) zum Tode verurteilt. Der Grund war ein auf Facebook veröffentlichter Kommentar, in dem er Personen kritisierte, die den Islam instrumentalisieren, um bestimmte Gruppen aus der mauretanischen Gesellschaft auszugrenzen. Der Blogeintrag wurde auch auf anderen Webseiten veröffentlicht, später jedoch wieder entfernt. Mohamed Ould Cheikh Mkhaïtir wurde am 5. Januar 2014 festgenommen und inhaftiert. Während der ersten sechs Monate seiner Haft hielt man ihn in einer Einzelzelle ohne Toi­lette und Dusche fest. Mohamed Mkhaïtir bekundete vor und während der Verhandlung mehrfach seine Reue und erklärte, dass er mit dem Text weder den Propheten Mohammed noch den Islam beleidigen wollte. Obwohl Paragraf 306 des Strafgesetzbuches vorsieht, Milde walten zu lassen, wenn sich der oder die Angeklagte reuig zeigt, verurteilte das Gericht Mohamed Ould Cheikh Mkhaïtir zum Tode. Seine Rechtsbeistände legten im Dezember 2014 Rechtsmittel gegen das Urteil ein. Ein Termin für das Berufungsverfahren steht noch nicht fest.

Seit fast dreieinhalb Jahren fehlt von dem Bürgerrechtler Sombath Somphone in Laos jede Spur. Die offiziellen Untersuchungen der laotischen Behörden zu seinem Verbleib sind unzureichend, und die Behörden haben seine Familie bisher nicht über den Fortschritt der Untersuchungen informiert. Es wird befürchtet, dass Sombath Somphone Opfer des Verschwindenlassens geworden ist. Der 63-Jährige verließ am 15. Dezember 2012 gegen 17.30 Uhr sein Büro und fuhr mit dem Auto nach Hause. Seine Frau fuhr in einem zweiten Wagen vor ihm. Die Polizei hielt ihn gegen 18 Uhr an einem Kontrollpunkt in der laotischen Hauptstadt Vientiane an. Auf Videoaufnahmen einer Verkehrskamera ist zu sehen, dass er aus seinem Wagen aussteigt, um mit der Polizei zu sprechen. Ein Motorradfahrer erscheint und fährt mit Sombath Somphones Auto davon. Anschließend taucht ein Lastwagen auf, in den man Sombath Somphone hineindrängt. Die laotischen Behörden leugnen, Sombath Somphone inhaftiert zu haben oder für sein Verschwinden verantwortlich zu sein. Sie erklärten, er sei möglicherweise nach der routinemäßigen polizeilichen Ausweiskontrolle im Rahmen einer privaten Streitigkeit entführt worden.

Am 28. September 2009 wurde Juan Almonte Herrera, ein Mitglied der dominikanischen Menschenrechtsorganisation „Comité Dominicano de los Derechos Humanos“, von vier bewaffneten Männern in der Hauptstadt Santo Domingo verschleppt. Augenzeugen berichteten, bei den bewaffneten Männern habe es sich um Polizeibeamte der Abteilung zur Bekämpfung von Entführungen gehandelt. Obwohl ein Gericht Anfang Oktober 2009 die Freilassung von Juan Almonte Herrera angeordnet hatte, bestritt die Polizei, dass er inhaftiert gewesen sei und gab an, er sei ein entflohener Straftäter, der in Verbindung mit einem Entführungsfall in Nagua gesucht werde. Ende Oktober 2009 fand man in einem Auto in Santo Domingo zwei Tote, die verbrannt waren. Die Schwester von Juan Almonte Herrera identifizierte darunter den Leichnam ihres Bruders. Die Behörden sagten seiner Familie jedoch, die DNA-Tests seien negativ ausgefallen. Juan Almonte Herreras Familie und Rechtsbeistände sind der Wahrheit immer noch nicht näher gekommen. Sie kämpfen weiterhin für Gerechtigkeit und warten auf eine offizielle Antwort bezüglich seines Verschwindens.

In allen drei Fällen bittet ai um höflich formulierte Briefe an die entsprechenden Stellen. Die ai-Briefkam­pagne appelliert seit Jahren gegen das Vergessen. Die bereits vorformulierten Briefe können im Weltladen in der Dettinger Straße abgeholt werden.pm

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