Kirchheim

Gemeinsam mit Lippel ins Morgenland

Theater Schüler der Konrad-Widerholt-Schule zeigen, dass Träume viel aufregender sein können als die Realität.

In die Rolle eines fiktiven Charakters zu schlüpfen, scheint für die Schüler kein Hexenwerk zu sein.Foto: Markus Brändli
In die Rolle eines fiktiven Charakters zu schlüpfen, scheint für die Schüler kein Hexenwerk zu sein.Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Aus dem Unterricht entfliehen und ins Morgenland reisen - das wünschen sich wohl die meisten Schüler. Einige davon hatten auch die Gelegenheit dazu. Im Rahmen der Kinder- und Jugendtheaterwoche führten die Klassen 3 bis 6 der Konrad-Wider­holt-Schule „Lippels Traum“ von Paul Maar auf.

 

Wie aus Tausendundeiner Nacht

 

Lippel geht es wohl so wie vielen Kindern, wenn ihre Eltern auf Reisen sind: Er ist nicht gerade begeistert davon. Auf ihn aufpassen soll Frau Jakob, mit der Lippel aber nicht so richtig warm wird. Als seine Nanny ihm das Buch wegnimmt, entflieht der Junge in eine Traumwelt und träumt sich sein Buch einfach zu Ende. Seine Kreativität macht ihn zum Teil der Geschichte, und so hilft er einem arabischen Prinzen und seiner Schwester, vor ihrer bösen Tante zu fliehen.

 

Das Stück spielt an drei verschiedenen Plätzen: bei Lippel zu Hause, in der Schule und im Morgenland. Drei Schauplätze und drei Kulissen, die sich direkt vor den Augen der kleinen Gäste befinden. Alles selbst gemacht, versteht sich. Von den orientalischen Kostümen bis zum Pappmaschee-Thron - die Schüler der Konrad-Widerholt-Schule haben während ihrer Proben in verschiedenen AGs oder im Unterricht an den Kulissen, Kostümen und Requisiten gefeilt.

 

Die harte Arbeit zahlt sich aus. Mit der arabischen Musik, den glitzernden und funkelnden Kostümen und den Bauchtänzerinnen kommt man sich wirklich vor wie in Tausendundeiner Nacht. Auch Lippels Bett scheint so gemütlich zu sein, dass das ein oder andere Kind sich wahrscheinlich vorstellen könnte, selbst an seiner Stelle zu liegen, um einen solchen Traum zu erleben.

 

Nicht nur die kreative Kulisse trägt dazu bei, dass die Zuschauer gebannt das Theaterstück verfolgen - sondern auch die jungen Schauspieler. Innerhalb eines halben Jahres wurde zum Beispiel aus Simon Lux ein waschechter Lippel und aus Enie Hetzel eine strenge Frau Jakob. Die Proben mit Theaterpädagoge Frieder Knauss tragen sichtbare Früchte.

 

Talente werden entdeckt

 

Sogar kleine Textpatzer übergehen die kleinen Schauspieler professionell. Denn: nobody‘s perfect. Durch dieses Theaterprojekt wurde wohl das ein oder andere Talent entdeckt. Um eine Theater-AG ins Leben zu rufen, fehlen der Schule die Räume und Mittel. Wer den Darstellern an diesem Abend zusieht, gewinnt den Eindruck, dass sich dafür bestimmt Teilnehmer finden würden.

 

Den kleinen Gästen in der Konrad-Widerholt-Schule scheint die Aufführung der Mittelstufe gefallen zu haben - auch, wenn sich manches Kind noch ein paar Tropfen von der Nase wischen muss. Lippels Nachbarin Frau Jeschke hatte beim Gießen wohl die Blumen mit den Schülern im Publikum verwechselt. Melissa Seitz

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