Kirchheim

Gerstenklopfer und Hammeltanz

Bei strahlendem Sonnenschein kommen rund 2 000 Besucher zum Jesinger Straßenfest

Sonnenschein, knackige Temperaturen und heitere Stimmung prägten am gestrigen Sonntag das 41. Jesinger Straßenfest.

Bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen wurde den zahlreichen Besuchern des Jesinger Straßenfests ein buntes Programm gebot
Bei angenehmen spätsommerlichen Temperaturen wurde den zahlreichen Besuchern des Jesinger Straßenfests ein buntes Programm geboten.Foto: Daniela Haußmann

Kirchheim. Seit 1975 ist das Straßenfest in Jesingen ein beliebter Treffpunkt für Menschen aller Generationen. In seiner über vier Jahrzehnte währenden Geschichte musste die beliebte Traditionsveranstaltung laut Reinhold Ambacher dreimal den Standort wechseln. Nach der abgeschlossenen Ortskernsanierung hat das einmal jährlich stattfindende Ereignis in den Straßen und Gassen rund um Petruskirche, Kelter und neues Rathaus einen Platz gefunden, der den Charakter des Festes unterstreicht und ihm einen ganz besonderen Charme verleiht.

Für Ortsvorsteher Christopher Flik ist das Fest, das am Sonntag fast 2 000 Besucher anlockte, ein Symbol für ein vitales Gemeindeleben. „Zwölf Vereine sind vertreten. Mit Tatkraft und viel Engagement tragen sie zum Gelingen der Veranstaltung bei“, so Flik. „Und nicht zuletzt ist das Fest für etliche Menschen im Ort eine Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen oder kennenzulernen.“ Die Traditionsveranstaltung sei damit ein fester sozialer Treffpunkt, der nachhaltig die Identifikation mit dem Wohnort fördere. Als ein Alleinstellungsmerkmal des Straßenfestes wertete Reinhold Ambacher neben dem Hammeltanz, bei dem es einen lebenden Hammel zu gewinnen gab, die Vielfalt der angebotenen Speisen. Zum ersten Mal nach zwei Jahren fand auch wieder ein Flohmarkt statt. „In diesem Jahr zeigt sich das Straßenfest also erstmals wieder in voller Größe mit zwölf Vereins- und 48 Flohmarktständen.“ Neu ins Programm aufgenommen wurde der Gerstenklopferwettbewerb, bei dem die Teilnehmer Wasserbomben mit Dreschflegeln zerschlagen mussten. Wilhelm Franz von der Eintracht Jesingen konnte sich noch gut daran erinnern, wie die Landwirte noch bis zum Zweiten Weltkrieg mit dem bäuerlichen Werkzeug hantierten, um nach der Ernte die Getreidekörner aus den Ähren zu schlagen.

„Meist kamen vier Leute zum Einsatz, die nacheinander in einem ganz bestimmten Takt dreschen mussten“, erzählte Franz. „Wenn die Ähren leer waren, kam das Stroh weg, und mit einem Gebläse wurde dann die Spreu vom Korn getrennt.“ Allerdings sei nicht die ganze Ernte gedroschen worden. „Das Getreide wurde gelagert, und im Verlauf der Wintermonate haben die Bauern immer wieder gedroschen“, erinnert sich Wilhelm Franz. „Nicht umsonst heißen die Jesinger deshalb auch Gerstenklopfer, denn vor dem Krieg gab es rings um den Ort zahlreiche Agrarflächen, auf denen Getreide angebaut wurde.“

Werner Lutz, der jedes Jahr das Straßenfest besucht, schätzt die Veranstaltung. Durch die verwinkelten Gassen zu flanieren, entlang derer sich das eine oder andere historische Gebäude aufreiht, verleihe der Veranstaltung einen besonderen Charakter und eine persönliche Note. „Außerdem treffe ich hier immer wieder bekannte Gesichter, und das ist doch schön“, bilanziert Lutz. Karin Schiavone war eigens aus Fellbach angereist, um den Flohmarkt zu besuchen. „Im Gegensatz zu Flohmärkten in Ludwigsburg oder Stuttgart ist der in Jesingen nicht kommerziell ausgerichtet“, sagte sie. „Und genau das macht seinen Reiz aus.“ Beim Stadtfest kamen aber auch die kleinen Besucher entlang einer Spielstraße auf ihre Kosten. Die Darbietungen des Musikvereins und des Posaunenchors Jesingen luden zum Verweilen ein.

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