Kirchheim

Gerüstet gegen die Schweinepest

Prävention Der Landkreis Esslingen wappnet sich gegen die gefürchtete Tierseuche. An den neu eingerichteten Verwahrstellen können Jäger verendete Tiere und Innereien von Wildschweinen abgeben. Von Iris Häfner

Dieses Wildschwein ist bei einer Drückjagd erlegt worden. Auch beim Ausbruch der Schweinepest gilt: die Tiere schnell aus dem Ge
Dieses Wildschwein ist bei einer Drückjagd erlegt worden. Auch beim Ausbruch der Schweinepest gilt: die Tiere schnell aus dem Gelände bringen. Archivfoto: Deniz Calagan

Den Tatsachen sachlich ins Auge blicken - darum geht es Landrat Heinz Eininger. Von Panikmache hält er nichts, wenn es um die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest geht, wohl aber von pragmatischen Vorsichtsmaßnahmen. Und davon ist nun ein ganzes Bündel im Landkreis Esslingen umgesetzt worden. Daran beteiligt sind nicht nur sämtliche Ämter des Landratsamts, sondern auch das Land Baden-Württemberg und vor allem die Jäger vor Ort. Die haben den Bestand der Wildschweine im vergangen Jagdjahr überproportional dezimiert, und damit einen entscheidenden Ansteckungsfaktor reduziert, denn der hochstabile Virus bleibt über Jahre in Kadavern ansteckend. Die gute Nachricht dabei: Die Schweinepest wird nicht auf den Menschen übertragen.

Ganz anders sieht die Situation für die Landwirtschaft aus. „Wir rüsten uns gegen die Schweinepest, weil es verheerende Folgen für die Hausschweine hätte, wenn es zu einer Übertragung des Virus kommt“, erklärt Heinz Eininger. Mit großer Sorgfalt werde deshalb die Verbreitung der Krankheit verfolgt, die zur Zeit vor allem in Osteuropa grassiert. Das Problem sind dabei nicht die Wildschweine, sondern der Mensch, der unkontrolliert seine Rest-Wurstbrote in die Landschaft wirft, die möglicherweise mit dem Virus infiziert sind. Somit ist es nicht verwunderlich, dass die Schweinepest den Lkw-Routen folgt - und das wiederum erklärt die Sensibilität im Kreis mit seinen vielen Verkehrsachsen und dem Landesflughafen. „Wir liegen mit der A 8 und den anderen Fernstraßen auf den Hauptreisewegen“, so Heinz Eininger.

Dass die Furcht vor diesem Übertragungsweg nicht aus der Luft gegriffen ist, verdeutlicht German Kälberer, Kirchheims Kreisjägermeister: „In Belgien ist auf einem Truppenübungsplatz die Schweinepest ausgebrochen. Die Soldaten, die dort stationiert sind, waren bei einem Manöver in Litauen im Einsatz.“ Aus diesem Grund hält Christian Baron, als Dezernatsleiter unter anderem für Gesundheit und Veterinärwesen zuständig, den von Dänemark geplanten „Schweineschutz-Zaun“ für wenig sinnvoll.

Trotz des Hauptrisikofaktors Mensch bleibt die Gefahr der Übertragung durch Wildschweine. Die Vorschriften zur Bejagung wurden deshalb gelockert. So dürfen die Tiere jetzt ganzjährig geschossen werden und Nachtsichtgeräte sind zugelassen. Landesweit gab es damit eine Steigerung des Abschusses um über 70 Prozent. Die Jäger legten ihr Augenmerk auf die Altersklasse der Tiere, die die Fortpflanzung garantieren - nachwuchsführende Muttertiere ausgeschlossen.

Nicht zuletzt wurden Verwahrstellen im Landkreis eingerichtet, zu denen die Jäger geschossene Wildschweine bringen können. Das sind entweder ganze Tiere oder die Schlachtabfälle. Die kommen dann zur Tierkörperbeseitigungsanstalt in Warthausen bei Biberach. Drei dieser Stellen gibt es schon und zwar bei der Straßenmeisterei in Kirchheim sowie bei den Kläranlagen in Nabern und Nürtingen. Im Frühjahr werden zwei weitere in Beuren und Aichwald eröffnet. Wegen des Albtraufs liegt der Schwerpunkt in Kirchheim, zudem ist in Nabern die Kleintiersammelstelle.

Hellhörig wird Dr. Christian Marquardt, Leiter des Veterinäramts, wenn gleich mehrere tote Tiere in der Natur entdeckt werden. Möglichst schnell sollten sie dann in Leichensäcke gepackt und der Boden desinfiziert werden, denn die Wahrscheinlichkeit ist dann groß, dass tatsächlich die Schweinepest ausgebrochen ist. Für den Abtransport gibt es ein „neu-gebrauchtes“ geländegängiges Fahrzeug, das die Steillagen des Albtraufs meistert, und dessen Ladefläche problemlos gereinigt und desinfiziert werden kann.

Auf dem Gelände der Straßenmeisterei in Kirchheim können tote Wildschweine ordnungsgemäß entsorgt werden. Zu sehen sind Landrat
Auf dem Gelände der Straßenmeisterei in Kirchheim können tote Wildschweine ordnungsgemäß entsorgt werden. Zu sehen sind Landrat Heinz Eininger, Kreisjägermeister German Kälberer und Veterinärhygienekontrolleur Achim Moser (von rechts). Foto: Jean-Luc Jacques
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