Kirchheim

Gestern Baustelle, morgen schon großes Kino

Auftakt Der Rasen ist gemäht, das Gelände ist eingezäunt, die Leinwand steht. Es kann also losgehen: Am Donnerstag startet das Autokino auf der großen Brachfläche am Kirchheimer Güterbahnhofsareal. Von Andreas Volz

Kaum steht das Gerüst, wird schon die 200 Quadratmeter große Leinwand hochgezogen: Das Kirchheimer Autokino kann also morgen mit
Kaum steht das Gerüst, wird schon die 200 Quadratmeter große Leinwand hochgezogen: Das Kirchheimer Autokino kann also morgen mit Einbruch der Dämmerung starten. Fotos: Carsten Riedl

Morgen ist es wo weit: Trotz Corona-Krise gibt es wieder Kino in Kirchheim. Es läuft ganz anders als gewohnt - und ein Problem entfällt garantiert: die Parkplatzsuche. Auch einen Regenschirm wird höchstens derjenige brauchen, der zwischendurch mal aufs Klo muss. Was sich allerdings empfiehlt für den Kinoabend, ist warme Kleidung. Auch Decken könnten hilfreich sein. Das Allerbeste aber ist: Auch wenn man den Film auf einer 200-Quadratmeter-Leinwand sieht, kann man - falls gewünscht - sogar die Hausschuhe anbehalten, ohne dass es jemandem groß auffällt.

Anfang der Woche hat Kinobetreiber Reimund Fischer gemeinsam mit seinem Team begonnen, das Gelände vorzubereiten: „Am Montag haben wir Rasen gemäht, mit zwei Benzinmähern, die wir von Hand geschoben haben.“ Was das bedeutet, schildert er in einem Nachsatz: „Das hat mein Fitnesstraining ersetzt. Dabei habe ich auch gleich die sechs Wochen Auszeit gespürt.“ Nicht wirklich besser erging es ihm später am Tag: „Da haben wir 260 Meter Bauzäune aufgestellt, um alles einzugrenzen. Unsere Arme sind bei der Arbeit immer länger geworden. Am Ende war ich fix und fertig.“

Kaum steht das Gerüst, wird schon die 200 Quadratmeter große Leinwand hochgezogen: Das Kirchheimer Autokino kann also morgen mit
Kaum steht das Gerüst, wird schon die 200 Quadratmeter große Leinwand hochgezogen: Das Kirchheimer Autokino kann also morgen mit Einbruch der Dämmerung starten. Fotos: Carsten Riedl

Fix und fertig ist jetzt allerdings auch Kirchheims Autokino - von einigen kleineren Arbeiten abgesehen, die vor dem Start am morgigen Donnerstag noch erfolgen. Gestern kam schon die Leinwand, die es wirklich in sich hat. Ihre Dimensionen sind ­enorm. Da braucht es nicht nur jede Mange „manpower“ zum Aufstellen. Es braucht auch eine aufwendige Konstruktion - und die geht ins Geld: „Das ist viel teurer als sonst beim Sommernachtskino.“

Noch so manches mehr ist mit größerem Aufwand verbunden - und seien es auch nur die vielen Bauzäune. „Ohne unsere Sponsoren könnten wir das nicht stemmen“, sagt Reimund Fischer deshalb immer wieder. Einen großen Vorteil sieht er in der Erfahrung nach 18 Jahren Sommernachtskino in Kirchheim: „Dadurch gibt es gute Verbindungen zu allen Stellen, auf die es ankommt. Ich muss nicht jedes Mal neu erklären, was ich machen möchte. Ich kenne die Ansprechpartner, alles läuft Hand in Hand. Das ist sehr angenehm und macht auch wirklich Spaß.“

Das Kino soll Freude bringen

Der Spaßfaktor ist auch für die Kinobesucher von zentraler Bedeutung. Reimund Fischer versucht deswegen, für fast alle Anfragen eine passende Lösung zu finden: „Es rufen auch Leute an und fragen, ob sie mit ihrem Wohnmobil kommen können.“ Seine Antwort: „Klar geht das.“ Allerdings gibt es eine gewisse Einschränkung, die in diesem Fall aber rein gar nichts mit Corona zu tun hat: „Wer mit dem Wohnmobil oder sonst mit einem größeren Fahrzeug kommt, sollte erst etwas später zum Eingang fah­ren. Die kriegen dann Plätze ganz hinten, wo sie das richtige Autokino-Feeling haben. Sie sehen die Leinwand und dazu ganz viele Autodächer.“

Reimund Fischer freut sich auch über seine Technik, die es ihm ermöglicht, ganz aktuelle Filme zu zeigen: „Mit einer LED-Leinwand würde das nicht gehen, weil man da nur Blu-Ray-Discs abspielen kann. Die neuesten Filme liegen aber noch nicht auf Blue Ray vor.“

Autokino wird nach Einschätzung von Reimund Fischer auf längere Zeit die einzige Form von Kino in Kirchheim bleiben: „Für das normale Kino gibt es noch keine Öffnungstermine. Und selbst wenn: Dann haben die das gleiche Problem wie viele Gaststätten. Wenn sie ihre Säle maximal halb voll machen dürfen, lohnt sich das wirtschaftlich nicht.“ In Kirchheim gibt es jetzt aber eine „tolle Zusammenarbeit“ von Open- Air- und Indoor-Kino: „Wir übernehmen die Filmvorführer von Frech fürs Autokino.“

Sollte im August doch noch ein Sommernachtskino auf dem Martinskirchplatz möglich sein, würde in diesem Moment das Autokino enden. Ansonsten sagt Reimund Fischer: „Wir hören erst auf, wenn die Schneewehen zu hoch sind oder wenn der Bodennebel über die Leinwand wabert.“ Dann würde der Platz wieder zur unansehnlichen Brache werden, die er bis zum Start des Autokinos war. Für die nächste Zeit wird nach den Vorstellungen von Reimund Fischer alles anders: „Wir beleben diese Fläche mit unserem Kulturprogramm. Das ist hoffentlich ein positiver Aspekt für den Ort - und für die ganze Umgebung.“

„Night Life“ in Kirchheim

„Night Life“, die aktuelle Komödie mit Elyas M‘Barek, ist der erste Film, der im Kirchheimer Autokino auf der Brachfläche am Güterbahnhofsareal läuft. Beginn ist nach Einbruch der Dunkelheit, laut Homepage um 21.30 Uhr. Im Lauf der Zeit verschiebt sich das nach hinten. Ab 18. Mai ist als Uhrzeit für den Filmbeginn 21.45 Uhr angegeben. Einlass ist ab 20 Uhr. Die Website autokino-kirchheim-teck.de ist in jeder Hinsicht wichtig: Nur über diese Internetadresse lassen sich Tickets sowie Snacks und Getränke bestellen. Das Filmprogramm für die ersten zwei Wochen sieht außer „Night Life“ vor allem „Die Känguru-Chroniken“ und „Das perfekte Geheimnis“ vor. Jeweils einmal laufen „Joker“ und „Birds of Prey“. vol

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