Kirchheim

Getestet wird weiterhin nur bei Verdacht

Pflegeheime Der Landkreis hält trotz alarmierender Zahlen in den Nachbarkreisen an seinem seitherigen Kurs fest.

Nicht jeder kann sich einfach testen lassen.Foto: Markus Brändli
Nicht jeder kann sich einfach testen lassen. Foto: Markus Brändli

Esslingen. In den stationären Pflegeeinrichtungen im Kreis Esslingen wird es auch weiterhin Corona-Tests nur in Verdachtsfällen geben. Treten bei Bewohnern oder Mitarbeitern Symptome auf, werde das gesamte Personal der Einrichtung und die Bewohner der betroffenen Stationen auf Covid-19 getestet“, sagt Landratsamts-Sprecher Peter Keck. Der Landkreis folgt mit seinem Kurs den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts. Man werde weiterhin „situationsbezogen“ reagieren, teilt der Behördensprecher mit.

Anders verfahren seit Monatsbeginn die Nachbarkreise Reutlingen und Tübingen, die gestern mit alarmierenden Zahlen für Schlagzeilen gesorgt hatten. In den Pflegeheimen beider Landkreise wird inzwischen flächendeckend getestet. Das Ergebnis: 300 schlummernde Infektionen, festgestellt an Personen, die keinerlei Symptome zeigen, das Virus aber trotzdem in sich und auch weitertragen. „Hätten wir noch eine Woche gewartet, wären vermutlich alle infiziert gewesen“, wird die Leiterin eines Seniorenstifts mit 116 Bewohnern in Tübingen zitiert, wo 20 Tests positiv ausfielen.

Beide Landkreise gehen damit einen Schritt weiter als die Landespolitik und auch Bundesbehörden wie das Robert-Koch-Institut vorgeben. Im Kreis Reutlingen, wo derzeit 2 067 Betreute in 38 Heimen getestet werden, sind nach aktuellem Stand 239 Menschen erkrankt. Im Kreis Esslingen waren Stand gestern Infektionen bei 121 Heimbewohnern und 67 Mitarbeitern in 14 Einrichtungen bekannt. Auch diese positiv Getesteten waren überwiegend frei von Symptomen, wie Landratsamts-Sprecher Peter Keck bestätigt. Dass die Dunkelziffer höher liegt, ist demnach zu befürchten. Das Problem: Der Kreis Esslingen ist der mit der höchsten Bevölkerungsdichte im Land mit mehr als einer halben Million Einwohner, knapp doppelt so viele wie im Nachbarkreis Reutlingen.

Testmaterial ist knapp

Fast 100 Heime mit mehr als 5 500 Bewohnern gibt es hier. „Wenn wir regelmäßig flächendeckend testen, ist das nur eine Momentaufnahme“, sagt Keck. „Und letztlich auch ein Kapazitätsproblem.“ Denn Testmaterial, das in Pflegeeinrichtungen, Arztpraxen und Kliniken gleichermaßen gebraucht wird, ist weiterhin knapp. Das gleiche gilt für Kapazitäten in Laboren, die die Tests auswerten müssen. Zudem war der Kreis Esslingen Anfang März der erste im Land, der mit den beiden Corona-Abstrichzentren in Nürtingen und auf den Fildern im Drive-In-Verfahren Massentests mit inzwischen weit über 6 000 Proben eingeführt hat. Mittlerweile sind zwei Fieberambulanzen und kreisweit fünf Corona-Schwerpunktpraxen hinzugekommen. Was die Situation in den Pflegeheimen betrifft, sagt Keck: „Wir werden unseren eingeschlagenen Weg fortsetzen, beobachten die Situation aber täglich und entscheiden immer wieder neu.“

Insgesamt gab es gestern 1 509 amtlich bestätigte Coronafälle im Landkreis. Die Zahl der am Virus Verstorbenen ist auf 57 geklettert. 843 Personen haben eine Infektion inzwischen überstanden, das entspricht 58 Prozent aller Erkrankter. Die Lage in den Kliniken wird von offizieller Seite als stabil beschrieben. Bernd Köble

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