Kirchheim

„Gigi, wir fahren ans Meer“

Film Beim Dreh des Kinostreifens „Gegen den Wind – Die Rückkehr“ war der Kirchheimer Gastronom Gigi Squillante mit von der Partie. Der Schauspieler und Regisseur Ralf Bauer hatte ihn als Koch engagiert. Von Bianca Lütz-Holoch

Symbolbild Nordsee
Symbolbild Nordsee

Die Serie war Kult: Mit rasanten Surfszenen, vor traumhafter Nordsee-Kulisse und mit zwei Herzensbrechern als Protagonisten eroberte „Gegen den Wind“ in den Neunzigerjahren eine große Fangemeinde. Jetzt kommt eine Fortsetzung in die Kinos. Wann genau der Streifen über die Leinwand flimmert, ist angesichts der Corona-Pandemie noch ungewiss. Die Dreharbeiten sind aber schon im Kasten. Am Set mit dabei war auch ein Kirchheimer: der in der Teckstadt wohlbekannte Gastronom Luigi „Gigi“ Squillante.

Gekommen ist das so: „Ich kenne Ralf Bauer aus meinem Lokal“, berichtet Gigi Squillante, der bis zu seinem Ruhestand 25 Jahre lang die „Trattoria da Gigi“ in der Kirchheimer Lammstraße geführt und dort immer wieder auch prominente Gäste mit seinen italienischen Gerichten bewirtet hat. Als Ralf Bauer in der Kirchheimer Stadthalle im Theaterstück „Gut gegen Nordwind“ spielte, landete er in der Trattoria bei Gigi. „Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt“, erzählt Gigi Squillante. Seither trifft er den Schauspieler regelmäßig. So auch vergangenes Jahr in Karlsruhe. Ralf Bauer, der in der Surfer-Serie einst die Hauptfigur „Nik“ verkörperte, erzählte bei der Gelegenheit, dass er einen Kinofilm plant: „Gegen den Wind - Die Rückkehr“, in dem sich Teile der alten Surfer-Clique in Sankt Peter-Ording wiedersehen. Ralf Bauer spielt darin nicht nur wieder den „Nik“, er ist auch Regisseur, Co-Produzent und Co-Drehbuchautor.

Beim Dreh des Kinofilms hat sich Gigi Squillante als Teil des Teams rundum wohlgefühlt. Mit einer tibetischen Köchin arbeitete e
Beim Dreh des Kinofilms hat sich Gigi Squillante als Teil des Teams rundum wohlgefühlt. Mit einer tibetischen Köchin arbeitete er Seite an Seite. Foto: pr

„Ich habe Ralf angeboten, dass ich helfen und kochen kann“, erinnert sich Gigi Squillante. Wenige Tage später klingelte dann tatsächlich das Telefon. „Ralf war dran. Er sagte: Gigi, pack deine Koffer, wir fahren ans Meer“, erzählt der 69-Jährige: „Ich war so happy. Ich habe mir schon immer gewünscht, nach Sankt Peter-Ording zu fahren.“

In den Ort an der Nordseeküste und vor allem in den schier endlosen Strand hat sich Gigi Squillante dann auch gleich verliebt. „Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen“, schwärmt er. So richtig viel Sightseeing war allerdings nicht drin. „Wir waren 30 Tage dort, und ich hatte nur einen Tag pro Woche frei.“ Die meis­te Zeit hat Gigi Squillante damit verbracht, einzukaufen und für die Crew zu kochen. „Meistens waren wir 30 oder 40 Leute, an zwei Tagen aber sogar 150“, berichtet der leidenschaftliche Koch, der sein Handwerk nie professionell gelernt hat. Ein Großküche? Fehlanzeige. „Ich habe in unserer Ferienwohnung auf dem Bauernhof gekocht und das Essen dann zu den Versorgungszelten an den Strand gebracht.“ Kein Wunder, dass da ganz schön viel Improvisationstalent gefragt war. „Einmal habe ich 210 Frikadellen gemacht - in einem ganz normalen Topf“, erinnert sich der Italiener lachend. Ein anderes Mal warf er den Grill an. Für die große Gruppe gab es einfach Minestrone.

Allein musste Gigi Squillante die Verpflegung aber nicht wuppen. „Ich hatte eine Helferin aus Tibet.“ Entsprechend kamen neben italienischen Gerichten auch tibetische Kost, Vegetarisches und Veganes auf den Tisch. Ralf Bauer hat enge Verbindungen zu Tibet. Er engagiert sich seit Jahren für die Rechte der Tibeter und lebt auch einen Teil des Jahres im Himalaya.

Auf dem Bauernhof in Sankt Peter-Ording hat Gigi Squillante sich eine Wohnung mit Antonio Putig­nano geteilt, einem italienischen Schauspieler, der in der Serie „Gegen den Wind“ den Pizzeria-Besitzer Rocky verkörpert hat. „Mit ihm habe ich mich sehr gut verstanden, wir sind richtig zusammengewachsen und haben gemeinsame Ausflüge unternommen“, berichtet der Koch aus Kirchheim. Ohnehin hat ihm das Zusammenleben mit den Filmleuten gut gefallen. „Wir waren wie eine große Familie, alle Türen waren offen, und auch die jüngeren Schauspieler sind regelmäßig zu mir gekommen, um zu plaudern.“

Überrascht war er, wie hart beim Film gearbeitet wird. „Die haben 15 Stunden am Tag gedreht. Morgens um 6 Uhr ging es los, und spät am Abend sind sie wiedergekommen.“ Ab und zu, wenn er gerade nicht in der Küche stand, hat Gigi Squillante am Set zugeschaut. „Das war sehr spannend“, sagt er und nennt ein Beispiel: „Für eine Szene, die im Film nachher fünf Minuten dauert, wurde fünf Stunden lang gedreht.“

Zu welchem Termin auch immer der Film ins Kino kommt - für Gigi Squillante steht fest, dass er ihn anschaut. Schließlich hat er ja hinter den Kulissen kräftig mitgewirbelt.

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