Kirchheim

Gleichung mit mehreren Variablen

Flüchtlinge Der Landkreis leert ­schrittweise seine Notunterkünfte, bleibt mangels ­verlässlicher Prognosen aber in Alarmbereitschaft. Von Bernd Köble

Selbstständig leben: In der Flüchtlingshilfe geht es jetzt um den Berufseinstieg.Foto: Thomas Krytzner
Selbstständig leben: In der Flüchtlingshilfe geht es jetzt um den Berufseinstieg.Foto: Thomas Krytzner

Stück für Stück kommt Ordnung ins Chaos. Die Sammelunterkünfte leeren sich. In den Kommunen wird gebaut. Diese Woche war Richtfest im Kirchheimer Hafenkäs, wo dauerhafte Wohnungen für Flüchtlinge mit guten Aussichten auf Bleiberecht entstehen. 3 000 sollen es kreisweit sein, die aus der Erstaufnahme 2017 in die Anschlussunterbringung wechseln werden. Momentan verfügt der Kreis in seinen 130 Gemeinschaftsunterkünften über 1 300 Plätze mehr, als er eigentlich bräuchte, weil Sporthallen und Großzelte nicht mehr belegt werden. Der Grund: Immer weniger Flüchtlinge kommen. Längst nicht alle bleiben.

Dass Standorte nun aller Orte geschlossen würden, diesen Zahn hat Landrat Heinz Eininger seinen Kreisräten hingegen schnell gezogen. Viereinhalb statt sieben Quadratmeter Wohnfläche pro Kopf – so will es der Gesetzgeber – sollen künftig jedem Flüchtling zustehen. Das hieße, dass man die bestehenden Plätze auch bei rückläufigen Zahlen weiter braucht. „Wir werden mit den jetzigen Zahlen dauerhaft planen müssen“, sagt Eininger, der einen Leerstand von 25 Prozent als Puffer deshalb für vertretbar hält.

Den Bürgermeistern will er dies mit einer hälftigen Anrechnung auf die Pflichtquote schmackhaft machen. In den Rathäusern regt sich bereits Widerstand. Angesichts unsicherer Zahlen hätten die Kommunen das Risiko alleine zu tragen, schimpft Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel (SPD), der Kritik vor allem an der Landesregierung übt. Weigel will, dass genauer hingeschaut werde, wie sich Überkapazitäten künftig vermeiden ließen.

Die Lage ändert sich, die Herausforderungen bleiben. Jetzt heißt es, Flüchtlinge, die da sind, aufs Alltagsleben vorzubereiten. Die Begleitung beim Übergang ins selbstständige Wohnen geht einher mit Sprachförderung und Hilfen auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Die Fortführung des landesweiten Programms zur Integration in den Arbeitsmarkt lässt sich der Kreis 2017 weitere 150 000 Euro kosten. Dass das Geld gut angelegt ist, bezweifelt im Ringen um den Kreishaushalt niemand. Das Projekt, an dem neben Arbeitsagentur und Landkreis auch berufliche und soziale Träger beteiligt sind, richtet sich an Flüchtlinge, für die aus Statusgründen die Sprach- und Integrationskurse des Bundesamtes nicht infrage kommen. 338 Personen nahmen im ersten Jahr daran teil. Die Warteliste ist lang, die Abbrecherquote mit 17 Prozent gering. 87 Teilnehmer absolvieren inzwischen Praktika oder haben eine Ausbildungsstelle angetreten.

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