Kirchheim

„Globalisierung kommt nicht einfach über die Menschen“

Infoveranstaltung Werner Rätz stellt die Arbeit von Attac in der Kirchheimer Stadthalle vor

Kirchheim. Über mangelnde Informationen konnten sich die Zuhörer wahrlich nicht beschweren, die der Einladung der neu gegründeten Attac-Regionalgruppe gefolgt sind. Im kleinen Saal der Kirchheimer Stadthalle sprach Werner Rätz, Gründer von Attac Deutschland, über die Anfänge und Aktionen seiner Organisation - und vor allem über die Verflechtungen von Konzernen, Banken und Politik.

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Quasi alles hängt mit allem irgendwie zusammen, weshalb es nicht immer ganz einfach war, auf eine Frage eine kurze, prägnante Antwort zu geben. Während beispielsweise gerade Mal eine handvoll Konzerne die Chemieindustrie weltweit dominieren, sieht es in der Automobilbranche ganz anders aus. „Hier hat die Politik interveniert, und daran sieht man, dass die Politik sehr wohl mitgestalten kann“, sagte Werner Rätz. Er widersprach damit der Meinung, die in den 1990er Jahren entstand - nach Ende des Kalten Kriegs und dem damit einhergehenden weltweiten Sieg des Kapitalismus -, dass es zu dem nun vorherrschenden System keine Alternative gibt. „Globalisierung ist kein Schicksal, das einfach so über die Menschen kommt. Das ist politisch so gewollt“, erklärte der in Bonn lebende Referent.

Im Jahr 1999 entstand der Bund der G 20-Staaten. Auffallend dabei: Außer Südafrika ist der ganze schwarze Kontinent ein weißer Fleck auf der G 20-Weltkarte- nicht nur Werner Rätz fühlt sich dabei an einen weiter bestehenden Kolonialismus erinnert. Bereits 1975 hat sich der elitäre Club der G 7-Staaten etabliert, zu dem die bedeutendsten westlichen Industrienationen gehört haben. Wie der nun auf 20 Staaten erweiterte Bund funktioniert, zeigte der Bonner an einigen Beispielen auf. Eines davon: in Intervallen und zeitverzögert die gleichen Reformen in allen Mitgliedsländern etablieren. So entstand in Deutschland Hartz IV, danach widmete sich die Politik der Rentenprivatisierung, dann der Gesundheitspolitik. „Es gibt kontinuierliche Arbeitsstrukturen in fast allen EU-Ländern. Nie finden solche Aktionen gleichzeitig statt, damit sich nicht staatenübergreifend Widerstand formiert und viele Menschen zeitgleich auf die Straßen gehen, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen“, erklärte der Referent und zeigte auch den Zynismus auf, der hinter positiv formulierten Zielen steckt: G 20 soll neue Maßstäbe die für wirtschaftliche Stärkung von Frauen setzen. „Das bedeutet im Kern Prekarisierung für die Arbeit vieler Männer. Das heißt Teilzeit und weniger Lohn - ist also unterm Strich eine Schlechterstellung für Männer“, urteilte der Referent.

Eine Fülle von Informationen gab es unter anderem zu Themen wie Finanzmärkte und Steuern, Freihandel, Krieg und Frieden oder Migration. Auch der G 20-Gipfel im Juli in Hamburg war Thema. Die Kirchheimer interessierte aber auch, was für sie als neue Regionalgruppe wichtig ist. „Das ist zum einen die inhaltliche Ebene. Es geht darum, sich selber zu informieren und dann die gewonnenen Erkenntnissen anderen mitteilen“, sagte Werner Rätz.

Wichtig sind sind vor allem lokale und regionale Themen. „Wenn man solche Felder bearbeiten kann, ist eine Regionalgruppe erfolgreich“, sagte er und nannte als Beispiel Augsburg. Das Attac-Team habe es dort bei zwei Bürgerentscheiden geschafft, gegen alle Fraktionen im Gemeinderat zu gewinnen - so etwa gegen die Privatisierung der Stadtwerke. „Mittlerweile macht sich die Stadtratsmehrheit vorher schlau, was Attac darüber denkt. Das ist das Optimalste überhaupt“, so Werner Rätz.

Nicht zu vergessen ist aus seiner Sicht, den Kontakt zu anderen Gruppen bundesweit zu suchen und zu halten, ebenso die Verbindung zu Attac Deutschland. „Ein- bis zweimal im Jahr sollte man bei einer bundesweiten Kampagne dabei sein“, riet Werner Rätz der im Januar gegründeten Kirchheimer Regionalgruppe. Iris Häfner

Info Das nächste Attac-Treffen findet am Mittwoch, 10.  Mai, um 19.30 Uhr im Alten Forstamt in Kirchheim statt.