Kirchheim

„Gnadle“ will sich den Spaß bewahren

Krise Wie viele seiner Kollegen macht auch Michael Attinger, der Wirt der Gasthaus-Brauerei Stiftsscheuer, aus der Not eine Tugend und renoviert während der corona-bedingten Schließungszeit umfassend. Von Andreas Volz

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Die Tische sind frisch abgeschliffen: Michael Attinger hat seine Wirtschaft vorübergehend in eine Baustelle verwandelt. Foto: Carsten Riedl

Stiftsscheuer-Wirt Michael „Gnadle“ Attinger ist in der Coronazeit nicht etwa stiften gegangen. Er macht sich lieber ans Scheuern. Umbauen, putzen, streichen, schleifen - Arbeit gibt es genug. Und die bes­te Art der Krisenbewältigung besteht noch immer darin, aus der Not eine Tugend zu machen.

Bei Michael Attinger hört sich das dann so an: „Irgendwelche Renovierungsarbeiten muss ich sowieso regelmäßig machen. Normalerweise nutze ich da die Zeit zwischen Weihnachten und 6. Januar.“ Jetzt hat er dafür - wenn auch unfreiwillig - wesentlich mehr Zeit, und die nutzt er eifrig: „Ich habe alle Tische abgeschliffen. Das geht nicht, wenn Gäste im Lokal sind. Außerdem will ich die Schankanlage erneuern. Dazu muss ich die Wand aufstemmen.“

Was dagegen schon im April hätte Premiere feiern sollen, muss jetzt ungenutzt auf bessere Zeiten warten: „Für draußen habe ich komplett neue Tische und Bänke, mit eigenem Logo.“ Wie lange diese Biergarnituren auf ihren ersten Einsatz warten müssen, weiß der Wirt noch nicht. Er zeigt sich aber optimistisch: „Meine stille Hoffnung ist, dass wir Mitte, spätestens Ende Mai wieder öffnen dürfen.“

In gewisser Weise scheint er das auch für sich selbst zu hoffen, denn trotz allen Fleißes sieht er auch die Gefahr von allzu viel Muße: „Ich bin gerade in einem gewissen Faultier-Modus. Es hat ja was, wenn man morgens nicht gleich der Erste beim Einkaufen sein muss.“ An solchen Aussagen zeigt sich eine der wichtigsten „Gnadle“-Devisen in Coronazeiten: „Man darf den Spaß nicht verlieren.“ Zu „pausierenden Gäs­ten“, die ihn beim Renovieren sehen, sagt er: „Spart euer Geld. Wenn ihr wieder kommen dürft, soll es eine rechte Zeche geben.“

Auch im Rückblick auf den Beginn der Schließungszeit überwiegt bei Michael Attinger der Humor: „Die Küche konnte ich selber leer essen. Die großen Fleisch­- stücke sind alle eingefroren. Nur Salat musste ich viel rausschmeißen.“ Und das Bier? Schlechte Nachrichten für alle, die am Rinnstein lauern würden: „Das ist noch da, das geht ja nicht so schnell kaputt.“ Wenn es tatsächlich bis Mitte oder Ende Mai zu Lockerungen kommen sollte, wäre es jetzt sogar an der Zeit, neues Bier zu brauen.

„Komisch, ohne Umsätze zu leben“

Aber Spaß ist nicht alles, dafür ist die Lage zu ernst: „Ich habe lange gerungen, mich dann aber doch für die Vernunft entschieden und so schnell wie möglich geschlossen.“ Es sei ein komisches Gefühl, ohne Umsätze zu leben. „Bei der Pacht bin ich deswegen in Verhandlung, um sie zu reduzieren.“ Einen entscheidenden Vorteil hat er immerhin: „Ich bin schuldenfrei, privat und auch beruflich.“

Ein großes Problem für die Gastronomie sei die Absage aller großen Feste. Die Coronazeit ist bislang voll in die Konfirmations- und Erstkommunionszeit gefallen. Auch Hochzeitstermine würden im Frühjahr wieder anziehen.

Michael Attinger kommt ins Sinnieren: „Jetzt merkt man erst, wie fragil unsere Gesellschaft ist, wie sehr wir mit den Lieferketten in Abhängigkeit geraten. Hoffentlich lernen wir was aus dieser Situation.“ Er selbst hätte da eine Empfehlung: „Wie wäre es denn, wenn wir uns alle nächstes Jahr im Februar wieder für zwei Wochen eine solche Auszeit nehmen? Das wäre sicher gut für die Gesundheit.“ Zwei Wochen wären ja auch klar begrenzt. Das ließe sich planen. Und es ließe sich besser überstehen, in jeder Hinsicht. Sein größtes Manko spart sich der Stiftsscheuer-Wirt nämlich für den Schluss auf: „Was mir fehlt, sind meine Gäste - über Wochen hinweg und sogar am Tag des Bieres.“

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