Kirchheim

Großbaustelle nimmt Formen an

Informationsveranstaltung Vertreter von Bahn und Baufirma stellten das Großprojekt Albvorland vor. Auf Naberner Markung sind die Erdbewegungen nun deutlich sichtbar. Von Iris Häfner

In der Naberner Gießnauhalle konnten sich die Bürger über den Bau des Albvorlandtunnels informieren.Foto: Carsten Riedl
In der Naberner Gießnauhalle konnten sich die Bürger über den Bau des Albvorlandtunnels informieren.Foto: Carsten Riedl

Auf große Resonanz stieß die Informationsveranstaltung zum Albvorlandtunnel in der Naberner Gießnauhalle. „Uns ist es ein großes Anliegen, regelmäßig und zeitnah über die Baustelle zu berichten“, sagte Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker in ihrer kurzen Begrüßung. Vor allem Nabern ist von den Arbeiten betroffen. „Das ist eine Baustelle, wie wir sie noch nie erlebt haben und erleben werden“, ist sie überzeugt.

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Michael Frahm, Teamleiter DB Netze, und Dr. Andreas Groten von der schweizerischen Firma Implenia stellten das Großprojekt vor. Zwei riesige Bohrmaschinen werden zwei Tunnelröhren graben. Das Trogbauwerk, wo die ICE-Züge künftig in Richtung Wendlingen abtauchen und in der Gegenrichtung wieder an die Oberfläche kommen, ist bereits unübersehbar in den Boden gegraben und befindet sich auf Höhe der Firma Leicht direkt neben der Autobahn.

Eine muntere Fragerunde schloss sich der Präsentation an. Baustellenlärm und Arbeitszeiten interessierten einen Zuhörer. „Wir haben einen Durchlaufbetrieb. Es wird sieben Tage die Woche 24 Stunden täglich gearbeitet. Im Moment ist es noch eine normale Fünf-Tage-Woche“, antwortete Andreas Groten. Selbstverständlich werde sich die Firma an die gesetzlichen Vorschriften TA Baulärm (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm) halten, versprach er.

Hartmut Rehm, Naberner Ortschaftsrat, hatte gleich mehrere Fragen in petto, etwa, ob Schwertransporter durch Nabern fahren und die Baustraße genehmigt ist. Den Standort der Wohncontainer neben der Gießnau bei der bestehenden Feldscheuer findet er soweit in Ordnung, mahnte jedoch an, dass der Zufahrtsweg nicht zu stark befahren werden sollte, da die Gebäude an einem beliebten Naherholungsweg liegen. „Wir werden alles tun, um dort Verkehr zu verhindern. Ganz ausschließen kann ich aber nicht, dass die Arbeiter über den Weg zum Supermarkt fahren“, sagte Andreas Groten. Das Baufeld selbst wird von den schweren Lkws direkt über die Autobahn beziehungsweise die B 465 bei der Autobahnmeisterei angefahren.

Eben jene Transportroute auf der B 465 interessierte die Zuhörer. Erst einmal im Betrieb, werden die Vortriebsmaschinen eineinhalb Jahre rund um die Uhr laufen. Täglich fallen dann etwa 4 000 Kubikmeter Abraum an, die über Förderbänder auf eine Halde gelangen. 500 Lkw-Fahrten sind pro Tag nötig, um das Material abzutransportieren. Diese fahren tagsüber von Montag bis Freitag etwa 20 Verwertungsstellen an, darunter die Firmen Moeck bei Grabenstetten und Bauer bei Erkenbrechtsweiler - über die restlichen 18 schwieg sich Michael Frahm aus. Etwa die Hälfte der Schwertransporte schlagen die Richtung nach Owen ein. Dort wird bekanntlich die Bundesstraße demnächst saniert, weshalb die Naberner befürchten, dass die Lkws über die Ochsenwanger Steige auf die Alb fahren und damit durch ihren Ort brausen. „Es wird zu Umleitungsverkehr kommen“, redete Michael Frahm nicht um den heißen Brei herum.

Siegfried Hauff, Vorsitzender der Bürgerinitiative Schnellbahntrasse, wollte mehr über die Stromversorgung des Tunnelbauwerks wissen, wenn es fertig gestellt ist. „Es wird ein Umspannwerk in Nabern geben“, teilte Michael Frahm mit, und Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer ergänzte: „Wo jetzt die Baustelle ist, wird das Werk stehen. Auch der Tunnelrettungsplatz befindet sich dann dort.“

Eidechsen und Baubeginn waren weitere Themen der Fragerunde. Die Reptilien können für Terminverzögerungen von bis zu 18 Monaten sorgen, betreffen die Naberner Maßnahme jedoch nicht. „Tunnelbau ist nicht Hallenbau. Es ist mit Unwägbarkeiten zu rechnen. Die versuchen wir abzuschätzen und gehen damit operativ um“, erklärte Andreas Groten. Nach derzeitigem Stand werden die Vortriebsmaschinen in etwa einem halben Jahr ihre Arbeit aufnehmen.

Auf Höhe der Firma Leicht im Gewerbegebiet Bohnau entsteht derzeit der Tunneltrog.Foto: Jean-Luc Jacques
Auf Höhe der Firma Leicht im Gewerbegebiet Bohnau entsteht derzeit der Tunneltrog.Foto: Jean-Luc Jacques

Info-Telefon der Bahn für die Bürger

„Wir wollen eine bürgernahe Baustelle sein. Wer etwa nicht auf seinen Acker kommt, kann sich bei uns melden“, ist Michael Frahm an einem guten Verhältnis zu den Anwohnern gelegen. Die Bauinfo Stuttgart-Ulm ist unter der Telefonnummer 07 11/21 32 12 12 oder E-Mail bauen@stuttgart-ulm.de erreichbar.

Macht das Bohrgerät in der Nacht Lärm, gibt es das Beschwerdetelefon, 01 63/8 50 85 44, das rund um die Uhr besetzt ist. „Das ist die Bauüberwachung, die weiß genau, wo was los ist“, so Michael Frahm. ih