Kirchheim

Grüße aus der Jogginghose

Wer Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Der sogenannte Modezar Karl Lagerfeld, von dem dieser berühmt gewordene Satz stammt, musste das Corona-Krisenzeitalter nicht mehr erleben. Ob man es ihm gewünscht hätte, hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Wie man zum Dress-Code steht. Ob der Blick nur bis zur Tischplatte reicht, oder halt auch darunter. Oder ob die Jeans öfter mal an prominenter Stelle zwickt.

Das kollektive Stubenhocken jedenfalls verändert die Welt und damit auch diejenigen, die Hierarchien von kostbarem Zwirn und feingestickten Labels ableiten. Was den Alltagsbetrieb zurzeit irgendwie retten muss, wirft ein grelles Licht auf eine faszinierende Metamorphose: Home-Office. Da werden smarte Banker plötzlich zu zotteligen Höhlenbären und Business-Beauties zu Couch-Potatoes im Schlumpfkostüm. Stets nett umrahmt von praktischen Ikea-Regalen. Das Schöne daran: Video-Konferenzen laden ein, dabei zu sein, tragen das Private auf direktem Weg hinaus in die Welt. Nichts stört mehr, alles geht. Das Gespräch mit dem Chef und die Knoblauchfahne von gestern? Passt. Wer es nicht glaubt, probiere es selber aus.

Wenn stimmt, dass Kleider Leute machen, dann macht Corona aus Kleiderständern plötzlich Menschen. In diesem Sinne: Grüße aus der Armani-Jogginghose, und bleibt alle gesund.

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