Kirchheim

„Haja, warum au ned“

Musik Der Kirchheimer Liedermacher Günther Wölfle hat seine neueren Songs auf einer Live-CD veröffentlicht – mehr aus Zufall als geplant. Fans und Sammler dürfte es trotzdem freuen. Von Günter Kahlert

Ein eingespieltes Team: Dieter Hildenbrand und der Kirchheimer Liedermacher Günther Wölfle (von links).Foto: privat
Ein eingespieltes Team: Dieter Hildenbrand und der Kirchheimer Liedermacher Günther Wölfle (von links).Foto: privat

Manches passiert auch einfach nur zufällig. Die neue Live-CD des Kirchheimer Liedermachers Günther Wölfle gehört in diese Kategorie. Klar, er hat sich in den letzten Jahren immer wieder Gedanken gemacht, dass seine neueren Songs auch mal auf Platte sollten, aber irgendwie war ihm der Aufwand mit Studio, zusätzlichen Musikern, Abmischen und was sonst noch so alles dranhängt, zu groß. Außerdem ließ ihm sein Anwalts-Job ohnehin nur wenig Zeit dazu. Da war es ausgesprochen praktisch, dass Fred Jürgen Bulach auf ihn zukam und einen Liveauftritt professionell mitschneiden wollte. Bulach ist der engagierte Betreiber des Internet-Senders „Mundartradio“, der ausschließlich Musik mit schwäbischen Texten spielt. Er suchte schlicht nach „content“, heißt im Klartext: Er wollte einen Auftritt als Material für seine Sendungen aufzeichnen.

„Ha ja, warum au ned“, war die typische Reaktion des Schwaben Günther Wölfle. „Koscht“ ja nix extra. Also: Auftrittsort schnell festlegen - Bürgerhaus Bad Boll - und Fred Jürgen Bulach rückte mit seiner kompletten Aufnahme-Ausrüstung an. Bis dahin noch kein Gedanke an eine CD. „Es sollte einfach eine Radiosendung sein, er kann sich da ein paar Titel rauspicken“, dachte sich der Kirchheimer. Und dann das: „Der Abend ist so gut gelaufen, das Publikum war unglaublich. Wir haben hinterher gesagt, da könnte man eine CD daraus machen“, schildert Wölf­le die spontane Reaktion. „Wir“ - das sind er und sein kongenialer Bassist Dieter Hildenbrand aus Dettingen. Dass er sich mit „Günther Wölfle 2017 live“ auch noch ein Geburtstagsgeschenk zum 66. gemacht hat, ist nur noch das Sahnehäubchen.

14 Titel sind auf der CD, davon elf neue. Alles absolut ehrlich, nicht nachbearbeitet. „Da sind auch die kleinen Verspieler drauf, die live halt vorkommen“, sagt er fast entschuldigend. Den Deutschen Schallplattenpreis will er mit der Platte sowieso nicht gewinnen, und ehrlich gesagt: Die angeblichen kleinen Patzer merkt der Normalhörer gar nicht.

Es ist nach wie vor großartig, wie Günther Wölfle Alltagssituationen einfängt, in einen genialen Erzählstil kleidet und bei seinen Zuhörern die Reaktion hervorruft: „Genau so isches!“.

Da ist sein „Blöd‘s Glomp“, das den Ärger mit defekter Fahrradbeleuchtung thematisiert oder mit dem Computer, der plötzlich den Drucker nicht findet. Ebenso das Radler-Lied „Schwitz“, musikalisch adaptiert vom Klassiker „Route 66“, oder „Wer isch des bloß?“, eine Situation, die jeder kennt. Man wird in der Stadt gegrüßt, erkennt das Gesicht, hat aber keine Ahnung, wie der- oder diejenige heißt. Ist Günther Wölf­le häufig so passiert. Zum Glück wusste seine Frau Carmen immer, um wen es geht. Aber das ist eine andere Geschichte.

„Günther Wölfle 2017 live“ ist eine kleine, feine CD-Produktion für die Sammler unter den Fans des schwäbischen Liedermachers. Und vielleicht gibt es auch demnächst noch mehr. Der Kirchheimer überlegt gerade, die bislang erschienenen drei LPs aus den Jahren 1977, 1979 und 1981 als Doppel-CD zu veröffentlichen. Wahrscheinlich auch für sich selber. Günther Wölfle hat auch nur noch jeweils ein einziges Exemplar von „I mechd so gern a Rockstar sei“, „I glaub I werd so langsam ald“ und „Goischderfahrer“.

Info Wer Interesse an Günther Wölf-les Live-CD hat, findet sie über die Website des Künstlers www.güntherwölfle.de oder in der Kirchheimer Buchhandlung Schöllkopf.

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