Kirchheim

Helfen bei der Stellensuche

Integration Im Kirchheimer „Treffpunkt Einstieg Job“ wird Flüchtlingen geholfen, berufliche Perspektiven zu entwickeln und einen Arbeitsplatz zu finden. Von Daniela Haußmann

Sabine Treyz steht Osezele Amedu mit Rat und Tat zur Seite. Sie und ihr Team helfen Flüchtlingen bei der Integration in den Arbe
Sabine Treyz steht Osezele Amedu mit Rat und Tat zur Seite. Sie und ihr Team helfen Flüchtlingen bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Foto: Daniela Haußmann

Wieder und wieder kommt Osezele Amedu in die Hindenburgstraße 4 in Kirchheim. Der Nigerianer sucht dringend eine Stelle. Beim „Treffpunkt Einstieg Job“, aus dem sich rückwärts gelesen die Abkürzung „JET“ ergibt, findet er Hilfe. Amedu ist nicht der einzige Flüchtling, der eine Beschäftigung sucht. „JET“-Leiterin Sabine Treyz und ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter betreuen rund 140 Ausländer. Ob die Heranführung an den Arbeitsmarkt, die Entwicklung individueller Berufsperspektiven, das Verfassen von Bewerbungsunterlagen, die Vorbereitung auf ein Vorstellungsgespräch oder die Suche nach einem Job, einer Ausbildung oder einem Praktikumsplatz - diejenigen, die das von der Beratungsstelle „Chai“ im November 2015 initiierte Angebot wahrnehmen, erhalten umfassende Unterstützung.

„Die meisten, die sich an uns wenden, weisen schon sehr gute Deutschkenntnisse auf“, berichtet Sabine Treyz. „Fachbegriffe, die zum Beispiel in der Berufsschule in Büchern, Textaufgaben oder Aufsätzen auftauchen, sind verständlicherweise eine Herausforderung.“ Doch die Flüchtlinge bringen der Sozialarbeiterin zufolge eine hohe Lernbereitschaft mit. „Chai“-Mitarbeiterin Renate Hirsch weist darauf hin, dass dringend mehr flankierender Deutschunterricht inner- und außerhalb von Berufsschulen notwendig ist. Wer zu „JET“ kommt, ist, genau wie Osezele Amedu, als Flüchtling anerkannt und hat eine Arbeitserlaubnis oder muss sie beim Ausländeramt noch einholen.

Viele der arbeitsuchenden Ausländer verfügen laut Sabine Treyz zwar über keinen adäquaten Bildungsabschluss, dafür bringen sie jede Menge praktische Kenntnisse mit. Schließlich haben die meisten in ihren Herkunftsländern beispielsweise als Schweißer, Elektriker oder Maurer gearbeitet.

Auf Grundlage dieser Berufserfahrung wird im Treffpunkt alles dafür getan, um Osezele Amedu und andere über Stellenanzeigen oder persönliche Kontakte in Jobs zu vermitteln. Der Nigerianer, der mit Frau und Kindern in Dettingen lebt, besitzt den Gabelstaplerschein. Derzeit besucht er die Fahrschule. Ende Februar hat er aller Voraussicht nach seinen Autoführerschein in der Tasche. „Ich kann im Lager arbeiten, auf dem Bau oder im Lieferdienst“, erzählt Osezele Amedu, der in seiner Heimat neun Jahre als Fotograf tätig war. In diesem Beruf würde er zwar gerne auch in Deutschland arbeiten, doch Amedu ist flexibel. „Ich muss meine Familie ernähren, deswegen bin ich bereit, jede Chance auf Beschäftigung zu nutzen“, betont der Afrikaner.

Rund 90 Prozent der Ausländer, die das „JET“-Team begleitet, wollen sich zunächst im Rahmen eines Praktikums einen Eindruck von den Unternehmen und den jeweiligen Berufsbildern machen. Das ist nach Ansicht von Sabine Treyz für beide Seiten von Vorteil. „Immerhin können auch Firmen auf diese Weise ihre potenziellen Arbeitskräfte sehr gut kennenlernen“, erklärt die Sozialarbeiterin, die berichtet, dass etwa 50 Prozent der Flüchtlinge direkt nach dem Praktikum eingestellt werden. Eine Übernahmequote, die die „JET“-Leiterin als großen Erfolg wertet. Vor Kurzem konnte das Team um Sabine Treyz einen 22-Jährigen an ein Autohaus vermitteln. „Zwei Jahre lang hat er im Iran die Ausbildung zum Kfz-Mechaniker durchlaufen. Das dritte Jahr konnte er nicht abschließen, weil er fliehen musste“, erzählt die Sozialarbeiterin. „Nun kann er seine Ausbildung abschließen.“

Für Treyz ein Fall, der zeigt, dass die Integration von Flüchtlingen in den deutschen Arbeitsmarkt gelingen kann. Dazu trägt laut der „JET“-Leiterin auch die gute Vernetzung ihrer Einrichtung mit dem Jobcenter, aber auch anderen Partnern wie der Anerkennungsstelle bei. Denn etwa zwei Prozent der Flüchtlinge, die in die Hindenburgstraße 4 kommen, können einen Universitätsabschluss vorweisen. „Ihnen helfen wir bei Fragen rund um die Anerkennung des Studiums weiter und leiten sie an die zuständigen Stellen weiter“, sagt Sabine Treyz. Wobei „Chai“-Mitarbeiter Tobias Sender darauf hinweist, dass sich unter den Flüchtlingen deutlich mehr Akademiker befinden, die sich aber nicht an „JET“ wenden, weil sie sehr gut selbst zurechtkommen. Sabine Treyz jedenfalls ist stolz darauf, dass es ihrem Team in den zurückliegenden Monaten gelungen ist, vielen Flüchtlinge eine berufliche Perspektive zu bieten.

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