Kirchheim

Hell-Dunkel-Kontraste werden hörbar

Quartett Beim fünften Meisterkonzert des VHS-Kulturrings zieht „clair-obscur“ alle musikalischen Register.

„Clair-obscur“ in der Kirchheimer Stadthalle. Foto: Rainer Kellmayer
„Clair-obscur“ in der Kirchheimer Stadthalle. Foto: Rainer Kellmayer

Kirchheim. Das Saxofonquartett „clair-obscur“ hat beim fünften Meisterkonzert des VHS-Kulturrings Kirchheim einen Hauch Berliner Luft durch die Stadthalle wehen lassen. Aus Hygienegründen waren drei jeweils einstündige Konzerte angesetzt, bei denen sich das Publikum mit großem Abstand im Saal verteilte. Dem Hörgenuss tat dies jedoch keinen Abbruch - das Quartett entführte die Zuhörer mit erfrischenden Interpretationen und perfekter Spielkultur ins turbulente Treiben eines Berliner Ballhauses im Jahr 1932.

Schon beim schwungvollen Einzug mit „Willkommen“ aus dem Musical Cabaret spürten die Gäs­te: Hier sind Musiker am Werk, die technische Hürden nicht zu fürchten haben, und die es verstehen, Musik mit souveräner Leichtigkeit zu servieren. Doch nicht nur musikalisch überzeugte „clair-obscur“: Auch launige Moderationen und choreografische Elemente machten den Abend zum spannenden Erlebnis. Bei Auszügen aus Kurt Weills „Die Drei­groschenoper“ konnte der Zuhörer nachempfinden, dass Jan Schulte-Bunert (Sopran), Maike Krullmann (Alt), Christoph Enzel (Tenor) und ­Kathi Wagner am ­Baritonsaxofon an der Berliner Hochschule für Musik bei ­Friedemann Weigle, dem 2015 verstorbenen Bratscher des berühmten Artemis-Streichquartetts, eine hochqualifizierte Ausbildung genossen haben.

In der Vertonung des von ­Bertolt Brecht geschriebenen Librettos begeisterte die Perfektion des abgestimmten Zusammenspiels, zudem die dynamische Präzision und glasklar herausgemeißelte Konturen. Das Quartett wurde damit seinem Namen gerecht, denn „clair-­obscur“ bedeutet in der bildenden Kunst extreme Hell-Dunkel-Kontraste. Immer wieder schwang sich Weills expressive Musik zu gewaltigen Klimaxen auf und war befeuert von leidenschaftlicher Energie - aber auch ein Schuss Erotik durfte nicht fehlen.

Bei Titeln wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ zog das Saxofonquartett „clair-­obscur“ nochmals alle Register. Dann gab es mit einem brillant präsentierten „­Veronika, der Lenz ist da“ den ­lockeren Rausschmeißer. Doch das begeisterte Publikum gab sich damit noch nicht zufrieden: Mit ­George Gershwins „Walking the Dog“ setzte die Gruppe den endgültigen Schlusspunkt des grandiosen Konzerts. Rainer Kellmayer

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