Kirchheim

Her mit dem Lappen!

Im letzten Jahrhundert  heiß begehrt und ersehnt: der „Lappen“. - Hier ein Exemplar aus dem Jahr 1956.Foto: Irene Strifler
Im letzten Jahrhundert heiß begehrt und ersehnt: der „Lappen“. - Hier ein Exemplar aus dem Jahr 1956.Foto: Irene Strifler

Was ist nur los? Immer mehr junge Leute haben‘s weder wichtig noch eilig mit dem Führerschein. - So viele, dass das Thema derzeit auf Oberstufenelternabenden hitzig diskutiert wird. Oft sehr umweltbewusst, stammen die Eltern aus einer Zeit, in der man der Anmeldung bei der Fahrschule entgegenfieberte. Sie drängen geradezu auf den Führerschein mit 17. Dahinter steckt die Überzeugung: Führerschein heißt nicht, dass man fortan sinnlos Kilometer runterreißt und das Fahrrad einmottet. Führerschein bedeutet auch nicht gleich Auto haben, schon aus Kostengründen nicht. Führerschein heißt einfach: Wenn‘s drauf ankommt, ist man mobil.

Doch viele 16-Jährige haben eher Smartphones als die Pappe im Kopf. Erst später macht es Klick. Schade, denn es schont die Nerven der Eltern, wenn der Sprössling vor der ersten Alleinfahrt Erfahrungen unter Papas Argusaugen sammelt. Außerdem fördert‘s das Familienleben, wenn der fahrbereite Filius mit 17 plötzlich Interesse an Familienausflügen bekundet: Übers Wochenende zu Tante Karin in die Eifel? - Gern!

Wichtiger ist jedoch der Blick über die Volljährigkeit hinaus. Dass der Führerschein verzichtbar sei, ist zumindest im ländlichen Raum ein Trugschluss. Ein Blick auf die (Ferien-)Jobangebote genügt: Wer keinen hat, beraubt sich vieler Chancen. Schön auch, dass der Nachwuchs künftig mal nach Oma schauen kann, die an ihrem Häusle auf dem Land festhält, ohne Laden, ohne Arzt, ohne Unterhaltung.

Oma krempelt man nicht mehr um, der Nachwuchs kommt aber meist irgendwann noch drauf: Pappe muss sein!

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