Kirchheim

Hier bleibt es nicht bei einer Handvoll Chips

Zwei peruanische Kartoffelchips-Hersteller besuchen im Rahmen der Fairen Woche den Kirchheimer Weltladen

Dank der Kooperative Agropia/Peru verbessert sich die Lebensqualität der Kartoffelproduzenten, und in Deutschland gibt es nun auch blaue und rote Chips.

Für die Peruanerin Espirita Guerrero Romero ist der Anbau der „papas nativas“ eine Lebensaufgabe.Fotos: Carsten Riedl
Für die Peruanerin Espirita Guerrero Romero ist der Anbau der „papas nativas“ eine Lebensaufgabe.Fotos: Carsten Riedl

Kirchheim. Eine Tüte Kartoffelchips ist für viele fester Bestandteil bei einem Abend auf der Couch und vor dem Fernseher. Aus einer Handvoll Chips wird dann oft eine weitere und dann noch eine, bis die Tüte leer ist. Das Suchtpotenzial ist hoch, doch es wird nun noch höher. Durch die dwp Freihandelsgenossenschaft und die Weltläden Kirchheim und Köngen gibt es die kleinen Kartoffelsnacks nun auch in rot und blau. Und noch viel besser als die Farbe, ist der faire Handel mit den Kartoffelchips.

„Guten Morgen und Buenos Dias“, begrüßt Barbara Schneider vom Vorstand des Weltladens Kirchheim alle Kartoffelchips-Liebhaber und zwei spezielle Gäste. „Heute haben wir Yanet Giovana Garay Flores und Espirita Guerrero Romero aus dem fernen Peru bei uns.“ Im Gepäck haben die beiden bunte Kartoffelchips aus den Anden. „Wir freuen uns, dass wir heute hier sein dürfen und sehen können, wie der faire Handel funktioniert“, sagt Yanet Giovana Garay Flores. Sie ist seit 2015 die Geschäftsführerin der Kooperative Agropia. Die Organisation unterstützt peruanische Kartoffelbauern und verbessert somit deren Lebensqualität und die der Familien.

Eine davon ist Kleinbäuerin Esperita Guerrero Romero – auch die „Hüterin der Vielfalt“ genannt. Romero baut auf fast 4 000 Höhenmetern 400 verschiedene Kartoffelsorten an und hält somit an den „papas nativas“ fest. „Eine Hüterin der Kartoffelsorten zu sein, ist eine Berufung“, sagt Flores und meint weiter: „Es drückt die Liebe zum Land und zum Produkt aus.“ Doch Romero baut nur einen Teil der Sorten an. Insgesamt wird die Kartoffelvielfalt zwischen 3 000 und 5 000 Sorten allein in Peru geschätzt.

Doch der Weg von den Feldern in die Chipstüten war für die Kooperation eher steinig. Geschäftsführerin Flores erklärt: „Unsere Verarbeitungsfabrik befand sich anfangs in Lima. Mit circa acht Stunden Autofahrt war die Anreise viel zu lang.“ Durch private Finanzierungen konnte eine eigene Verarbeitungsfabrik in Betrieb genommen werden und die Fahrtzeit vom Feld in die Fabrik beträgt jetzt nur noch 40 Minuten. „In Peru ist es nicht so einfach, eine Fabrik zu bauen, aber wir haben es geschafft. Wir sind nun ein Modellunternehmen, dem sich viele Bauern anschließen wollen“, erklärt Flores stolz.

Um ihr Produkt auf den Markt zu bringen musste Agropia kämpfen: „Sogar in Peru war es schwer, ein farblich nicht vertrautes Produkt zu verkaufen. Wir sind dann auf dwp gestoßen und konnten dadurch unsere Chips auf den deutschen Markt bringen.“ Die Nachfrage an bunten Chips ist so groß, dass dieses Jahr drei Container voll mit den Kartoffelsnacks nach Deutschland geschifft wurden. Als Espirit Guerrero Romero dann von ihren Kartoffeln erzählt, merkt man ihre Leidenschaft für dieses Produkt an. Die Kleinbäuerin gibt ihren Kartoffeln sogar Namen. „Ich habe einen halben Hektar Land, das ich für den Export mit einer Gruppe von bis zu zehn Personen bewirtschafte – und alles natürlich in Handarbeit“, erzählt sie. Tradition wird hier großgeschrieben.

Agropia legt großen Wert auf die Gesundheitsvorsorge, eine schulische Ausbildung für die Kinder, die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie den Umweltschutz. Espirita Guerrero Romero ist begeistert von der Kooperative: „Mein Lebensstandard hat sich sehr verbessert. Den Kindern geht es nun gut und sie können zur Schule gehen.“ Regelmäßig nimmt sie an Messen teil, um über die „papas nativas“ zu berichten. „Ich wünsche mir mehr Marktchancen für die vielen Kartoffelsorten, sodass Perus Schatz bewahrt werden kann.“

Am Ende des Vortrages gibt es dann die blauen und roten Chips. Denn nach so viel Informationen über den Kartoffelsnack muss schließlich auch probiert werden. Begeistert sind die beiden Peruanerinnen auch von den ehrenamtlichen Mitarbeitern des Weltladens: „Für uns ist es schön, zu sehen, wie sehr sie sich hier für den fairen Handeln einsetzen und ehrenamtlich hier arbeiten.“

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