Kirchheim

„Hier fühlen wir uns sicher“

Freizeit Echte Camper sind gerade in der Corona-Krise auf dem Camping-Platz am besten aufgehoben. Die Betreiber haben wegen der Auflagen aber alle Hände voll zu tun. Ein Besuch auf dem Alb-Camping. Von Thomas Zapp

Regnen soll es am Wochenende, und auch die Temperaturen werden wohl in den Keller gehen. Solche Wettervorhersagen sorgen bei Campingplatz-Betreibern normalerweise für schlechte Laune. Bei Elmar Thanner, Betriebsleiter der Anlage Alb-Camping Westerheim, macht sich fast Erleichterung breit. „Dann muss ich wenigstens nicht ständig die Frage beantworten, wann das Freibad wieder aufmacht“, sagt er augenzwinkernd. Die Anlage mit dem 25-Meter-Becken, zwei weiteren Pools und einer Rutsche gehört zu den Highlights auf dem blitzsauber gepflegten Platz. Das Wasser ist bereits eingelassen, es müsste nur noch angeheizt werden. Aber: „Am Donnerstagabend kamen die Bedingungen für die Wiedereröffnung am 6. Juni. Das kannst du hier nicht leisten“, sagt er. Pro Becken und für die Rutsche bräuchte er je eine Aufsichtsperson. Die müssen noch darauf aufpassen, dass pro 10 Quadratmeter nur eine Person im Wasser ist und dabei 1,50 Meter Abstand zum nächsten Schwimmer oder Schwimmerin hält. Bei zehn fest angestellten Mitarbeitern für den gesamten Platz ist das nicht zu stemmen. Das Becken bleibt zu und Elmar Thanner muss die sehnsuchtsvollen Blicke der Gäste weiter aushalten.

Fast 1000 Camper auf 200000 Quadratmetern: Der Camping-Platz Alb-Blick hat imposante Ausmaße. Foto: Jean-Luc Jacques
Fast 1000 Camper auf 200000 Quadratmetern: Der Camping-Platz Alb-Blick hat imposante Ausmaße. Foto: Jean-Luc Jacques

Die Fischers stört das nicht. Sie genießen den Platz am Rande der Alb auch ohne Planschen in vollen Zügen. „Wir wollten eigentlich nach Italien oder ins Tessin. Aber jetzt haben wir uns für die Alb entschieden. Wir haben einfach geschaut, wo es einen schönen Campingplatz gibt“, sagt Andreas Fischer, der mit Frau Katja und den vier Kindern für eine Woche ins Schwäbische gekommen ist. Die Familie lebt in Büsingen, einer deutschen Enklave auf Schweizer Staatsgebiet. Die Regeln der Eidgenossen erleben die Fischers täglich. „Dort gibt es keine Maskenpflicht und kein Mindestabstandsgebot“, sagt Katja Fischer, die als Ärztin an einem Schweizer Krankenhaus arbeitet. In Deutschland werde das besser gehandhabt, findet sie, auch die Maskenpflicht gefällt ihr gut: „Hier fühlt man sich sicher.“ Für die Einhaltung der Abstandsregeln in geschlossenen Räumen haben Elmar Thanner und sein Team gesorgt. So ist in den Waschräumen jedes zweite Waschbecken und jede zweite Toilette mit Absperrband zugeklebt, in allen Räumen herrscht Maskenpflicht, gereinigt wird häufiger. Immerhin dürfen die Duschen genutzt werden.

„Camping boomt“

Familie Fischer mit Rosa und Jakob kommt wieder. Foto: Jean-Luc Jacques
Familie Fischer mit Rosa und Jakob kommt wieder. Foto: Jean-Luc Jacques

„In Bayern geht das noch nicht, dort sind ab Samstag nur die Toiletten offen“, sagt Camperin Michaela Herbst, die mit ihrem Mann aus Bad Kissingen auf die Alb gekommen ist. „Wir dachten lange, dass es wegen Corona nicht gehen würde“, sagt sie. Dass es nun geklappt hat, freut vor allem eine: Hündin Amy, die eine begeisterte Camperin ist. Ein Hotelurlaub käme für Michaela Herbst und ihren Mann nie infrage: „Ich habe lieber meine eigene Matratze.“ Diesen Vorteil sähen in der Corona-Krise mehrere so, hat sie beobachtet. „Camping boomt. Die vorher im Hotel waren, denken, sie können jetzt campen“, sagt sie.

Spaß darf nicht fehlen
Spaß darf nicht fehlen

Seit dem 18. Mai hat der „Alb-Camping Westerheim“ wieder geöffnet, nach fast einem Monat Zwangsschließung. „Zumachen geht schnell, aber Aufmachen ist schwer, wenn die Bedingungen nicht klar sind“, erzählt Elmar Thanner. Zunächst durften nur „autarke Camper“ mit eigener Toilette und Waschmöglichkeiten kommen. Seit dem 29. Mai kommen auch die „normalen“ Camper wieder, denn seitdem haben die sanitären Anlagen mit entsprechenden Einschränkungen geöffnet. „Die Infos der Behörden kamen immer drei, vier Tage vorher auf den Tisch“, ärgert er sich. Zum Glück hatte der Betriebsleiter schon vor Corona Seifenspender und Duschen auf „kontaktlos“ umrüsten lassen. „Heute würde es das Dreifache kosten.“ Den „Durchgang“ mit Check der Anlagen um 22 Uhr hat er häufiger selbst noch einmal gemacht. Denn an Desinfektionsmitteln, Papier und Seife darf es nicht fehlen. Da haben alle am Anschlag gearbeitet. „Was das Reinigungsteam geleistet hat, ist großartig“, schwärmt der Chef.

Herr Elmar Thanner Betriebsleiter
Herr Elmar Thanner Betriebsleiter

Am vergangenen Wochenende sind rund 1000 Menschen auf den 200 000 Quadratmeter großen Camping-Platz gekommen, der einen Fußballplatz, Spielplätzen und sogar eine Halfpipe für Skateboard-Fahrer beherbergt. Für dieses Wochenende erwartet Elmar Thanner ähnliche Zahlen. Er rechnet auch damit, dass es gerade zwischen den Ferien noch mehrere „Nachholer“ geben wird. Für die Zeit der Schließung hat er noch keine Verlustrechnung aufgestellt. „Was würde das jetzt bringen? Ich bin grundsätzlich optimistisch und schaue nach vorne“, sagt er. Das kann er auch sein. Denn auch wenn sich einige Dauercamper über die Schließung geärgert hatten, hat dem Alb Camping die Corona-Krise in puncto Beliebtheit bisher nicht geschadet. Eher im Gegenteil, meint Elmar Thanner: „Es gab noch einmal einen Run auf die Plätze.“

Abstand bei den Waschbecken.
Abstand bei den Waschbecken.
Die Kirchheimer Familie Szlatki kommt regelmäßig zum Kurzurlaub auf den Platz.
Die Kirchheimer Familie Szlatki kommt regelmäßig zum Kurzurlaub auf den Platz.
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