Kirchheim

Hier geht es weiter um die Wurst

Nachfolge Benny und Sabrina Gölz von der Landmetzgerei Fauser & Gölz aus Zell haben Küblers Wursthaus am Kirchheimer Ziegelwasen übernommen und umgestaltet. Der Personalstamm bleibt erhalten. Von Andreas Volz

Vorgänger und Nachfolger (von links): Ulrich und Ingrid Kübler sowie Sabrina und Benny Gölz. Foto: Markus Brändli
Vorgänger und Nachfolger (von links): Ulrich und Ingrid Kübler sowie Sabrina und Benny Gölz. Foto: Markus Brändli

Völlig reibungslos hat die Über­gabe funktioniert - wenn auch ein wenig anders, als man es sich in einem Familienbetrieb über Generationen hinweg vorstellt: In Küblers Wursthaus am Ziegelwasen ist jetzt die Landmetzgerei Fauser & Gölz eingezogen. „Wir sind alle richtig glücklich“, sagt Ulrich Kübler über sich sowie über Benny und Sabrina Gölz. „Wir haben tolle, motivierte Nachfolger gefunden. Das begeistert mich.“

Die Geschäftsübergabe war schon seit längerer Zeit geplant. Eigentlich hätte sie bereits im Juli erfolgen sollen. Aber Corona hat die Sache verzögert. „Den Vertrag haben wir schon vor einem Jahr im September unterzeichnet“, erzählt Ulrich Kübler. „Wir haben auch Handzettel ausgelegt, um darüber zu informieren. Aber trotzdem waren jetzt viele Leute überrascht.“

Die Gründe für Ulrich Kübler und seine Frau Ingrid, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, sind schnell erklärt: „Unsere Kinder stehen kurz davor, ihr Studium abzuschließen, und bei beiden ist klar, dass sie uns nicht nachfolgen werden.“ Andererseits wäre es jetzt nach 20 Jahren an der Zeit gewesen, den Laden grundlegend zu erneuern. Eine solche Investition und einen solchen Aufwand betreibt man aber nur, wenn es eine entsprechende Perspektive gibt.

Deshalb haben nun Benny und Sabrina Gölz die Aufgabe übernommen, den Laden in Rekordzeit umzubauen - und künftig auf neue Angebote zu setzen. Ulrich Kübler erinnert sich noch gut an den einstigen Edeka-Laden in seinem Geschäft: „Meine Eltern haben hier sogar Einzelhandelskaufleute ausgebildet.“ Auch wenn er selbst mit viel Herzblut seiner Arbeit nachgegangen ist, überzeugt ihn das Ergebnis des Umbaus: „Das ist jetzt ein modernes Fleischereifachgeschäft.“ Besonders freut es ihn, dass seine Theke erhalten geblieben ist, wenn auch in völlig neuem Gewand.

Nicht lange überlegt

„Wir haben das so gestaltet, wie es unseren anderen Läden entspricht“, meint Sabrina Gölz. „Man muss uns ja wiedererkennen.“ Ein Teil des Ladens besteht jetzt aus Sitzgelegenheiten, wo die Kunden sich den Mittagstisch schmecken lassen können. Die neue Filiale ist für das Ehepaar eine folgerichtige Weiterentwicklung. „Wir haben nicht lange überlegt und zugesagt“, berichtet Benny Gölz. „Als die Anfrage kam, hatten wir das Geschäft in Zell seit einem Jahr übernommen und auch schon zwei Filia­len umgebaut. In der Produktion haben wir alle Maschinen ausgetauscht - und das gleich eine Nummer größer.“

Ulrich Kübler erklärt, was das alles bedeutet: „Fauser & Gölz ist ein mittelständisches Unternehmen mit 50 Mitarbeitern. In der Produktion werden nicht nur Schweine geschlachtet, sondern auch Rinder. Das ist alles andere als selbstverständlich.“

Noch weniger ist es selbstverständlich, dass zwei 33-Jährige sich so in diese Arbeit stürzen. „Wir sind rund um die Uhr im Geschäft. Wir sind aber auch sehr ehrgeizig, das ist unsere gemeinsame Leidenschaft“, sagt Sabrina Gölz. Ihr Mann ergänzt: „Wenn im Sommer eine normale Festsaison ansteht, sind 14 Stunden Arbeit auch am Sonntag völlig normal.“

Erweiterungspläne gibt es auch fürs Stammhaus in Zell, wo sich die beiden den Traum eines eigenen Steakhauses erfüllen wollen. Einig aber sind sich am Kirchheimer Ziegelwasen Vorgänger wie Nachfolger an einem wichtigen Punkt: „So ein Betrieb kann nur funktionieren, wenn die ganze Familie mitmacht. Ohne Großeltern geht sowieso nichts, im Laden wie bei der Kinderbetreuung.“ Auch ohne Personal lässt sich ein Laden nicht betreiben. In Kirchheim ist es für alle Seiten ein Glücksfall, dass der Großteil des Personals übernommen werden konnte. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass für die nächs­te Grillsaison ein Automat vorgesehen ist.

Selbst die Rote Wurst zum Gallus- und Märzenmarkt soll weiterhin verkauft werden. Ulrich Kübler will dafür sogar das Familienrezept weitergeben - und selbst als Verkäufer in der Garage stehen. Was er sonst machen will, nach mehr als 40 Berufsjahren, weiß er noch nicht. „Aber ich rate jedem, der ein Geschäft abgibt, sich rechtzeitig eine Geschichte zu überlegen - weil alle danach fragen.“ Immerhin verspricht er: „Sobald ich weiß, was ich mache, schreibe ich es in einer Anzeige im Teckboten.“

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