Kirchheim

Hilfe in schwierigen Zeiten: Manche Menschen können aus Zitronen eine Limonade machen

Wettbewerb Der Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ steht unter dem Motto „Hilfe in herausfordernden Zeiten“. Er wird von der Kreissparkasse und dem Teckboten ausgelobt. Von Iris Häfner

Gemeinsam durch schwierige Zeiten gehen - der Ehrenamtspreis will Aktionen des Miteinanders in den Fokus rücken. Foto: pr

Als sämtliche Beteiligte beschlossen haben, den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ wieder auszuloben, war Corona das alles beherrschende Thema – um von einem noch schlimmeren abgelöst zu werden: Krieg in Europa. Das Motto „Hilfe in herausfordernden Zeiten“ hat an Aktualität nichts eingebüßt – im Gegenteil. 

Landrat Heinz Eininger ist Schirmherr der Aktion. „Wir sind Gemeinschaftswesen!“, hat er seinen Aufruf überschrieben, sich für den Ehrenamtspreis zu bewerben. „Die Welt ist im Wandel – das erleben wir seit zwei Jahren mehr, als uns lieb ist. Seitdem das Corona-Virus Ende Januar 2020 in Deutschland festgestellt wurde, hat sich vieles verändert. Wir alle haben Situationen durchgemacht, die wir so noch nie erlebt haben“, erklärt er. Manche Menschen seien erschöpft, mutlos, ängstlich und einsam, weil während der Pandemie auch das Miteinander gelitten hat. „Der soziale Kitt fehlt an vielen Stellen. Aber es gibt auch Menschen, die aus Zitronen, die ihnen das Leben liefert, Limonade machen. Menschen, die in dieser herausfordernden Zeit das Gute, das Verbindende sehen und danach handeln“, ist Heinz Eininger optimistisch. Und diese starken Helferinnen und Helfer will der Ehrenamtspreis würdigen. 

 

Es geht um innovative Formate, die auf sichere Art Nähe und Verbundenheit entstehen lassen.
Landrat Heinz Eininger

 

„Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnlichen Einsatz. Der Ehrenamtspreis möchte all jenen Menschen danken, die in dieser Krisenzeit anderen helfen und Mut machen und damit den Zusammenhalt unserer Gesellschaft stärken“, so der Landrat. Mit diesem Wettbewerb angesprochen werden sollen sowohl Einzelpersonen als auch Gruppen, die anderen helfen, diese herausfordernde Zeit zu meistern, die mit dem Ukraine-Krieg noch mehr Brisanz hat. Dabei geht es um Initiativen, die das Miteinander – sei es auch notgedrungen auf Distanz – fördern, vor Vereinsamung schützen und praktische Hilfe leisten. „Es geht um innovative Formate, die auf sichere Art Nähe und Verbundenheit entstehen lassen – egal, ob auf Vereinsebene oder außerhalb von Organisationsstrukturen“, sagt der Schirmherr. Mit diesem Engagement seien die Menschen Vorbilder für andere.

Ein solches Vorbild kann etwa die Musikstudentin sein, die von ihrem Balkon aus Konzerte gibt, oder ein Jugendlicher der Gassi geht, weil die Hundebesitzer in Quarantäne sind. Weitere Beispiele: Kindergartenkinder malen Bilder fürs Seniorenheim und Nachbarn legen einen Gemeinschaftsgarten an. Eine pensionierte Lehrerin bietet online Nachhilfestunden an und eine Kirchengemeinde lädt zu philosophischen Spaziergängen ein. „Ein Verein findet neue Wege, um Mitglieder bei der Stange zu halten: Yogastunden werden online gegeben. Zirkeltraining findet im Wald statt – der Stammtisch am Bildschirm“, nennt Gertrud Henle von der KSK-Unternehmenskommunikation weitere Möglichkeiten. Wanderungen statt Hallensport oder „Challenges“ als sportliche Herausforderung gehören ebenfalls dazu. Generationenübergreifend lassen sich auch Schreibprojekte realisieren, wenn sich Jung und Alt über ein gemeinsam vereinbartes Thema gegenseitig Briefe schreiben.

Alle können sich bewerben

Die Liste lässt sich beliebig erweitern. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, ebenso wenig der Kreativität. Bewerben können sich Vereine, die neue Wege finden und gefunden haben, um ihre Mitglieder bei Laune zu halten oder gar neue hinzugewonnen haben, dank der neuen Formate. Auch Einzelpersonen oder lose gebildete Gruppen können sich melden, etwa weil sie seit Monaten für den Nachbarn oder die Nachbarin einkaufen gehen – oder sich im Wald gegenseitig beim Spaziergang Mut zusprechen. 

Info Für den Ehrenamtspreis „Starke Helfer“ können Ehrenamtliche sich selbst mit ihrem eigenen Projekt bewerben oder aber auch von anderen vorgeschlagen werden. Wichtige Voraussetzung dabei: es muss im Verbreitungsgebiet des Teckboten liegen. Die Bewerbung kann direkt beim Verlag, Alleenstraße 158 in 73230 Kirchheim, abgegeben werden, dort liegen die Bewerbungsunterlagen bereit. Auch online ist die Bewerbung möglich unter der Adresse www.ksk-es.de/erleben. Einsendeschluss ist der 20. Juni. Eine Jury ermittelt zehn Preisträger, die im Sommer im Teckboten vorgestellt werden. Unter diesen bestimmt die Jury unter dem Vorsitz von Landrat Heinz Eininger als Schirmherr dann die Preisträger.

 

Seit fast 20 Jahren steht das Ehrenamt im Fokus

Der Gedanke der Wertschätzung und Unterstützung steht seit 2003 im Zentrum des Ehrenamtspreises „Starke Helfer“. Die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen hat ihn in Zusammenarbeit mit den Tageszeitungen im Landkreis ins Leben gerufen, um zu zeigen, wie reich der Kreis an ehrenamtlichem Engagement ist – und um viele Nachahmer zu finden, also Menschen, die sich für das Gemeinwohl und die (Um-) Welt einsetzen.

Im Mittelpunkt standen bisher Themen wie „Nachhaltigkeit“, „Jung und engagiert“ und „Zusammen leben ohne Grenzen“. Über 1400 Bewerbungen gingen seit Beginn der Aktion ein. Die Kreissparkasse und die Medienpartner zeichneten bislang rund 700 Menschen und Projekte für ihr Engagement aus. Die Stiftung der KSK stellte dafür mehr als 280 000 Euro zur Verfügung. Viermal wurden Projekte aus dem Landkreis auch beim bundesweiten Deutschen Bürgerpreis ausgezeichnet. Aufgrund der Pandemie fand die Würdigung der Preisträger im Jahr 2020 ausschließlich in den Zeitungen statt – anstelle, wie bis dahin, in Abschlussveranstaltungen vor Ort. tb

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