Kirchheim

Hinterm Steuer Anekdoten rund um die Pappe

Serie Der alte Führerschein, liebevoll „Pappendeckel“ genannt, stirbt aus. Nach und nach muss er umgetauscht und ungültig gestempelt werden. Die Jahrgänge von 1953 bis 1958 sind bereits zur Rückgabe der geschichtsträchtigen Dokumente aufgefordert. Für den Teckboten ist das Anlass, Anekdoten und Histörchen aus dem Verbreitungsgebiet rund um die Pappe zu präsentieren.

Knapp 11.000 Kilometer auf dem Tacho - nicht mit dem Auto, sondern mit dem E-Bike. Foto: Peter Dietrich

 

Auf der Abbiegespur geradeaus gefahren, und das bei der Prüfung

„Das hätte jetzt nicht sein müssen“, sagte der Fahrlehrer – nachdem der Prüfer ausgestiegen war. Und der Prüfling, also ich, wusste nicht so richtig, was er damit meinte. „Wir fahren nochmal zurück, dann zeige ich es Ihnen.“ Eigentlich war die praktische Fahrprüfung ganz gut gelaufen, und wir hatten uns schon auf dem Rückweg befunden. Allerdings war ich doch glatt in einer engen Wohnstraße auf der Rechtsabbiegespur geradeaus unterwegs. Und - zu allem Überfluss: Ich hatte es nicht einmal gemerkt.

Was hat mich das geärgert, denn es war so schön geplant: Zwischen Abitur und Zivildienst war Zeit für den Führerschein. Nun zogen sich ein paar weitere Fahrstunden und die zweite Prüfung in den Zivildienst hinein. Bei dieser warnte mich der Fahrlehrer vor dem strengen Prüfer: „Vorsicht, der macht sie nervös.“ Das war berechtigt, und am Ende kam die Frage nach der Zahl meiner Fahrstunden. Es waren nicht ganz wenig, ganz ohne privates Übungsauto. „Das war auch keine zu viel“, kommentierte der Prüfer trocken meine Antwort. Aber ich hatte endlich die Pappe.

Und ein neues Problem: Im Zivildienst hätte ich andere Leute durch den Stuttgarter Moloch fahren können – mit fremden Autos und in einer fast fremden Stadt. Da hatte ich als Fahranfänger dann doch Skrupel. Die Fahrpraxis kam deshalb erst später bei einem studentischen Praxissemester. Da schob der Chef die Verschrottung des alten Fiat Panda auf, denn bei dem konnte der Praktikant nicht mehr all zu viel zerstören. Ich düste dann aber ohne jeden Kratzer durch die Region.

Bis heute hatte ich nie ein eigenes Auto, fahre viel lieber E-Bike. Aber wenn ich meine Pappe betrachte, klingt in mir ein Lied: „Sag mir, wo die Haare sind, wo sind sie geblieben.“ Peter Dietrich

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