Kirchheim

Hintermänner leben oft schon lange in der Region

Die zehn mutmaßlichen Drogendealer aus Kirchheim und Nürtingen bleiben in Untersuchungshaft

Für zehn Männer aus Afrika klickten die Handschellen. Gemäß der Staatsanwaltschaft Stuttgart besteht der Verdacht, dass sie im Landkreis Esslingen mit Drogen gehandelt haben.

Kirchheim/Nürtingen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergaben die dringende Vermutung, dass zehn Männer, die in Kirchheim und Nürtingen in Flüchtlingsheimen untergebracht sind, mit Drogen gedealt haben. Die zuständige Staatsanwaltschaft hat darauf entsprechende Haftbefehle erwirkt. „Am Montag und Mittwoch der vergangenen Woche nahm die Kriminalpolizei die Tatverdächtigen fest und führte sie dem Haftrichter vor“, so die Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Reutlingen, Andrea Kopp. Der Staatsanwalt hat gegen alle Untersuchungshaft angeordnet. Die polizeilichen Ermittlungen sind bisher noch nicht abgeschlossen. Ist dies der Fall, werden die Ermittlungsakten samt Anzeige der Staatsanwaltschaft vorgelegt, und diese entscheidet dann, ob es eine Anklage gibt. Bis dahin bleiben die Männer in Untersuchungshaft.

In Flüchtlingsheimen gibt es keine speziellen Präventionsangebote. „Vielmehr spricht die Polizei im Bereich Drogen die Zielgruppen der potenziellen Konsumenten, also der Abnehmer, an“, sagt Andrea Kopp. Insbesondere bei jungen Menschen gibt es diverse Aufklärungsprogramme. „Wir wollen über die Wirkungsweise und Risiken berichten und die Kinder und Jugendlichen für die Gefahren des Drogenkonsums sensibilisieren.“ Dies gilt für die gesamte Bevölkerung, also auch für Flüchtlinge. Um eine bessere Wirkung zu erzielen, bindet die Polizei auch Eltern und Lehrer in das Thema ein. „Es geht vor allem darum, frühzeitig zu erkennen, wenn ein Jugendlicher Drogenprobleme haben könnte, damit rechtzeitig Hilfe angeboten werden kann“, erklärt die Polizeisprecherin. Der Drogenhandel hat zwar im Jahr 2014 mit 570 Fällen gegenüber 2013 mit 674 Fällen abgenommen, 2015 verzeichnete die Polizei aber 623 Fälle. Diese Zahlen wurden im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen für die Landkreise Esslingen, Reutlingen und Tübingen erfasst. Dieses Jahr wird erst am Jahresende bilanziert. „Registriert werden allerdings nur die Fälle, die von der Polizei aufgedeckt wurden. Da gibt es eine Dunkelziffer unbekannten Ausmaßes“, gibt Andrea Kopp zu bedenken.

Durch die konsequente Strafverfolgung, wie bei den Festnahmen der vergangenen Woche, kann der Handel vorübergehend eingedämmt werden. „Allerdings ist zu bedenken, dass die Marktanteile der Dealer, die wir festnehmen, oft sehr schnell von anderen übernommen werden“, so die Erfahrung der Polizei. Die Herkunft der Drogen ist stets Gegenstand der Ermittlungen. „Diese sind umfangreich und schwierig, zumal nur selten Beschuldigte Angaben über ihr Geschäft machen“, sagt die Pressesprecherin und führt weiter aus: „Dass Flüchtlinge die Ware mitbringen, spielt in der Praxis keine Rolle. Die Hintermänner leben oft bereits seit längerer Zeit hier.“ Die Leute „hinter der Front“ werben bevorzugt Menschen an, die aufgrund ihrer aussichtslosen wirtschaftlichen Lage aus Afrika fliehen. „Diese sind untereinander gut vernetzt.“

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