Kirchheim

Hochburgen und trockene Täler

Wahlbezirke Die Parteienlandschaft sieht in einzelnen Kirchheimer Wahllokalen ganz unterschiedlich aus. Briefwähler neigen verstärkt zur CDU. Von Andreas Volz

Auftakt zum Stimmenzählen im Rathaus: Die markantesten Ergebnisse einzelner Kirchheimer Wahllokale gab es am LUG, an den beiden
Auftakt zum Stimmenzählen im Rathaus: Die markantesten Ergebnisse einzelner Kirchheimer Wahllokale gab es am LUG, an den beiden Realschulen und an der Max-Eyth-Schule.Foto: Jean-Luc Jacques

Tabellen sind mitunter sehr aufschlussreich, auch wenn es sich vordergründig nur um eine Aneinanderreihung von Zahlen handelt. In einzelnen Kirchheimer Wahlbezirken gibt es beispielsweise beachtliche Spitzenwerte, die sich auf einige wenige Standorte beschränken: die Max-Eyth-Schule, das Ludwig-Uhland-Gymnasium sowie die Freihof- und die Teck-Realschule. Dort gibt es für so manche Partei deutliche Ausreißer - nach oben wie nach unten.

In zwei von vier Wahlbezirken an der Teck-Realschule schneidet die AfD besonders gut ab: Auf Werte zwischen 24,9 und 28,4 Prozent bringt es die AfD dort bei Erst- und Zweitstimmen, während Grüne und FDP teils ihre niedrigsten Zustimmungswerte in ganz Kirchheim erhalten. Sogar die CDU wird deutlich überflügelt und kommt dort auf ihren absoluten Tiefpunkt - knapp 14 Prozentpunkte unterhalb ihres Kirchheimer Gesamtergebnisses.

Über die Gründe für dieses Wahlverhalten lässt sich natürlich nur spekulieren. Nicht unwahrscheinlich ist es aber, dass der persönliche Hintergrund der Wähler eine große Rolle spielt: Der Anteil an einstigen Spätaussiedlern ist in den dortigen Wahlbezirken mitunter deutlich höher als in anderen Wohngegenden.

Ein genereller Trend ist das zwar nicht, denn in den anderen beiden Wahlbezirken an der Teck-Realschule weicht das AfD-Ergebnis nicht auffällig vom Durchschnitt ab. Interessant ist aber, dass alle vier Bezirke an der Aichelbergstraße trotzdem noch eine Gemeinsamkeit aufweisen: Sie gehören allesamt zu den Wahlbezirken, in denen die SPD mit ihre besten Kirchheimer Ergebnisse einfahren konnte.

In einem von zwei Wahlbezirken am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) dagegen lag die SPD bei Erst- und Zweitstimmen um jeweils sieben Prozentpunkte unter ihrem Kirchheimer Gesamtergebnis. Dafür schlägt dort das Pendel auf der anderen Seite der großen Koalition aus, weil die CDU in diesem Bezirk ihr bestes Zweitstimmenergebnis verzeichnet. Bei der Erststimme für die CDU wird das LUG-Ergebnis nur noch von einem der beiden Wahlbezirke im Naberner Rathaus übertroffen.

Jeweils einer von vier Wahlbezirken an der Freihof-Realschule kann als Hochburg von Grünen und FDP gelten. Zusammen sind sie die Bezirke mit den wenigsten AfD-Stimmen. Einer stellt auch bei der Linken das trockenste Tal dar, weil die Linkspartei dort sowohl bei der Erst- als auch bei der Zweitstimme gerade einmal zwei bis 2,5 Prozent erreicht. Dafür hat die Linke ihre Kirchheimer Hochburg in der Max-Eyth-Schule, wo sie rund 14 Prozent der Stimmen für sich verbuchen kann.

Inwieweit sich aus den Ergebnissen in den einzelnen Wahllokalen tatsächlich fundierte Rückschlüsse auf die jeweilige Wohnbevölkerung ziehen lassen, bleibt fraglich. Aus der Statistik geht nämlich nicht hervor, wie viele Wahlberechtigte sich in den einzelnen Bezirken für die Briefwahl entschieden haben.

Aufschlussreiche Trends sind freilich auch bei den Briefwählern zu beobachten: Sowohl in Kirchheim als auch in den anderen Kommunen im Verbreitungsgebiet des Teckboten liegt die CDU bei der Briefwahl fast ausnahmslos über ihrem Gesamtergebnis. Bei Grünen, FDP und Linken lässt sich in dieser Hinsicht kein einheitlicher Trend beobachten, während SPD und AfD bei der Briefwahl fast immer schlechter abschneiden als in den Wahllokalen. Eine Bewertung dieses speziellen Trends sollte aber Politik- oder Sozialwissenschaftlern vorbehalten bleiben.

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